Energie

Sechs Wochen warten auf die Energieberatung im Allgäu

Wie kann man die Solaranlage auch für Warmwasser oder das E-Auto nutzen? Fragen wie diese beantwortet die Energieberatung.

Wie kann man die Solaranlage auch für Warmwasser oder das E-Auto nutzen? Fragen wie diese beantwortet die Energieberatung.

Bild: Ralf Lienert

Wie kann man die Solaranlage auch für Warmwasser oder das E-Auto nutzen? Fragen wie diese beantwortet die Energieberatung.

Bild: Ralf Lienert

Wegen der hohen Kosten für Gas, Öl und Strom suchen immer mehr Menschen Rat. Welche Konsequenzen der Andrang hat und welchen Tipp die Berater geben.
18.05.2022 | Stand: 07:35 Uhr

Wer in einem Einfamilienhaus lebt, zahlt derzeit im Schnitt 13,77 Cent für die Kilowattstunde Gas. Zum Vergleich: Im Jahresmittel 2021 lag der Preis im Schnitt noch bei 7,06 Cent pro Kilowattstunde. Beim Strom sieht es nicht anders aus. Im bisherigen Jahresmittel kostet eine Kilowattstunde für Haushaltskunden in aktuellen Tarifen 37,14 Cent. Das sind 15,5 Prozent mehr als im Jahresmittel 2021. Diese Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (DBEW) zeigen, vor welchem Problem private Haushalte stehen.

Die Sorge rund um steigende Preise spürt man auch beim Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza). Dort wird gemeinsam mit der Verbraucherzentrale eine kostenlose Energieberatung für Privatkunden angeboten, die Haushalten eine erste Orientierung geben sollen. „Wir arbeiten schon das ganze Jahr am Anschlag“, sagt Geschäftsführer Martin Sambale. Seit zwei Jahren sei die Nachfrage bei der Energieberatung auf Rekordniveau. So habe man im vergangenen Jahr 4000 Beratungen durchgeführt. „Auch die letzten Wochen war es extrem“, sagt er. So liegt die Wartezeit bei einer telefonischen Beratung derzeit bei sechs Wochen.

Anfragen seit Kriegsbeginn um ein Drittel gestiegen

„Vor allem das Thema Heizen und Heizungstausch ist extrem gefragt“, sagt Sambale. Das spürt man auch bei der Verbraucherzentrale Bayern, die mit der eza zusammenarbeitet, aber zum Beispiel auch eine Beratungsstelle in Memmingen betreibt. Dort seien die Anfragen zum Thema Heizen seit Beginn des Ukraine-Krieges um ein Drittel gestiegen, sagt eine Sprecherin. Verbraucher interessieren sich vor allem für Alternativen zu Öl und Gas. Besonders gefragt seien Wärmepumpen und Holzheizungen mit Pellets. „Die Menschen treibt natürlich der unkalkulierbare Preisanstieg bei den fossilen Energieträgern um“, sagt die Sprecherin, möglicherweise aber auch der Wunsch, an einer Senkung der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl mitzuwirken.

In Bayern führt laut Verbraucherzentrale ein weiterer Faktor zur großen Nachfrage: Das Alter der Heizungen im Freistaat. So ist die deutsche Durchschnittsheizung laut einer Studie 16,4 Jahre alt – die bayerische dagegen 19 Jahre. Bei Öl-Zentralheizungen ist der Unterschied zwischen dem deutschlandweiten Wert mit 21,1 Jahren und dem Freistaat (26,5 Jahre) sogar noch größer. Auch bei der eza sei Heizen das große Thema, „der Ukraine-Krieg hat das verschärft“, bestätigt Sambale. Und nicht nur Besitzer älterer Heizungen machen sich Sorgen: „Wir haben Kunden, die vor zwei Jahren eine neue Gasheizung eingebaut haben und sich fragen, was sie tun sollen.“ Vielen sei auf einen Schlag klar geworden, „dass Gas kein Zukunftsthema ist“. Man solle sich jedoch zuerst um die Heizungen kümmern, die 20 Jahre oder älter sind, rät er.

Heizung einstellen kann helfen

Denn die Menschen seien zwar bereit zu investieren. „Das Problem ist aber, ob Dinge wie Wärmepumpen überhaupt am Markt verfügbar sind und ob man einen Heizungsbauer findet, der den Auftrag übernimmt. Viele sind schon bis Mitte 2023 ausgebucht.“ Und nicht nur bei Handwerkern braucht man unter Umständen Geduld. Kostenlose Gebäude- und Eignungschecks mache man bei eza wegen der hohen Nachfrage derzeit nur, wenn man für Aktionen wie „Check-Dein-Haus“ vor Ort sei. Für alles weitere, zum Beispiel Bestätigungen für einen Förderantrag, brauche man dann einen freiberuflichen Energieberater.

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Man kann offenbar aber auch ohne neue Heizung Geld sparen. „Oft hilft es bereits, die Heizung richtig einzustellen“, sagt Sambale. Bei einer zu steilen Heizungskurve verbrauche man zu viel Energie, gleichzeitig müsse man die richtigen Zeiten einstellen, beispielsweise um nachts die Raumtemperatur zu senken. „Wer technikaffin ist, kriegt das auch selber hin.“ Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, Heizkörpernischen zu dämmen. Man empfehle auch, zuerst Themen wie Dämmung und Fenstertausch anzugehen und die Auslegung der neuen Heizung anschließend entsprechend anzupassen.

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