Prozess in Memmingen

Prozessauftakt gegen mutmaßlichen Steinewerfer von der A96 schon nach 20 Minuten beendet

Autobahnbrücke A96 zwischen Trunkelsberg und Memmingerberg

Ein Steinewerfer soll Autofahrer an der A96 in Gefahr gebracht haben. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage geplant.

Bild: Matthias Becker

Ein Steinewerfer soll Autofahrer an der A96 in Gefahr gebracht haben. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage geplant.

Bild: Matthias Becker

Ein 42-Jähriger soll drei Mal Steine auf die A96 geworfen haben. Am Dienstag war der Prozessauftakt - der bereits nach 20 Minuten beendet war.
14.09.2021 | Stand: 14:19 Uhr


Update, Dienstag, 11.55 Uhr:
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Tod der Fahrzeuginsassen „billigend in Kauf genommen“ hat, wie es Oberstaatsanwalt Markus Schroth am ersten Verhandlungstag bei der Verlesung der Anklageschrift formuliert. Daher wird er wegen versuchten Mordes in drei Fällen angeklagt.

Es ist der Auftakt eines umfangreichen Indizienprozesses. Über 40 Zeugen sowie mehrere Sachverständige sollen gehört werden. Warum der erste Verhandlungstag bereits nach 20 Minuten endet, erklärt ein Gerichtssprecher. Diese Vorgehensweise sei nicht ungewöhnlich, da zu Beginn eines Prozesses zeitlich oft „Luft nach oben gelassen“ wird, falls sich der oder die Beschuldigte doch noch zur Tat äußern möchte. Die Motive des Angeklagten bleiben an diesem Tag jedoch weiter im Dunkeln. Zu den Vorwürfen äußert er sich nicht. Der Mann wurde aufgrund der Auswertung von Handydaten an einem Tatort festgenommen. An einem Stein sollen DNA-Spuren gefunden worden sein. Anfang Januar wird er schließlich festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Bereits fünf Minuten vor Prozessbeginn wird der 42-Jährige von zwei Polizeibeamten begleitet in Handschellen zur Anklagebank geführt. Er trägt einen grauen Kapuzenpulli, eine dunkle Arbeitshose und weiße Turnschuhe. Seine dunklen Haare sind kurz geschoren. Er wirkt äußerlich gefasst, nur hin und wieder reibt er sich mit den Fingern die Augen. Da der Mann, der die türkische Staatsangehörigkeit besitzt, nur gebrochen deutsch spricht, wird ihm ein Dolmetscher zur Seite gestellt. Vor Gericht gibt er an, dass er zuletzt als Lagerarbeiter tätig war. Fast regungslos verfolgt er, was ihm von Oberstaatsanwalt Schroth zur Last gelegt wird.

So soll der Angeklagte einen etwa 1,5 Kilo schweren Stein am Abend des 20. November 2020 von einer Autobahnbrücke über die A 96 bei Memmingerberg auf einen Pkw geworfen haben. Der Wagen sei mit bis zu 120 Stundenkilometern auf der Autobahn unterwegs gewesen. Der Stein blieb laut Schroth in der Karosserie stecken. Außerdem soll der Mann am 17. Mai 2020 um kurz nach Mitternacht von der Autobahnbrücke Memmingen/Donaustraße einen unbekannten Gegenstand – vermutlich einen Stein – auf einen Pkw geschleudert haben. Dieselbe Brücke suchte er auch am 27. September gegen 2.45 Uhr auf und warf laut Staatsanwaltschaft einen weiteren Gegenstand auf einen Wagen, der mit etwa 70 Stundenkilometer unterwegs war. In allen Fällen konnten die Fahrer die Kontrolle über ihre Autos behalten und blieben ebenso unverletzt wie die anderen Insassen. An den Fahrzeugen entstand laut Gericht jedoch teilweise erheblicher Schaden. Schroth spricht von einer „heimtückischen“ Tat. Neben versuchten Mordes in drei Fällen wird dem 42-Jährigen zudem vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen.

Zudem muss er sich wegen einer Reihe von Diebstahldelikten verantworten. Unter anderem soll er mehrfach Schuhe und weitere Bekleidungsstücke in einer Memminger Firma gestohlen haben. Ein weiterer Vorwurf: Aus einem Briefkasten einer in Amendingen lebenden Frau soll er „mit einer Gabel oder einem ähnlichen Gegenstand“ Briefe einer Bank samt Mastercard und Kreditkarte herausgefisch haben um damit später Geld abzuheben - insgesamt 1400 Euro. Laut Gerichtssprecher Ivo Holzinger wird aus den verschiedenen Fällen am Ende quasi eine Gesamtstrafe errechnet.

Der Prozess wird am 5. Oktober um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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Update, Dienstag, 10 Uhr:
Der erste Prozesstag gegen einen 42-Jährigen, der Steine auf die A96 geworfen haben soll, hat am Dienstag bereits nach 20 Minuten geendet. Lediglich die Anklage wurde vorgelesen - und um einen weiteren Punkt ergänzt: Dem Mann wird außerdem mehrfacher Diebstahl vorgeworfen. Der nächste Prozesstag ist am 5. Oktober.

Wegen versuchten Mordes muss sich ein mutmaßlicher Steinewerfer vom Dienstag (9.30 Uhr) an vor dem Landgericht in Memmingen verantworten. Der 42 Jahre alte Mann soll drei Mal im Raum Memmingen von Brücken über der Autobahn 96 Steine auf Autos geworfen haben. Nach Angaben eines Gerichtssprechers bestreitet der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten.

Mutmaßlicher Steinewerfer von der A96: Auch die Höchststrafe ist möglich

Dem türkischen Staatsangehörigen droht eine mehrjährige Haftstrafe, auch die Höchststrafe, eine lebenslange Freiheitsstrafe, ist möglich. Der Mann wurde aufgrund der Auswertung von Handydaten an einem Tatort festgenommen. An einem Stein sollen DNA-Spuren des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten gefunden worden sein.

Ähnliche Prozesse gibt es immer wieder in Deutschland. Eine der folgenreichsten Taten trug sich Ostern 2008 auf der A29 in Niedersachsen zu. Ein Mann warf einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz auf den Wagen einer Familie. Der Klotz durchschlug die Windschutzscheibe und tötete eine 33 Jahre alte Mutter. Der Täter wurde vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilt.

Prozess in Memmingen: Angeklagter soll eineinhalb Kilo schweren Stein auf die A96 geworfen haben

Im Memminger Fall soll der Angeklagte im November 2020 nachts einen eineinhalb Kilo schweren Stein auf einen Wagen geworfen haben, der sich mit mindestens 110 Kilometern pro Stunde der Brücke näherte. Zuvor soll der Mann im Mai und September 2020 bereits ähnliche Taten begangen haben. Für den Indizienprozess sind mindestens sechs weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte Mitte Oktober fallen.

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