Auszeichnung mit der Silberdistel

Unterallgäuer Umweltschützer Roland Schneider: "Mir sind Viecher lieber als Menschen"

Unter dem Dachvorsprung seiner alten Scheune hat Roland Schneider viele Nistkästen aufgehängt, die von vielen Vogelarten genutzt werden.

Unter dem Dachvorsprung seiner alten Scheune hat Roland Schneider viele Nistkästen aufgehängt, die von vielen Vogelarten genutzt werden.

Bild: Andreas Berger

Unter dem Dachvorsprung seiner alten Scheune hat Roland Schneider viele Nistkästen aufgehängt, die von vielen Vogelarten genutzt werden.

Bild: Andreas Berger

Roland Schneider aus dem Unterallgäu ist bekennender Umweltschützer aus Leidenschaft. Dafür wurde er nun von der AZ mit der Silberdistel ausgezeichnet.

18.10.2021 | Stand: 07:05 Uhr

Er will nicht in die Welt hinausziehen und den Planeten retten. Das muss er auch gar nicht. Roland Schneider sorgt vor seiner Haustür im Unterallgäuer Kronburg dafür, dass es Vögeln, Insekten und der Natur gut geht. "Wenn jeder ein bisschen macht, ist es im Endeffekt etwas Großes", sagt der 46-Jährige. Rund um seinen alten Bauernhof macht er seit Jahren mehr als nur ein bisschen. Mehr als 30 Nistkästen, ein Storchennest, Rückzugsorte für Fledermäuse, Insektenhotels, bienenfreundliche Blumen, ein Teich für Frösche und Libellen - überall summt, brummt, surrt und zwitschert es.

Für dieses Engagement bekommt Roland Schneider die Silberdistel unserer Zeitung. Seit vielen Jahren verleihen wir sie an Menschen aus der Region, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren, sich dabei aber selbst nicht in den Vordergrund stellen. Im Vordergrund stehen für den Maschinenmechaniker, dessen Antworten eher knapp, dafür humorvoll ausfallen, sowieso Tiere und Natur. "Mir sind Viecher lieber als Menschen", sagt er. So sind auf seinem großen Hof, den er mit seiner Freundin bewohnt, neben etlichen wilden Vögeln auch zwei Esel, neun Schafe, acht Katzen, vier Pfaue und viele Hühner zu Hause.

Umweltschützer Roland Schneider: "Ich habe einen Vogel. Und nicht nur einen"

"Ich habe einen Vogel. Und nicht nur einen", sagt er: Zum Beispiel zwei Turmfalken, die es sich in speziellen Nistkästen in seiner Scheune eingerichtet haben. "Die scheißen alles voll, da haben wir dann immer unsere Meinungsverschiedenheiten", sagt Roland Schneider, zeigt auf eine weiß-gesprenkelte Fläche am Haus und lacht. Denn trotz dieser Hinterlassenschaften liebt er die Tiere. So sehr, dass er ein Storchennest gebaut hat - zehn Meter hoch und selbstgeflochten aus Apfelbaumzweigen. Er hofft, dass es nächstes Jahr besiedelt wird. Wegen einer Knie-OP hat er es erst im Juni geschafft, das Nest aufzustellen. Zu spät für die Störche, zumindest für dieses Jahr. (Lesen Sie auch: Ostallgäuer Kitas und Schulen pflanzen 200 kleine Eichenbäume ein)

Das Storchennest steht auf einer Streuobstwiese, die Roland Schneider angelegt hat, damit Insekten dort einen Lebensraum finden. "Bis zu 5000 Tierarten gibt es auf so einer Streuobstwiese." Ein schönes Jagdrevier für die Stare, Kohlmeisen und Bachstelzen, die auf dem alten Bauernhof ein Zuhause gefunden haben. Und die Spatzen, die eigentlich Sperlinge heißen, und von denen etwa 100 auf dem Areal leben. "Ein schöner Schwarm."

Naturschutz aus Leidenschaft: Damit die Welt ein kleines bisschen besser wird

Roland Schneider ist Mitglied im Landesbund für Vogelschutz, Unterstützer der Heinz-Sielmann-Stiftung, die sich für Umwelt- und Tierschutz einsetzt, und von Kindheit an Tier- und Naturliebhaber. Er freut sich auf die Silberdistel. Aber Auszeichnungen seien nicht der Grund für sein Engagement. "Ich mache das für mich." Und für die Tiere. Und damit die Welt ein kleines bisschen besser wird.

Allgäuer Zeitung zeichnet Schneider für sein Engagement mit der Silberdistel aus

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Silberdistel der Allgäuer Zeitung

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„Das hat uns sehr beeindruckt: Was Sie hier leisten, ist im Stillen passiert. Sie machen das um der Natur willen.“ Markus Raffler steht im Garten von Roland Schneider und hält einen kleinen Karton in den Händen. Raffler ist stellvertretender Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung. Er übergibt Roland Schneider die Silberdistel der Allgäuer Zeitung. Ein in einer Augsburger Silberschmiede per Hand gefertigtes Kunstwerk, mit dem etwa vierteljährlich Menschen aus dem Allgäu ausgezeichnet werden, die sich für die Gesellschaft engagieren.

Silberdistel für sein Engagement: Markus Raffler (links) von der Allgäuer Zeitung ehrte damit Roland Schneider aus Kronburg.
Silberdistel für sein Engagement: Markus Raffler (links) von der Allgäuer Zeitung ehrte damit Roland Schneider aus Kronburg.
Bild: Andreas Berger

"Was Sie hier leisten, ist im Stillen passiert"

Markus Raffler holt die Silberdistel aus dem Karton. „Sie hat den Anspruch, dass sie beispielhaftes Engagement für die Allgemeinheit würdigt. Und die Silberdistel soll auch andere motivieren. Sie soll zeigen: Schau her, jeder kann in einem bestimmten Bereich etwas leisten und Dinge tun, von denen die Allgemeinheit profitiert.“

Roland Schneider nimmt gerührt das Kunstwerk entgegen. Markus Raffler: „Wir alle, die das entschieden haben, sind uns einig: Da ist einer, der es verdient hat. Der Roland Schneider ist ein würdiger Preisträger.“ (Lesen Sie auch: Umweltteam will Christuskirche in Füssen grüner machen)