Olympiastützpunkt Oberstdorf

Olympiastützpunkt Oberstdorf: Not macht erfinderisch

Die Sportler Simon Mach, Eric Fuchs und Patrick Svinger (von links) sowie Trainer Thomas Diethart (Ex-Skispringer aus Österreich, rechts) halten sich beim Krafttraining in Oberstdorf an die Hygiene- und Abstandsregeln.

Die Sportler Simon Mach, Eric Fuchs und Patrick Svinger (von links) sowie Trainer Thomas Diethart (Ex-Skispringer aus Österreich, rechts) halten sich beim Krafttraining in Oberstdorf an die Hygiene- und Abstandsregeln.

Bild: Skiinternat Oberstdorf

Die Sportler Simon Mach, Eric Fuchs und Patrick Svinger (von links) sowie Trainer Thomas Diethart (Ex-Skispringer aus Österreich, rechts) halten sich beim Krafttraining in Oberstdorf an die Hygiene- und Abstandsregeln.

Bild: Skiinternat Oberstdorf

Profi-Sportler dürfen trotz Corona weiter trainieren. Unter welchen Bedingungen die Fitness-Einheiten seit Beginn der Pandemie in Oberstdorf ablaufen.

05.12.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Normalerweise herrscht vor Beginn der Wintersaison Hochbetrieb am Olympiastützpunkt in Oberstdorf. In der Regel trainieren in und auf den dortigen Anlagen täglich 160 Athletinnen und Athleten – darunter einige Olympia-Kandidaten. Doch in diesem Jahr ist es merklich ruhiger als gewohnt rund um die Sportstätten in Oberstdorf geworden. Die Pandemie hat auch den Profisport fest im Griff und stellt den Stützpunktleiter Florian Kuiper (34) vor große Herausforderungen.

Was sich Florian Kuiper für die Athleten ausgedacht hat

Die erste coronabedingte Pause im Spitzensport traf im Frühjahr auch den Olympiastützpunkt immens. Leere Sporthallen, ausgestorbene Krafträume, verwaiste Internatszimmer – wo sonst Nachwuchsathleten und Olympiateilnehmer trainieren, zusammen Spaß haben und miteinander leben, herrschte gähnende Leere. „Im Frühling ging erst einmal überhaupt nichts. Das war eine extrem schwierige Situation“, erinnert sich Florian Kuiper, der seit vier Jahren Stützpunkt und Skiinternat leitet. Um mit der neuen Situation umzugehen, war Kreativität gefordert, denn die Athleten sollten schnellstmöglich wieder ihr Training aufnehmen können. Sie hatten deswegen die Möglichkeit, beim Stützpunkt Sportgeräte, wie zum Beispiel Kurzhanteln und Fitnessbänder auszuleihen. Kuiper: „Wir haben versucht, Athleten aus Olympia- und Perspektivkader so gut es ging mit Geräten auszustatten.“ Das sei sehr gut angenommen worden.

Auch für die Sportler des Skiinternats hatten sich Kuiper und sein Team etwas einfallen lassen. „Als die Kraftalp geschlossen war, haben wir unseren großen Besprechungsraum umgebaut und ein kleines Fitnessstudio eingerichtet“, erzählt er. Für das Skiinternat hatte er eine Sondergenehmigung des Innenministeriums: „Im Prinzip gelten wir im Internat als eine große Familie und als ein Haushalt. Keiner durfte raus, keiner rein.“ Doch viele seien ohnehin daheim gewesen und hätten dort trainiert und gelernt. „Normalerweise haben wir 44 Athleten im Internat. Am Anfang der Pandemie waren aber teilweise nur zehn da“, berichtet Kuiper.

Wie das Training an den Sportstätten abläuft

Nach den Lockerungen im Sommer durften die Sportstätten nach und nach wieder ihren Betrieb wieder aufnehmen. Am Anfang durften nur Mitglieder der diversen Olympia- und Perspektivkader in die Trainingsräume. „Mittlerweile können auch die Landeskader-Athleten zum Beispiel wieder in die Kraftalp oder in den Fitnessraum im Langlaufstadion.“ Die Grundvoraussetzung für alle Beteiligten war aber, sich an strenge Hygieneauflagen zu halten, die bis heute gelten.

Für Trainer und Betreuer herrscht in den Fitnessräumen Maskenpflicht. Jede Trainingsstätte hat eine individuelle vorgegebene Personenanzahl, die dort Sport machen dürfen. Auch der Mindestabstand von eineinhalb Metern muss während des Trainings eingehalten werden. Die Geräte müssen vor und nach der Einheit gründlich desinfiziert werden. Außerdem ist es Pflicht, eine genaue Trainingsdokumentation zu führen. „Es gibt eine Liste, in die sich die Athleten vor der Einheit eintragen müssen, damit wir eine mögliche Infektionskette nachverfolgen können“, sagt Kuiper. Vom Deutschen Olympischen Sportbund gibt es zusätzlich einen Bogen mit Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand. „Nur wer keine Symptome hat und alles mit Nein ankreuzt, darf trainieren. Sonst wird er sofort zum Arzt geschickt“, sagt der Stützpunktleiter. Neu dazu kam im November, dass die Räume regelmäßig gelüftet werden müssen.

Alle Beteiligten halten sich an Hygienekonzept

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Aus dem individuellen Sportstättenplan vom Anfang der Pandemie ist jetzt ein fixer Plan geworden. „Das hat sich jetzt alles eingependelt. Wir wissen jetzt, wer regelmäßig kommt und wer, wann und wo trainiert“, sagt Kuiper. Ob die Hygienemaßnahmen auch eingehalten werden, überprüft in den Sporthallen zum Beispiel der Hausmeister. In den anderen Räumen kontrolliert Kuiper regelmäßig selbst.

Sein Fazit nach den ersten Wochen ist rundum positiv. „Ich bin wirklich glücklich darüber, wie diszipliniert alle Athleten unser Hygienekonzept umsetzen.“ Für die Sportlerinnen und Sportler sei die Gesundheit das Wichtigste. Kuiper: „Sie sind disziplinierte und verantwortungsbewusste Menschen. Das zeigt und bewährt sich in dieser Krise.“ Trotzdem sei Corona eine Phase, in der sich permanent alles verändert – manchmal sogar täglich. „Wir müssen uns ständig neu anpassen“, sagt Florian Kuiper.