Landesgartenschau 2000

Erinnerungen an das Memminger Blumenmeer

Erinnern sich vor Ort an die Eröffnung der Landesgartenschau vor genau 20 Jahren (von links): Memmingens Gartenamtsleiter Rudolf Schnug und die Gartenschau-Macher Hanspeter Faas und Claudia Knoll.

Erinnern sich vor Ort an die Eröffnung der Landesgartenschau vor genau 20 Jahren (von links): Memmingens Gartenamtsleiter Rudolf Schnug und die Gartenschau-Macher Hanspeter Faas und Claudia Knoll.

Bild: Siegfried Rebhan 

Erinnern sich vor Ort an die Eröffnung der Landesgartenschau vor genau 20 Jahren (von links): Memmingens Gartenamtsleiter Rudolf Schnug und die Gartenschau-Macher Hanspeter Faas und Claudia Knoll.

Bild: Siegfried Rebhan 

Vor 20 Jahren begann die Landesgartenschau in Memmingen. Wie sich eine ehemaligen Kläranlage in einen Park verwandelte. Und es gibt weitere Gestaltungspläne.
28.04.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Blauer Himmel pur und Sonne satt: Nach heftigem Regen samt Hochwassergefahr herrschte Kaiserwetter am Eröffnungstag der Landesgartenschau (LGS) vor genau 20 Jahren. „Die Tage vor der Eröffnung waren extrem aufregend“, erinnert sich Hanspeter Faas. Der 66-Jährige war damals als Geschäftsführer mit seiner Frau Claudia Knoll sowie Stadtkämmerer Jürgen Hindemit und Gartenamtsleiter Rudolf Schnug für die Organisation verantwortlich. Am 28. April – auch noch Faas’ Geburtstag – seien noch die letzten Pflanzen gesetzt worden, bevor die ersten Besucher kamen. „Vorne gingen quasi Ministerpräsident Edmund Stoiber und Oberbürgermeister Ivo Holzinger rein und hinten die Handwerker raus“, erinnert sich Faas lachend und zeigt über das LGS-Areal, das den offiziellen Namen „Stadtpark Neue Welt“ trägt. Tag und Nacht wurde zuletzt noch gewerkelt.

Auf insgesamt rund 18 Hektar Fläche und mit einer Gesamtlänge von 1,7 Kilometern entstanden aus Richtung der Altstadt im Auen-Bereich der Memminger Aach vor allem Blumenbeete – Bauerngärten, einheimische Blumen, Stauden und Bäume sowie ein Naturpfad setzten die überwiegenden Akzente. Auch die alte Mühle wurde mit Ausstellungen integriert. Aus dem ehemaligen Kläranlagen-Gelände wurden im wahrsten Sinne des Wortes „blühende Landschaften“.

Dabei hatte es durchaus Widerstände gegeben. Die erste Bewerbung gab es 1983. Weil aber 1980 schon Neu-Ulm zum Zug gekommen war und 1985 Augsburg, habe Memmingen als weitere Stadt in Schwaben keine Chance gehabt. 1991 habe der damalige Stadtplanungsleiter Hans Bender eine erneute Bewerbung angestoßen. „Damals hat uns aber keiner unterstützt, wir hatten auch keine Haushaltsmittel“, erinnert sich Faas. „Die Menschen konnten sich nicht vorstellen, wie aus der zerstückelten und teils bebauten Fläche so eine Parklandschaft entstehen sollte“, ergänzt Claudia Knoll.

Trotzdem wurden die zum Teil selbst gezeichneten Unterlagen rausgeschickt. „Wir hatten sicher die schlechteste Bewerbung“, sagt Schnug rückblickend. Die Bewertungskommission in München habe das aber anders gesehen und gesagt „Da sieht’s so schlimm aus, da muss die Gartenschau hin“. Drei wesentliche Fürsprecher gab es: Josef Miller, damals Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sowie die Memminger Brüder Hermann und Walter Kutter. Der eine war Vorsitzender der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbauer im Freistaat, der andere Vorsitzender der bayerischen Baumschulen.

Nach dem Zuschlag folgte 1995 ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb, 1996 der erste Spatenstich. „Da gab es ein paar Dinge, die für die damalige Zeit spektakulär waren“, erklärt Faas. Und nennt die helle Unterführung unter dem Schumacherring sowie die großen Wasserflächen unter der Autobahn.

„Alle Ziele erreicht“ sieht dennoch rückblickend der gelernte Gärtner und Gartenbau-Ingenieur Faas, der zuletzt die Bundesgartenschau in Heilbronn betreute: Da sei einerseits ein „starker, wirtschaftlicher Impuls für die Stadt“ entstanden: „Rund 40 Millionen Euro sind an Investitionen direkt durch die Gartenschau ausgelöst worden.“ Andererseits sei Memmingen als Stadt aufgewertet und damals von vielen Auswärtigen als schöne Stadt entdeckt worden. Für die Memminger selbst entstand aus einer Brachfläche, die weitgehend nicht der Öffentlichkeit zugängig war, dauerhaft ein Park.

Und das bleibt auch so, betont Schnug. Während andere LGS-Städte zumindest Teile der Areale verkauften, hält Memmingen am Stadtpark fest. Im Norden, schon im Stadtteil Amendingen, wird mittelfristig sogar noch Neues entstehen: Auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks sollen Wohnungen gebaut werden – aber durchaus mit Grün drumherum und eventuell einem verbreiterten Bachlauf bis nah an die Grund- und Mittelschule Amendingen.

Auch Kämmerer Hindemit zieht eine positive Bilanz der LGS: „Als Vertreter der Stadt hatten wir im Vorfeld durchaus Zweifel, ob uns die Investition von rund 22 Millionen D-Mark netto und ein mögliches Defizit aus der Veranstaltung finanziell überfordern könnte.“

Oberbürgermeister Manfred Schilder ergänzt: „Die Landesgartenschau war ein absoluter Glücksfall für Memmingen. Aus einem äußerst unattraktiven Areal wurde eine wunderschöne Parklandschaft mit Bach, Kneippanlage, See, Wakeboard-Anlage, Spielplatz, Biergarten und etlichem mehr. Bei Memmingerinnen und Memmingern aller Generationen kommt dieser Stadtpark sehr gut an – auch für mich zählt die Neue Welt zu meinen Lieblingsplätzen in der Stadt.“