Oberstdorf

Oberstdorf baut an der Zukunft

NWM Eröffnungs PK

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Bild: Ralf Lienert

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Bild: Ralf Lienert

Wintersport Seit drei Wochen wird für die nordische Ski-WM 2021 gebaggert. Beim Besuch des Internationalen Verbandes wird aber auch deutlich: Es gibt noch viel zu tun
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Von Thomas Weiß
11.04.2019 | Stand: 15:42 Uhr

Was zuletzt eher im Stillen und Verborgenen ablief, nämlich die Vorbereitungen auf die Nordische Ski-WM in Oberstdorf in knapp zwei Jahren, das wird in der südlichsten Gemeinde Deutschlands seit einigen Wochen auch sicht- und hörbar. Sowohl im Skisprung-Stadion am Schattenberg als auch im Langlauf-Stadion im Ried wird seit 25. März gebuddelt, gebaggert und gebaut. Den ganzen Sommer über werden die Arbeiten andauern, der Zeitplan ist straff und eng, um die Sportstätten für die WM-Generalproben im kommenden Winter und dann ein Jahr später für die Titelkämpfe vom 23. Februar bis 7. März 2021 nicht nur wettkampftauglich zu machen, sondern sie wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Bürgermeister Laurent Mies nannte es am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz so: „Was jetzt seit drei Wochen läuft, nämlich eine neue Infrastruktur zu schaffen, soll eine Wirkung für die nächsten 30 Jahre entfalten.“

Nach langen Vorbesprechungen und Verzögerungen sei nun auch die Finanzierung geregelt. Die Gesamtinvestitionen von insgesamt 39,3 Millionen Euro (etwa 14,1 für den Skisprung und 25,2 für den Langlauf) würden sich Bund und Freistaat zum größten sowie Landkreis und Marktgemeinde zu einem deutlich niedrigeren Part aufteilen. Zwei Drittel des Auftragsvolumens seien vergeben, sagte Mies, und man liege sogar leicht unter den Kostenschätzungen. „Derzeit ist alles im Plan. Das beruhigt dann auch.“

Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), unterstrich, dass auch in Sachen Veranstaltungsorganisation derzeit alles im grünen Bereich sei. Das bestätigte Florian Stern, der sich seit 1. März (nach dem Weggang von Robert Büchel aus persönlichen Gründen) die Aufgabe des Geschäftsführers mit Moritz Beckers-Schwarz teilt. Der 38-Jährige, der zuletzt bei Schalke 04 das Arena Management leitete und mit jährlichen Biathlon-Event auch schon über Wintersport-Erfahrung verfügt, wird sich um Kommunikation und Marketing kümmern, Stern betreut das komplette Thema Sport. „Ich habe in den ersten Wochen hier eine sehr straffe, professionelle und erfahrene Truppe kennengelernt.“ Wer die Vierschanzentournee Jahr für Jahr so gut hinbekomme, „der spielt übertragen auf den Fußball eh’ schon Champions League“, sagte Beckers-Schwarz. Er kündigte an, bereits im November diesen Jahres mit dem Ticket-Vorverkauf starten zu wollen. Gleichwohl ist allen bewusst: In den nächsten 22 Monaten steht in allen Ressorts noch jede Menge Arbeit an. Sarah Lewis, die Generalsekretärin des Internationalen Skiverbandes, die mit Fis-Event-Direktor Stefan Huber, den drei Renndirektoren Walter Hofer (Skisprung), Pierre Mignerey (Langlauf) und Lasse Ottessen (Kombination) sowie Vertretern der Vermarktungsagentur zwei Tage lang zum so genannten „Coordinations Meeting“ in Oberstdorf weilte, lobte die Organisatoren: „Euer Engagement ist sehr, sehr groß. Ihr werdet, da bin ich mir sicher, eine sehr gute WM hinbekommen.“

Profitieren sollen die Oberstdorfer auch von den Erfahrungen der WM in Seefeld. Ein zehnköpfiges Team aus Tirol hatte am Dienstag alle Details offengelegt und den Oberstdorf in nahezu allen Bereichen wertvolle Tipps geben können. „Seefeld hat die Messlatte enorm hochgelegt“, sagte Lewis, „aber unser aller Ziel muss es sein, eine noch bessere WM hinzubekommen und in Oberstdorf neue Maßstäbe für den nordischen Skisport zu setzen.“

Seefelds Bürgermeister Werner Frießer zog einen Vergleich mit dem Tourismus-Ort Oberstdorf. „Bei uns auf 1200 Metern Höhe wachsen ja nicht mal Kartoffel. Wir müssen uns also – wie ihr – um den Gast kümmern.“ Der Ort Seefeld habe enorm profitiert. 204 000 Zuschauer („die uns ganz sicher mal wieder besuchen kommen“), ein neuer Bahnhof und eine neue Beschneiungsanlage, die in 48 Stunden eine 10-Kilometer lange Loipe mit 35 Zentimetern Schnee bedeckt, stünden nach der WM auf der Haben-Seite der Seefelder. Für das Langlaufstadion und die Funktionsgebäude hätte man auch im Sommer eine Top-Nachnutzung: Es entstehe ein großes Fußball-Areal, das schon im Juli Bundesligist RB Leipzig zu einem mehrtägigen Trainingslager nutzt.

Als einen der Höhepunkte ihrer Sonnen-WM stuften die Seefelder die Premiere des Teamwettbewerbs im Frauen-Skispringen ein. „Das war großer Sport, der auch bei den Fans und Medien super ankam“, bilanzierte ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner. Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich die Oberstdorfer vom ersten WM-Wettbewerb der Frauen in der Nordischen Kombination. Heiß diskutiert wird in den nächsten Wochen auch, ob bei den Skispringerinnen erstmals ein WM-Titel von der Großschanze vergeben wird. Bis zum Fis-Vorstandsmeeting Ende Mai im kroatischen Dubrovnik müsste der DSV dazu einen Antrag stellen.