Wanderer, aufgepasst!

Mit diesen neun Tipps schützen Sie die Natur in den Allgäuer Bergen

Herrliche Idylle: Diese Alpenrosen am Guggersee (1.700 m hoch gelegen überm Rappenalptal in Oberstdorf) hat AZ-Leserin Angelika Bornschlegl.

Herrliche Idylle: Diese Alpenrosen am Guggersee (1.700 m hoch gelegen überm Rappenalptal in Oberstdorf) hat AZ-Leserin Angelika Bornschlegl.

Bild: Angelika Bornschlegl

Herrliche Idylle: Diese Alpenrosen am Guggersee (1.700 m hoch gelegen überm Rappenalptal in Oberstdorf) hat AZ-Leserin Angelika Bornschlegl.

Bild: Angelika Bornschlegl

Die Allgäuer Berge sind ein Paradies für Wanderer. Aber auch für seltene Tiere und Pflanzen. Wie Sie bei Ihrem Ausflug die Natur schützen können.
23.08.2020 | Stand: 08:30 Uhr

Immer mehr Menschen unternehmen Ausflüge in die Allgäuer Berge. Aus gutem Grund: Wandern ist gut für die Gesundheit, macht Spaß und ist für alle Altersgruppen geeignet. Obendrein bietet unsere Region atemraubende Flecken. Um Natur und Tiere zu schützen, sollten genau deshalb einige Regeln beachtet werden.


1. Nachhaltig anreisen:

Immer häufiger sind die Parkplätze in den Allgäuer Tälern komplett voll. Die Blechlawinen zu stoppen, sollte das Ziel aller Bergfreunde sein. Umweltfreundlicher ist die Anreise per Bus, Bahn oder mit dem Fahrrad. Fahrgemeinschaften helfen, die Zahl der Autos zumindest zu reduzieren.
Nationalpark Ammergebirge
Enzian gehören zu den bekanntesten Alpenblumen im Allgäu.
Bild: Matthias Becker

2. Müll bekämpfen:

Zigarettenstummel am Wegrand, Taschentücher in der Wiese, Dosen im Gebüsch: einfach nur eklig! Müll hat in den Bergen nichts verloren. Wer die Umwelt schützen will, nimmt eine Papiertüte oder einen Beutel mit, um seinen Müll wieder ins Tal zu transportieren. Auch mögliche Speisereste gehören dazu. Klar: Ein "Apfelbutzen" verrottet schnell oder wird von Tieren aufgefressen. Anders ist das aber zum Beispiel bei der Banane. Bis ihre Schale in unseren Breitengraden verrottet, dauert es rund 2 Jahre. Außerdem: Auf einer konventionellen Banane befinden sich meist Pestizide und Spritzmittel. Das hat uns in den Allgäuer Bergen gerade noch gefehlt! Wer umweltbewusst seine Tour startet, achtet schon beim Einkauf darauf, möglichst wenig Müll und Verpackung zu produzieren.

3. Lärm vermeiden:

Die Berge sind keine Partyzone. Wer die Tierwelt respektiert, vermeidet lautes Reden oder Musik. "Immer wieder kommt es vor, dass vor allem jüngere Wanderer sich und andere auf ihrer Tour mit einem Smartphone beschallen", beklagt Diplom-Biologe Henning Werth, Betreuer des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen. Wer auf seinen Sound partout nicht verzichten will, kann doch zumindest Kopfhörer aufsetzen!

Nationalpark Ammergebirge
Hunde bitte anleinen! Das gilt in den Bergen ganz besonders.
Bild: Matthias Becker

4. Pflanzen schonen:

Von Alpenrose über Edelweiß und Enzian bis hin zur Silberdiestel: Die Allgäuer Berge bieten eine wahre Blumen- und Pflanzenpracht. Wer sich nachhaltig an ihr erfreuen will, macht Fotos statt sie zu pflücken. Apropos Naturbilder. Eine spannende Möglichkeit, sich mit der Alpenflora vertraut zu machen, sind laut Henning Werth spezielle Apps zur Pflanzenerkennung wie Flora Incognita, PlantNet oder i-Naturalist.

5. Drohnen daheimlassen:

Alpenaufnahmen aus der Luft sind spektakulär. Doch Drohnen haben in den Bergen nichts verloren. Sie erschrecken seltene Tiere, wie Steinböcke und Schneehühner, massiv. Ganz abgesehen davon, dass Drohnen durch Kollission, Absturz und Lärm andere Wanderer gefährden bzw. stören. Wer im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen eine Drohne einsetzen will, benötigt die Zustimmung der Höheren Naturschutzbehörde.

6. Hunde anleinen:

Wenn Herrchen und Hund auf Tour gehen, macht das beiden Spaß. Damit auch alle andere Tiere am Berg glücklich bleiben, gehören Hunde in sensiblen Gebieten an die Leine. Besondere Vorsicht gilt, wenn sich Hunde Weidetieren, speziell Mutterkühen, nähern. Einen guten Überblick für eine Hundeausrüstung in den Bergen findest Du hier.

7. Wege beachten:

Vermeintliche Abkürzungen sind zwar verlockend. Doch in den Bergen sollte man die markierten Wanderwege nicht verlassen. Einserseits, um sich nicht zu verlaufen. Andererseits, um das sensible Ökosystem samt Tieren zu schützen. Radfahrer dürfen im Bereich der Allgäuer Hochalpen nur auf Alpwegen und (teils auch) auf Forstwegen unterwegs sein; nicht aber auf Wanderwegen.

8. Keine Lagerfeuer, kein Biwakieren:

So romantisch die Vorstellung von einem kleinen Feuer vor dem eigenen Zelt auch klingt. In den Bergen hat beides nichts verloren. Wegen der Waldbrandgefahr sind Lagerfeuer im gesamten Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen verboten. Genau wie Grillen und auch das Biwakieren. Am Schrecksee und an weiteren Bergseen hat es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Müll und Partys gegeben. Wer bei den Kontrollen - in der Regel frühmorgens- erwischt wird, muss mit 300, 400 Euro Bußgeld rechnen. Zu den Konrtollen rücken übrigens nicht nur Polizei und Mitarbeiter des Landratsamtes aus, sondern auch ehrenamtliche Mitlieder der Naturschutzwacht Bayern. Allein im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen sind 19 Naturschutzwächter ehrenamtlich im Einsatz. Was sie alles erleben, erzählt Andre Eitler, der Müllsünder und Wildcamper am Schrecksee vertreibt.

9. Naturschützer unterstützen:

Wer mit offenen Augen durch die Allgäuer Berge wandert, entdeckt erstaunliches. Möglicherweise zum Beispiel einen Bart- oder Gänsegeier. Für solche Sichtungen interessiert sich der Landesbund für Vogelschutz. E-Mail: geiersichtung@lbv.de "Mit einem Foto oder einer genauen Beschreibung lassen sich Art, Alter und eventuell sogar das Individuum genau bestimmen", sagt Henning Werth. Der Deutsche Alpenverein (DAV) führt seit vielen Jahren die erfolgreiche "Aktion Schutzwald", bei der Helfer unter fachkundiger Anleitung u.a. Bäume pflanzen. Eine tolle Aktion waren heuer auch die "Clean up Days" von Raphael Vogler aus Wangen und Martin Säckl aus Pfronten. An den Aufräumtagen in den Allgäuer Alpen beteiligten sich 300 Teilnehmer.

 

Das könnte Sie auch interessieren: