„He, Kommissar! Soll das ein Bauchtanz werden?“ Das hat Bodo Völxen gerade noch gefehlt, dass ihn sein Nachbar, Hühnerbaron Jens Köpcke, sieht, wie er sich für den Tango-Unterricht fit macht. Dabei hat er doch quälende Schmerzen im Lendenbereich. Als Völxen dann mit seiner Frau Sabine in der Tanzschule auftaucht, herrscht dort große Aufregung: Tangolehrer Aurelio Martínez ist tot. Die Tatwaffe ist ein Kerzenständer und Völxen switcht in den Berufsmodus: „Aus dem Ehemann und Tanzschüler wird der Erste Kriminalhauptkommissar des Kommissariats für Tötungsdelikte der Polizeidirektion Hannover.“ „Eiskalt tanzt der Tod“ heißt der neue Krimi der Allgäuer Bestsellerautorin Susanne Mischke.
Der neue Hannover-Krimi von Susanne Mischke landete wieder in der Spiegel-Bestsellerliste
Die Krimi-Reihe mit dem brummigen Hauptkommissar Bodo Völxen, der seinen Hund Oscar mit ins Büro nimmt und zuhause vier Schafe samt einem hinterhältigen Schafbock hält, hat viele Fans. So nimmt es nicht Wunder, dass Mischkes neuer Hannover-Krimi bei Erscheinen wieder in der Spiegel-Bestellerliste landete. Lange tappen Völxen und sein skurriles Team im Dunkeln: Nicht nur der Tod des Tangolehrers, der gerne den Salonlöwen gab, wirft Fragen auf, sondern auch seine argentinische Herkunft. „Der hat doch gar nicht ausgesehen wie ein Argentinier. Niemals ist das ein Gaucho!“, tönt sein 95-jähriger Nachbar. Erstaunlich viele, offensichtlich extrem wertvolle Gemälde von Künstlerinnen und Künstlern, die dem Expressionismus und der russischen Avantgarde zuzurechnen sind, zieren obendrein die Wände. Eine verheißungsvolle Spur führt zurück in die Nazi-Zeit: Denn im Jahr 1938, so findet das Ermittler-Team heraus, verschwindet die jüdische Familie Bernstein, der die prunkvolle Villa gehörte. Wenig später kauft der SS-Mann Hannes Martin den Besitz für wenig Geld. 44 Jahre später zieht dort Aurelio Martínez aus Argentinien ein. Martin und Martínez, die Namensähnlichkeit irritiert nicht nur Völxen.
Ein Bericht über die „Rattenlinien“ der flüchtenden Nazis gab den Anstoß
Auf den Stoff kam Susanne Mischke, als sie einen Bericht über die sogenannte „Rattenlinien“ las. Damit wurden die Fluchtrouten vermögender Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet, die über Italien oder Spanien nach Südamerika, insbesondere nach Argentinien führten. „Diese Geschichte fand ich sehr spannend“, erzählt die 61-jährige Autorin, die in Wertach (Oberallgäu) lebt. In ihrem Krimi lässt sie Aurelio Martínez in die entgegengesetzte Richtung ziehen: In dem Moment, als sich gegen 1982/83 das südamerikanische Land nach einer langen Zeit der Militärdiktatur der Demokratie öffnet, gründet der Argentinier in der Bernstein-Villa eine Tanzschule.
Susanne Mischke, in Kempten geboren, lebt in Wertach und gilt als "Krimi-Queen Hannovers"
Es menschelt wieder gewaltig im sechsköpfigen Ermittlerteam. Da wird frei über die Liebe und das Leben sinniert, über die Manieren der Kollegin und des Kollegen gefrotzelt. Beliebte Themen sind Sex, Essen, Alkohol, das Alter. „Eiskalt tanzt der Tod“ verfügt dabei über eine gute Portion Humor – und Lokalkolorit. 17 Jahre lang lebte Susanne Mischke in Hannover. So wird die gebürtige Kemptenerin gern als „Krimi-Queen Hannovers“ bezeichnet. Dieses Etikett wird sie wohl in diesen Tagen wieder bei Lesungen im Norden zu hören bekommen. Auf den direkten Kontakt mit ihren Fans freut sie sich jedenfalls.
Wie sich die Schriftstellerin auf ihre Lesungen vorbereitet
Ein Glückserlebnis hatte sie im Juli vergangenen Jahres, als die Corona-Regeln etwas gelockert wurden. Wegen der großen Nachfrage hatte ein Buchhändler in Hannover die Apostelkirche gemietet, in der mit Corona-Abständen 150 Krimi-Fans Platz fanden. „Ein schönes Erlebnis“, erinnert sich Susanne Mischke, die ihre Lesungen stets akribisch vorbereitet. „Ich bearbeite den Text, mache daraus einen Lesetext mit einer eigenständigen Dramaturgie.“ Übrigens: Die Allgäuerin schreibt bereits an ihrem zwölften Hannover-Krimi.
Susanne Mischke: Eiskalt tanzt der Tod. Piper Verlag. 336 Seiten; 16 Euro.