Naturschutz

Kommt Projekt „Agile Iller“ in Heimertingen zum Stillstand?

HT Iller

Die Umsetzung des Projekts „Agile Iller“ stößt im Bereich Heimertingen auf Schwierigkeiten. Zunächst müssen Grundstücksfragen geklärt werden. Im Zuge des Projekts geht es etwa um den Rückbau von Querbauwerken.

Bild: Armin Schmid

Die Umsetzung des Projekts „Agile Iller“ stößt im Bereich Heimertingen auf Schwierigkeiten. Zunächst müssen Grundstücksfragen geklärt werden. Im Zuge des Projekts geht es etwa um den Rückbau von Querbauwerken.

Bild: Armin Schmid

Trotz eines Gemeinderatsbeschlusses sind nicht alle benötigten Flächen gesichert. Der Bürgermeister sagt: Das könnte schwierig werden.
25.06.2020 | Stand: 11:50 Uhr

Die Iller soll durch das Projekt „Agile Iller“ wieder ein „ursprünglicher Fluss“ werden und mehr Fließgeschwindigkeit erhalten. Zudem sollen, wie berichtet, mehr Laichplätze für die unterschiedlichen Fischarten geschaffen werden und die Bewohner die Iller wieder mehr als Naherholungsraum erleben können. Im Bereich der Gemeinde Heimertingen stößt das Projekt nun aber überraschend auf Widerstände. Der Gemeinderat hatte der Umsetzung im Oktober vergangenen Jahres bereits zugestimmt.

In der jüngsten Sitzung wurde aber deutlich, dass auf den benötigten Flächenbereichen Forstrechte liegen. „Wenn es dafür keine Lösung gibt, wird es mit der Umsetzung sehr schwierig“, betonte Bürgermeister Josef Wechsel.

Im Bereich der Gemeinden Heimertingen und Oberopfingen soll der Fluss modifiziert und zu einem „ursprünglicheren Gewässer“ werden. Dabei geht es darum, dass in der Iller stehende Querbauwerke zurückgebaut und durch „raue Rampen“ ersetzt werden sollen. Dieser Begriff bezeichnet die Gestaltung einer Gefällestrecke im Verlauf eines Gewässers, die der Natur nachempfunden ist. Ein weiteres Anliegen des Projekts ist es, einen Auebereich zu schaffen und die Iller teilweise aufzuweiten.

Jonas Meinzer vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Kempten erläuterte, dass die Iller in keinem guten Zustand sei. Ziel sei es daher, einen guten ökologischen Ausbau des Flussgewässers zu schaffen. Dies betreffe auch die Durchlässigkeit des Flussverlaufs für Fische, die durch die Querbauwerke verhindert werde. Im Bereich von Heimertingen seien es fünf Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen.

Neben dem Rückbau der Querbauwerke geht es auch um die Anlage eines Auegewässers und Strukturmaßnahmen im Uferbereich. Dieser soll aufgeweitet, naturnah gestaltet werden und dem Fluss mehr Raum geben. Der Radweg soll hierfür mehr ins Hinterland verlegt werden.

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Um dies umsetzen zu können, sind allerdings entsprechende Grundstücksflächen notwendig, für deren Verwendung der Gemeinderat im vergangenen Jahr bereits grünes Licht gegeben hatte. Bürgermeister Wechsel betonte nun, dass man bezüglich des Gemeinderatsbeschlusses wohl zurückrudern müsse. Letztlich ist auf Höhe des Gruppenklärwerks ein Grunderwerb im Bereich von 56 000 Quadratmetern erforderlich. Diesbezüglich sei man darauf aufmerksam geworden, dass die Flächenbereiche mit Forstrechten ausgestattet seien, die im Falle einer Abtretung nicht übertragbar und somit für alle Zeit verloren wären.

Viele haben Mitspracherecht

„Wir haben viele Holzrechtler, die hier ein Mitspracherecht haben“, bekräftigte der Rathauschef. Die Forstrechte liegen auf Gemeindegrund und auch auf einem Bereich der Söldnergemeinde.

Man müsse mit Landwirten und Bürgern eine Lösung finden, sonst werde es schwierig mit der Umsetzung des Projekts. Falls ein Verkauf nicht möglich sei, müsse man unter Umständen über Tauschflächen nachdenken. Jonas Meinzer betonte, dass man nicht über Köpfe hinweg geplant habe. Schließlich sei ja ein Gemeinderatsbeschluss vorhanden.

Um 30 Zentimeter absenken

Ein weiteres Thema war der Grundwasserstand, der sich nach Meinung mehrerer Ratsmitglieder nach dem Rückbau der Querbauwerke nicht verschlechtern sollte. WWA-Mitarbeiter Meinzer sagte zu, dass dies berücksichtigt werde. Man habe die Vorgabe, den Wasserstand maximal 30 Zentimeter abzusenken. Unabhängig von der Grundstücksproblematik erläuterte er, dass die Ausführungsplanung für die erste Maßnahme bereits laufe. Baubeginn könnte dementsprechend bereits Ende 2021 sein.

Für das Projekt „Agile Iller“ haben der Freistaat Bayern und das Land Baden-Württemberg für die kommenden zehn Jahre insgesamt 70 Millionen Euro bereitgestellt. Das Projektgebiet erstrecktsich auf einer Länge von rund 57 Kilometern, von Aitrach im Landkreis Ravensburg bis Wiblingen bei Ulm. Insgesamt sollen 59 Maßnahmen umgesetzt werden.