Unterallgäu

Unterallgäu ist geteiltes Storchenland

viele Störche in Pfaffenhausen auf dem Kirchendach und auf der Wiese

viele Störche in Pfaffenhausen auf dem Kirchendach und auf der Wiese

Bild: ulla.gutmann@web.de

viele Störche in Pfaffenhausen auf dem Kirchendach und auf der Wiese

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Natur Im Osten des Landkreises wurden heuer viele Jungtiere flügge, im Westen fielen sie dem Wetter zum Opfer
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Von Ulla Gutmann
24.09.2019 | Stand: 15:29 Uhr

Es ist schon ein besonderes Erlebnis zu beobachten, wie in Pfaffenhausen die Störche zurück in den Ort kommen, um sich einen Schlafplatz zu suchen. Alleine auf dem Kirchendach sitzen 20 Störche, 16 auf dem lang gezogenen Dach des Kirchenschiffes und weitere vier über dem Chorraum. Da wird gestritten und es sind scharfe Zischlaute zu hören, wenn ein weiterer Storch landen will und die anderen ihn verscheuchen. Jeder Sitzplatz muss erkämpft werden. Doch auch auf dem Sendemast übernachten meist sieben Störche und auch auf dem Blindenheim sowie auf Kränen auf Baustellen im Ort sitzen nachts die Störche.

Doch trotz der vielen Vögel in und um Pfaffenhausen war es nicht unbedingt ein gutes Storchenjahr im Unterallgäu. Georg Frehner, Vorsitzender der Kreisgruppe Memmingen/Unterallgäu im Landesbund für Vogelschutz (LBV), berichtet, dass sehr viele Jungstörche gestorben seien. Insgesamt zählte der LBV 40 Brutpaare im Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen. Das ist zwar ein neuer Rekord. Bei 24 Brutpaaren – und damit bei 60 Prozent – gab es allerdings Totalverluste. Nur 29 Jungstörche wurden flügge (2018: 60 Jungstörche), das ergibt einen Durchschnitt von 0,72 Junge pro Brutpaar (2018: 1,58, 2017: 1,25). Neue Nester bauten die Vögel im Sommer 2019 in Mindelheim, Pfaffenhausen und Kirchheim.

Als Gründe für die vielen Teil- und Totalverluste in den Storchennestern im westlichen Landkreis nennt Frehner die starken Regenfälle Ende Mai. Fast drei Tage lang habe es damals unaufhörlich geregnet. „Während des Dauerregens bleibt ein Altvogel als Schirm zum Schutz der Jungen am Nest. Der andere fliegt mit nassem, schwerem Gefieder überhaupt nicht oder nur ungern los, um Futter zu holen. Jungstörche brauchen in der Hauptwachstumsphase jedoch bis zu einem Kilo Futter pro Tag, um die eigene Körpertemperatur zu halten. Sie sind dann letztendlich an Hunger, Unterkühlung und Nässe verendet.“

Frehner erklärt weiter: „Überraschend in dieser Saison ist die Tatsache, dass im westlichen Landkreis, also zwischen Iller und Günz, alle Brutpaare Totalverluste hatten. Die überlebenden 29 Jungstörche wurden alle im östlichen Landkreis flügge.“

Hier fallen laut Frehner besonders die Marktgemeinden Pfaffenhausen und Kirchheim auf. Allein in diesen beiden Ortschaften wurden 25 Jungstörche gezählt. Frehner fragt sich, ob es in der Region ein besonderes Wetterphänomen gibt. Ziehen aufkommende Gewitter an den Ortschaften vorbei? Denn immerhin seien der Storchenmast und auch das Schloss in Kirchheim durch die Höhe und den fehlenden Schutz Wind und Regen ausgesetzt.

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Der Mindelheimer Wetterexperte Hans-Peter Schneider kommentiert dies wie folgt: „Zu beobachten ist in den letzten Jahren, dass sich unwetterartige Wettererscheinungen in den warmen Monaten häufig lokal sehr begrenzt entwickeln. Dabei gibt es auch im Unterallgäu Ortsbereiche, die schon längere Zeit Glück hatten und von extremen Wetterereignissen verschont geblieben sind. Da das Wetter physikalisch gesehen jedoch ein chaotisches System ist, wäre es vermessen zu glauben, dass das in den kommenden Jahren so bleibt.“