Memmingen

In Corona-Prävention gibt es für Memminger Schüler die Note 1

MM Ein turbulentes Schuljahr geht zu ende

Nach schwierigen Monaten ist Julia Pfalzer jetzt froh, ihr Abschlusszeugnis in den Händen zu halten.

Bild: Dunja Schütterle

Nach schwierigen Monaten ist Julia Pfalzer jetzt froh, ihr Abschlusszeugnis in den Händen zu halten.

Bild: Dunja Schütterle

Jugendliche und Lehrer blicken auf die Zeit zurück, als sie wegen der Pandemie nicht in die Schule durften.

25.07.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Ab sofort gehört Julia Pfalzer zu den neuen „Stars“: Stolz hält sie ihr Abschlusszeugnis der Staatlichen Realschule (StaRS) in den Händen. Zehn Schuljahre liegen hinter der 16-Jährigen. Die Corona-Pandemie mit der damit verbundenen Schulschließung forderte Schülern heuer einiges ab. „Am Anfang meint man, das gibt sich bald wieder. Nach einiger Zeit hat man sich dann an die Situation gewöhnt. Aber, man muss auch erst lernen, sich seinen Tag selbst einzuteilen“, sagt Julia mit Blick auf die vergangenen Monate.

Nach dem turbulenten Schuljahr mit Homeschooling, dem selbstständigen Lernen am heimischen Computer und dem Präsenzunterricht in halber Klassenstärke wünschen sich viele Schüler wieder den Schulalltag vor Corona zurück.

Das weiß auch der Schulleiter der Staatlichen Realschule, Jörg Link, dem mit der Verabschiedung „seiner“ Schüler in die Sommerferien selbst ein Stein vom Herzen fällt. „Wir sind froh, dass wir die Ferien ohne einen Coronafall erreicht haben. Mit dem wechselnden Präsenz-unterricht zu regulären Schulzeiten konnten wir auch den Eltern ein kleines Stück an Normalität zurückbringen“, sagt er. Nach den sechs Wochen Sommerferien wird man sehen, wie der Schulalltag dann weiter aussehen wird. „Es kommt auf die vorgegebenen Abstandsregeln an“, sagt Link weiter. Je nachdem, werden die Schüler alle im Schulgebäude beschult oder wieder im Wechsel an der Schule und am heimischen PC mit Lernmaterialien versorgt. „Wir haben jetzt auch Tablets als Leihgeräte, damit kein Schüler benachteiligt wird“, erklärt Link. Wie die Erfahrung zeigte, stehen nicht in jedem Haushalt ein internetfähiger PC und ein Drucker zur Verfügung, um Unterrichtsmaterialien auszudrucken.

Aber nicht nur die Schüler mussten sich auf eine neue Situation einstellen – auch für die Lehrer war der Unterricht über Kommunikationsplattformen mit Videokonferenzen und das Aufbereiten von Themen in digitaler Form neu. „Eigentlich ist der Lehrerjob ein Beruf, bei dem man mit Menschen arbeitet – und dann fehlt plötzlich dieser Kontakt zu Schülern und Kollegen“, sagt Schulleiter Link. Das digitale Lernen ergänze nur den Präsenzunterricht, könne ihn aber nicht ersetzen.

Diese Meinung teilt auch Julia, die aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus sagt: „Bei Fächern wie Mathematik ist das Lernen schwieriger, weil man Fragen nicht sofort stellen kann.“ Schülerinnen wie Julia haben das gut hingekriegt. Es gibt aber auch Schüler, die sich schwerer tun und die mit der Situation des selbstständigen Lernens und der Selbstverwaltung nur schwer klarkommen. „Wir haben dazu einige Beratungen durchgeführt, welche Möglichkeiten an Förderungen und Hilfen es gibt“, erklärt hierzu Schulpsychologe Tobias Dippold.

„Verantwortungsvoll verhalten“

Allen Schwierigkeiten zum Trotz zieht Schulleiter Link aber eine positive Bilanz: „In Sachen Corona-Prävention mit sozialer Distanz und den Mund-Nase-Masken haben sich die Schüler sehr verantwortungsvoll verhalten – was gerade für Heranwachsende nicht immer leicht ist.“