Aktion

Steine geben Memmingern Hoffnung in der Weihnachtszeit

Über 600 Steine wurden im Mehrgenerationenhaus Memmingen bemalt – hier Projektleiterin Diana Elverich (rechts) und Gabriele Gebler.

Über 600 Steine wurden im Mehrgenerationenhaus Memmingen bemalt – hier Projektleiterin Diana Elverich (rechts) und Gabriele Gebler.

Bild: Mehrgenerationenhaus

Über 600 Steine wurden im Mehrgenerationenhaus Memmingen bemalt – hier Projektleiterin Diana Elverich (rechts) und Gabriele Gebler.

Bild: Mehrgenerationenhaus

Hunderte Steine hat Memminger Facebook-Gruppe bunt bemalt und unter anderem an Seniorenheime verteilt. Sie ist nicht die einzige, die sich sozial engagiert.
Über 600 Steine wurden im Mehrgenerationenhaus Memmingen bemalt – hier Projektleiterin Diana Elverich (rechts) und Gabriele Gebler.
Von David Dorn
14.12.2020 | Stand: 11:45 Uhr

Als Mutmacher tauchen gerade seit Beginn der Corona-Krise immer wieder an vielen Orten bunt bemalte Steine auf. Auch zur Weihnachtszeit werden viele von ihnen mit schönen Motiven in ganz Memmingen versteckt und warten darauf, gefunden zu werden. Ein „Urheber“ ist die Facebook-Gruppe „Steine MM“, gegründet von Olga Wassermann. Sie ruft zum Bemalen und Färben von Steinen auf, die die Mitglieder anschließend in ganz Memmingen und Umgebung verstecken. Die Gruppe ist aber nicht die einzige, die sich den Steinen verschrieben hat.

Menschen aller Altersklassen sind in der Facebook-Gruppe willkommen, sagt Wassermann – das Prinzip sei sehr einfach: „Findet jemand den Stein, postet er ein Bild davon in der Gruppe, deren Name auf der Rückseite der Steine angeben ist. Danach nimmt der Finder ihn mit nach Hause oder legt den Stein an einem neuen Ort ab, wo ihn später ein anderer Suchender entdeckt.“

Wassermann gründete die Facebook-Gruppe während des ersten Lockdowns im März. Mittlerweile hat sie über 2200 Mitglieder und wächst täglich an. Mit der Suche nach Steinen wollte die Mutter eines dreijährigen Sohnes ihre Mitmenschen während des Lockdowns zu mehr Bewegung motivieren. „Besonders Kinder haben so trotz Corona eine schöne Motivation, um aus dem Haus zu kommen und an der spannenden Suche nach Steinen mitzumachen“, sagt Wassermann. Auch ihr selbst gebe die gemeinsame Aktion täglich neue Hoffnung und Mut in ihrem Kampf gegen Krebs.

Ideen werden inzwischen europaweit ausgetauscht

Nicht nur Menschen aus Memmingen und Umgebung sind in der Steine-Gruppe aktiv. Die Mitglieder kommen auch aus Dortmund, Berlin und sogar Österreich. Da viele deutsche Städte schon eine eigene Steine-Gruppe haben, gibt es regen Austausch von Ideen und viel gemeinsame Unterstützung. Manche der Steine wanderten auch schon im Urlaubskoffer bis in die Türkei und zurück. „Die Gruppe ist ein echter Selbstläufer und bietet zu jeder Jahreszeit neue tolle Ideen, wie zum Beispiel Entenmotive in den Sommerferien“, freut sich Wassermann.

Auch Andrea Dobel ist Mitglied in der Gruppe. Die Altenpflegerin nahm Kontakt mit Wassermann auf, um allen 520 Bewohnern ihres Heims einen bemalten Stein zum Nikolaus zu schenken. Die gesamte Memminger Steine-Gruppe malte fleißig Steine in den schönsten Farben und Mustern an. Neben vielen Schutzengeln, Weihnachtsmotiven und Blumen sind einige Steine auch mit Sprüchen wie „Wir denken an dich“ verziert, die Kraft und Mut während der Pandemie schenken.

Freundschaften entstehen

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Bei der Suche nach schönen Steinen entstanden schon viele Freundschaften. Die Mitglieder treffen sich oft bei der Suche nach Steinen, „man sagt mittlerweile gefühlt jedem Hallo und gibt sich gegenseitig Tipps bei Suche“, so Dodel.

Nach zwei Wochen hatte die Gruppe bereits über 700 Steine bemalt. Dabei haben sich alle Altersklassen – von dreijährigen Kindern bis zu Senioren – am Malen und Verzieren der Steine beteiligt. Wassermann und Dodel gingen deshalb auf eine kleine Tour und beschenkten weitere Altenheime, das Kinderhospiz St. Nikolaus, den Fröbel-Kindergarten, die Diakonie und das Klinikum Memmingen. So bekam jeder Bewohner des AWO-Seniorenheims einen eigenen bunten Stein für sein Zimmer. Die Senioren freuten sich sehr über die bisher einmalige Aktion. Olga Wassermann und Andrea sind allen sehr dankbar, die sich an der Aktion beteiligten.

Memminger Mehrgenerationenhaus macht mit

Auch Diana Elverich, Projektleiterin des Memminger Mehrgenerationenhauses, weiß um die Kraft von bunten Steinen. Als Zeichen des Mutes und der Hoffnung verteilen die Mitglieder des Vereins „Familiengesundheit 21“ ebenfalls bemalte Steine mit schönen Motiven an die Gäste des Mehrgenerationenhauses. Für sie stehen die Steine für den Sieg des Lebens über den Tod und stellen einen Hoffnungsschimmer während der Pandemie dar. In Kooperation mit verschiedenen Kindereinrichtungen und Firmen hat das Mehrgenerationenhaus über 600 Steine gestaltet.

Ein geplantes Treffen der Memminger Steine-Gruppe musste wegen Corona leider abgesagt werden. Trotzdem freut sich Olga Wassermann schon darauf, das Treffen im nächsten Jahr nachzuholen. Denn die fröhliche Suche nach Steinen soll auch nach der Pandemie weitergehen.