Unterallgäu

Krise: Kommunen kalkulieren vorsichtiger

Wegen der Corona-Krise rechnen viele Gemeinden mit Einbußen bei den Steuereinnahmen und können daher weniger Geld ausgeben.

Wegen der Corona-Krise rechnen viele Gemeinden mit Einbußen bei den Steuereinnahmen und können daher weniger Geld ausgeben.

Bild: Patrick Gilg

Wegen der Corona-Krise rechnen viele Gemeinden mit Einbußen bei den Steuereinnahmen und können daher weniger Geld ausgeben.

Bild: Patrick Gilg

Bei den Steuereinnahmen gehen viele Unterallgäuer Gemeinden von teils beträchtlichen Einbußen aus. Dennoch herrscht auch Optimismus, geplante große Projekte verwirklichen zu können.

30.08.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Die ersten Monate im wirtschaftlichen Sog der Corona-Krise haben teilweise bereits deutliche Spuren bei den Steuerprognosen einzelner Kommunen hinterlassen.

Während der Memmingerberger Haushaltsberatung betonte beispielsweise der Kämmerer Rainer Zink, dass er für das laufende Jahr mit steuerlichen Mindereinnahmen in Höhe von 1,7 Millionen Euro rechnet. Die Prognosen für große Einnahmequellen wie die Gewerbesteuer oder die Einkommenssteuerbeteiligung liegen damit schon um rund 25 Prozent im Minus. Ein Umstand, der laut Bürgermeister Alwin Lichtensteiger auch in Memmingerberg die Investitionsplanung belastet. Im vergangenen Jahr konnten – besser als erwartet – ausgefallene Steuer-Mehreinnahmen die hohen Investitionen noch deutlich abfedern und eine signifikante Kreditaufnahme verhindern. Lichtensteiger hofft daher, dass die Corona-Krise abflaut und im nächsten Jahr wieder stabile Einnahmen zulässt.

„Spürbare Rückgänge“ erwartet

Für Bad Grönenbach rechnet Bürgermeister Bernhard Kerler bei der Gewerbesteuer – ausgehend vom Durchschnitt der vergangenen drei Jahre – mit einem Minus in Höhe von rund einer Million Euro. Allerdings werde man den ohnehin vorsichtig und noch vor Corona-Zeiten kalkulierten Haushaltsansatz in Höhe von 3,8 Millionen Euro Gewerbesteuer voraussichtlich erreichen. Bei der Einkommensteuerbeteiligung verfügt die Gemeinde nach den Worten des Rathauschefs noch über keinen belastbaren Überblick. Doch Kerler fügt hinzu: „Von spürbaren Rückgängen ist aber auszugehen.“

Der Tourismusbereich in Bad Grönenbach ist seinen Angaben zufolge drastisch eingebrochen. Unterm Strich geht Bernhard Kerler davon aus, dass in diesem Jahr Veranstaltungen nur zu rund einem Drittel des üblichen Volumens durchgeführt werden können. Den Haushaltsansatz in Höhe von 150 000 Euro beim Kurbeitrag werde man infolge der massiven Einbußen bei Übernachtungsgästen erheblich verfehlen: „Wir rechnen hierbei in etwa mit der Hälfte.“

Für Wolfertschwenden geht Bürgermeisterin Beate Ullrich derzeit nur von minimalen negativen Auswirkungen aus. Der Haushaltsansatz bei der Gewerbesteuer in Höhe von acht Millionen Euro ist nach Einschätzung der Rathauschefin weiterhin realistisch. Bei der Einkommenssteuer allerdings hält Ullrich es für möglich, dass die Zahlen sich rückläufig entwickeln. Mit Blick auf geplante Investitionen zeigt sich die Bürgermeisterin zuversichtlich, dass alle im Haushalt enthaltenen Projekte wie vorgesehen verwirklicht werden können. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona hängen laut Beate Ullrich stark mit der jeweiligen Branche zusammen – derzeit beträfen sie vor allem den Metallbau, die Zulieferindustrie und den Automobilsektor. Das in Wolfertschwenden ansässige Gewerbe hingegen sei großteils nicht so stark von der Krise beeinträchtigt worden.

Von rückläufigen Steuereinnahmen berichtet auch der Booser Bürgermeister Helmut Erben. Die angestoßenen Bauvorhaben müssten allerdings zwangsläufig umgesetzt werden. Man suche hierbei nach Wegen, weitere Einsparungen zu erreichen. Neue Projekte sind laut Bürgermeister Erben derzeit auf Eis gelegt worden.