Ehrenamt

Feuerwehr löst sich in Egg an der Günz nach 138 Jahren auf

Vor einigen Jahren wurde im Feuerwehrhaus Inneberg (links) noch ein Schulungsraum eingebaut. Nach der Auflösung der Wehr soll das Gebäude künftig als Domizil für den noch zu gründenden Dorfgemeinschaftsverein dienen.

Vor einigen Jahren wurde im Feuerwehrhaus Inneberg (links) noch ein Schulungsraum eingebaut. Nach der Auflösung der Wehr soll das Gebäude künftig als Domizil für den noch zu gründenden Dorfgemeinschaftsverein dienen.

Bild: Franz Kustermann

Vor einigen Jahren wurde im Feuerwehrhaus Inneberg (links) noch ein Schulungsraum eingebaut. Nach der Auflösung der Wehr soll das Gebäude künftig als Domizil für den noch zu gründenden Dorfgemeinschaftsverein dienen.

Bild: Franz Kustermann

Weil sich kein Nachwuchs mehr findet, endet im Ortsteil Inneberg eine Tradition. Wer dort nun im Ernstfall löscht.
12.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Genereller Nachwuchsmangel – nicht nur bei den Führungskräften: Aus diesem Grund wurde nun die Freiwillige Feuerwehr Inneberg (Egg an der Günz) aufgelöst. Auch für den langjährigen Kommandanten David Schäfer konnte kein Nachfolger gefunden werden: Seit 40 Jahren war er aktiv bei der Wehr und engagierte sich seit 23 Jahren als deren Kommandant. Mit seinem Ausscheiden hat nun auch die 138-jährige Tradition der Wehr ein jähes Ende gefunden. Von der laut Bürgermeister Wolfgang Walter „intakten Dorfgemeinschaft mit einem sehr guten Miteinander“ soll nun ein Dorfgemeinschaftsverein gegründet werden, der im bisherigen Feuerwehrhaus (samt Schulungsraum) sein Domizil erhält.

Die Tatsache, dass der Kommandant ausschied und sich gleichzeitig kein Nachfolger finden ließ, bezeichnet Gemeindechef Walter als den „ersten Knackpunkt“. Zwischendurch sei die Wehr zwar von Schäfers Tochter Judith geführt worden. Doch aufgrund der Altersstruktur in den 34 Haushalten mit nur rund 70 Bürgern sei für die Wehr auch allgemein der notwendige Nachwuchs ausgeblieben.

Inventar wird aufgeteilt

„Es ist ewig schade, dass das jetzt einfach stirbt“, bedauert Walter: Die Uniformen und Schutzanzüge werden nach seinen Worten nun gereinigt und kommen in eine Kleiderkammer. Wenn in den Feuerwehren von Egg oder Engishausen Nachwuchs hinzukommt, wird er damit ausgestattet. Schläuche und anderes Inventar werden auf die beiden gemeindlichen Wehren aufgeteilt. Was mit dem Schlepperanhänger und der Pumpe von Inneberg geschieht, ist dagegen nach Angaben des Bürgermeisters noch nicht entschieden. Die Chance für eine Wiedergründung einer Wehr in Inneberg sind aus Sicht des Rathauschefs „gleich Null, weil es die Altersstruktur nicht mehr hergibt“.

Dem ausgeschiedenes Kommandanten David Schäfer zufolge wurde die Wehr am 1. Januar 1882 gegründet. Zumeist gehörten ihr etwa elf Aktive an. Zuletzt gab es nach seinen Worten noch 16 eingetragene Mitglieder, doch zwei seiner Töchter und mehrere andere Aktive seien aus Inneberg wegzogen: „Zum Schluss waren es nur zehn Leute.“ Dabei seien eigentlich 27 Aktive für eine Feuerwehr vorgeschrieben. Mit nur 16 Leuten war die Wehr lange Zeit also „nur geduldet“ – mit nur noch zehn Leuten sei dann endgültig Schluss gewesen: Inneberg war nicht mehr in der Lage, eine funktionierende Mannschaft zu stellen. Er habe das Amt nur noch ausgeübt, „weil von den Jungen keiner Kommandant machen wollte“, sagt Schäfer. Viele Jüngere gingen Berufen nach, bei denen sie teils auch oft im Ausland tätig seien. „Die paar jungen Kräfte, die wir noch hatten, machen alle ihren Techniker oder Meister“, sagt Schäfer: „Sie standen also für das Amt des Kommandanten nicht zur Verfügung.“

Fortan gibt es in Egg an der Günz noch zwei Feuerwehren: Die 27-köpfige Wehr von Engishausen verfügt laut Bürgermeister Walter derzeit über ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank. Die Wehr aus dem Hauptort Egg verzeichnet demnach 30 Aktive, verfügt über ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) und zusammen mit der Ortsteilwehr von Engishausen über eine Atemschutzgruppe mit zwölf Mitgliedern. Während in anderen Wehren tagsüber Personalprobleme auftreten würden, sei das in Egg anders: Die Wehr verfüge über einen Seniorentrupp – hauptsächlich bestehend aus rüstigen Landwirten. Damit sei die Einsatzbereitschaft auch dann gewährleistet, wenn Berufstätige auswärts beim Arbeiten sind: „Wenn mal was wäre, sind die Senioren immer als Erste schnell vor Ort“, sagt Walter.