Gastronomie

Neuer Glanz in altem Memminger Gemäuer

Urban Flair - Neueröffnunbg von Barbara Bücheler

Aufgrund der Corona-Auflagen hat Barbara Bücheler nur einen To-Go-Verkauf in ihrem neuen Café „Urban Flair“. Die beiden Schaufensterpuppen sorgten aber schon für Aufregung.

Bild: Dunja Schütterle

Aufgrund der Corona-Auflagen hat Barbara Bücheler nur einen To-Go-Verkauf in ihrem neuen Café „Urban Flair“. Die beiden Schaufensterpuppen sorgten aber schon für Aufregung.

Bild: Dunja Schütterle

"Urban Flair": Trotz Corona hat Barbara Bücheler am Marktplatz ein Cafe und ein Hotel eröffnet. Warum zwei Schaufensterpuppen für Aufregung sorgten.
13.03.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Auf dem Tisch stehen zwei Sektgläser: In lässiger Pose, mit den Einkaufstüten gegen die Knie gelehnt, blicken zwei Damen aus dem großen Panoramafenster des neuen Cafés in Richtung Marktplatz. „Unsere beiden Plastik-Mannequins haben schon vor unserer Eröffnung für Aufregung gesorgt – weil sie ziemlich echt wirken“, sagt Barbara Bücheler beschwingt und hebt die voll verkorkte Sektflasche in die Luft.

Die Flasche bleibt noch zu, obwohl Bücheler allen Grund hätte, die Korken knallen zu lassen. Sie ist die neue Pächterin des ehemaligen Eiscafés am Marktplatz/Ecke Kramerstraße, das Anfang März zum ersten Mal den Außenverkauf eröffnete und den Namen „Urban Flair“ trägt. „Unser Außenlogo ist noch in Arbeit. Trotz den Einschränkungen, die aktuell noch für die Gastronomie gelten, konnte ich es einfach nicht mehr abwarten, endlich zu eröffnen. So haben wir es ‘Soft-Opening‘ genannt“, sagt Bücheler.

Sturm erprobt durch Arbeit auf schottischer Insel

Ein Café mit gleichzeitigem Hotel in Corona-Zeiten zu eröffnen? Doch eher ungewöhnlich, wo man sich leise fragen könnte – hat sie noch alle Tassen im Schrank? Hat sie, denn Barbara Bücheler ist nicht nur Gastgeberin mit Herz und Leidenschaft, sondern sie kennt als staatlich geprüfte Hotelbetriebswirtin die Gastronomie und Hotellerie wie ihre Westentasche. Und wer schon einmal ein halbes Jahr auf der entlegensten Insel von Schottland, den Äußeren Hebriden, gearbeitet hat, den bringt so schnell kein Sturm zu Fall.

„Ein Wagnis ist es immer etwas Neues zu beginnen – egal ob mit oder ohne Corona. Doch ich war nicht bereit, wegen der Pandemie meinen Traum an den Nagel zu hängen – auch wenn es nicht einfach war, die Bank in dieser Zeit für eine Investition in die Gastronomie zu überzeugen“, erzählt die 34-Jährige und lacht dabei.

Büchelers zweites Cafe in Memmingen

2016 hat sie das ehemalige Grand Café in der Zangmeisterstraße in ein französisches „Café et Bistro“ verwandelt und begrüßt die Gäste seither mit „Bienvenue“ und allerlei Gaumenfreuden aus der Patisserie und der Bistroküche. Die Übernahme des 50 Meter entfernten Cafés mit Hotel ist für die gebürtige Unterallgäuerin das i-Tüpfelchen, wie sie sagt. „Die beiden Gastronomiebetriebe lassen sich gut miteinander vereinbaren, auch in personeller Hinsicht“, erklärt sie. Momentan beschäftigt die Unternehmerin acht festangestellte Mitarbeiter. Für den künftigen Hotelbetrieb, der offiziell im Juni starten wird, steht ihr Jana-Sophie Vöhringer als Assistentin zur Seite.

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Derzeit ist noch „To Go“ angesagt – das heißt, gemütlich auf den petrolfarbenen Bänken mit den flauschigen Kissen an den großen Fenstern bei einem Cappuccino zu sitzen und einen Bagel oder hausgemachten Cupcake mit Toping zu essen, ist noch nicht möglich. Barbara Bücheler hofft aber darauf, ihre Gäste bald bei schönem Wetter unter dem historischen Bogengang des Hauses corona-konform bewirten zu können.

Eigentümer investierte Millionen-Betrag

Schritt für Schritt geht es auch für den Hotelbetrieb mit fünf Doppelzimmern, vier Einzelzimmern und einem Exklusiv-Appartement im Dachgeschoß weiter, deren Umbauten noch in vollem Gang sind. Die Verbindung zur langjährigen Geschichte des denkmalgeschützten Hausensembles aus dem 16. Jahrhundert soll dann mit der modernen Ausstattung korrespondieren.

Viele Jahre lagen die oberen Räume brach, nur der untere Bereich wurde als Gastronomiebetrieb genutzt. Einen siebenstelligen Betrag nahm der aktuelle Eigentümer bis heute in die Hand, um das Eckhaus mit Satteldach außen und innen zu sanieren. Die Bedeutsamkeit des Hauses mit rund 400 Quadratmetern Nutzfläche unterstrichen bereits die Vorbesitzer, welche die geschichtlichen Eckdaten von der Erbauung im Jahr 1589 über die Renovierungen 1876 und 1897 für die Nachfahren als antikes Graffiti an die Wand schrieben. Aufgrund eines ehemaligen Bewohners ist das Haus mit den Arkaden auch unter dem Namen „Miller am Markt“ bekannt.

Die städtische Atmosphäre mit dem Charme der vergangenen Zeit will die Unternehmerin mit dem „Urban Flair“ unterstreichen. „Gerne möchte ich auch in der Zukunft junge Leute für das Gastronomie- und Hotelgewerbe begeistern.“ Die Ausbilder-Eignung und die Erfahrung hat Bücheler, die bereits drei Jahre lang als Direktorin in einem 4-Sterne-Wellness- und Tagungshotel in Oberstaufen gearbeitet hat. „Ich habe schon immer gerne Verantwortung übernommen.“ Das Wichtigste ist der sympathischen Gastronomin aber die Pflege der Gastfreundschaft. „Ich identifiziere mich zu einhundert Prozent mit dem was ich tue – deswegen möchte ich auch nichts anderes machen.“

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