Schattenseiten der Corona-Krise

Regisseur aus Riezlern dreht Satire-Video mit Schauspielerin Nina Proll

Nina Proll

„I zag di au“: Nina Proll stößt mit einem bitterbösen Song zur Corona-Krise auf großes Interesse. Gedreht hat das Video Tommy Schmidle aus Riezlern.

Bild: Klaus Schmidt/Youtube

„I zag di au“: Nina Proll stößt mit einem bitterbösen Song zur Corona-Krise auf großes Interesse. Gedreht hat das Video Tommy Schmidle aus Riezlern.

Bild: Klaus Schmidt/Youtube

Tommy Schmidle aus dem Kleinwalsertal hat mit Schauspielerin Nina Proll ein bitterböses Video gedreht. Der Song deckt Schattenseiten der Corona-Krise auf.
01.07.2020 | Stand: 19:39 Uhr

Der Bub wirkt ganz verstört: „Du Mörder, du durchinfizierter Lebensgefährder“, wirft ihm wütend seine Mutter an den Kopf. Sie hat es ihm doch zuvor ganz genau erklärt: „Es ist verboten, den Virus zu inhalieren.“ Und jetzt hat er sich doch „getroffen mit seine Freind“ und auch nicht die Hände „gewoschen, wie es scheint“.

Als Mama aus dem Gemeindebau, in Kittelschürze, Leggings und Badepotschen, zeichnet die österreichische Schauspielerin Nina Proll ein Gesellschaftsbild in Corona-Zeiten: satirisch, sarkastisch, bitterböse. Alle bekommen in diesem Song „I zag di au (Ich zeig’ dich an)“ ihr Fett ab - vom kleinen Denunzianten, der wie ein Blockwart andere beobachtet, bis zum großen Politiker, der sich nicht an seine selbst ausgegebenen Regeln hält.

 

Bundeskanzler Sebastian Kurz den Spiegel vorgehalten

Denn auch dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz wird in diesem Video der Spiegel vorgehalten: Auf einen kleinen Röhrenfernseher flimmert ein Film von seinem Besuch im Kleinwalsertal, bei dem Maskenpflicht und Abstandsregeln außer Kraft gesetzt scheinen. Da kann die Mama über die Regierung nur den Kopf schütteln und giften: „Die halten uns für bled! Seit wann herrscht im Kleinwalsertal die Herdenimmunität?“

 

Entwickler, Regisseur und Moderator

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Auch wenn das Kleinwalsertal weit von Wien entfernt liegt: Der Gestalter des Videos kennt sich an beiden Orten gut aus. Es ist Tommy Schmidle aus Riezlern, der in der österreichischen Bundeshauptstadt lebt. Der Entwickler, Regisseur und Moderator von Fernsehsendungen und Filmen hat den Song in einer klassischen Wiener Gemeindebauwohnung auf 26 Quadratmetern in zehn Stunden in Szene gesetzt.

Der Song stammt von Nina Prolls Band, die auch im Video mitwirkt. Es liefert höchst amüsant und höchst pointiert einen Beitrag zur Pandemie, bei der ein kleines Virus verheerende Folgen entfaltet. Auch im menschlichen Zusammenleben. Der Film lenkt den Blick auf jene Menschen in der Gesellschaft, die im Schatten stehen. Sie zählen als Erste zu den Verlierern der Krise, die die Krankheit ausgelöst hat. Und auch wenn das Video in Wien gedreht wurde, es könnte genauso gut irgendwo in Deutschland spielen.

 

Film bedient lustvoll die Klischees

Lustvoll bedient dabei der Film die Klischees. Die Zigarette in der einen Hand, die Bierdose in der andern, beobachtet die Mama von ihrem Fenster aus einen Mann, der sie schockiert: Er sitzt neben einer „Oma“ auf einer Bank und - er trägt keine Maske in seinem Gesicht. Die Frau am Fenster fasst es nicht und sie fasst einen Entschluss: „I zag di au.“

 

Das Suchen von Sündenböcken

Proll kostet genüsslich die Rolle dieser verbiesterten, gelangweilten, schlampigen Frau aus, die keine Zukunftsperspektive sieht und ihre ganze Energie in das Suchen von Sündenböcken steckt. Ihr zur Seite stehen als Kontrast im Film eine Frau und zwei Männer, die in Anzug und Krawatte den Typ der erfolgreichen Geschäftemacher verkörpern. Es sind die Bandmitglieder, die als Trio den Klanggrund liefern. In einer Woche sei der Film als „Schnellschuss“ gedreht worden, erzählt Schmidle. Und dieser Schnellschuss erweist sich als ziemlich treffsicher: In den ersten zwei Wochen sei er über 200.000 Mal aufgerufen worden. Und auch in den Radios werde er gespielt - trotz seiner süffisanten Kritik an der Regierung Kurz.