Nach Corona-Skandal

Tönnies schlachtet auch in Kempten wieder

Der Kemptener Tönnies-Schlachthof darf nun auch wieder öffnen.

Der Kemptener Tönnies-Schlachthof darf nun auch wieder öffnen.

Bild: Martina Diemand

Der Kemptener Tönnies-Schlachthof darf nun auch wieder öffnen.

Bild: Martina Diemand

Auch im Kemptener Tönnies-Schlachthof läuft der Betrieb wieder an. Wie es dort und am Hauptstandort im Kreis Gütersloh nun weitergeht.

16.07.2020 | Stand: 17:58 Uhr

Im Tönnies-Schlachthof Kempten ist jetzt der Betrieb wieder angelaufen - ebenso wie am Hauptstandort im Kreis Gütersloh. Wie viele Rinder in Kempten inzwischen wieder geschlachtet werden, konnte die Pressestelle von Europas größtem Schlacht-Unternehmen Tönnies, zu dem der Kemptener Betrieb gehört, nicht genau sagen. Es werde vorerst „mit einer etwas reduzierten Stückzahl“ gearbeitet.

Schlachtverbot nach Corona-Ausbruch in Tönnies-Schlachthof

Wie berichtet, war nach dem Corona-Ausbruch mit etwa 1.300 Infizierten in der Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) das Schlachten dort verboten worden. Das hatte auch Auswirkungen auf Kempten, wo ab dem 22. Juni ebenfalls nicht mehr geschlachtet werden durfte.

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Vor dem Corona-Fall bei Tönnies waren in Kempten pro Tag zwischen 350 und 400 Rinder geschlachtet und zum Zerlegen ins rund 600 Kilometer entfernte Rheda-Wiedenbrück gefahren worden. Während des Schlachtverbotes durften die etwa 50 Mitarbeiter am Allgäuer Standort jedoch Tierhälften aus anderen Tönnies-Betrieben zerlegen. Deshalb gab es in dieser Zeit auch keine Kurzarbeit. Die Zerlegung wird jetzt in Kempten wieder zurückgefahren. 

Greenpeace-Protest an Tönnies-Hauptstandort

Begleitet wurde die Wiederaufnahme am Hauptstandort von einer Protestaktion von Greenpeace. Zwei Umweltaktivisten waren am Morgen mit motorisierten Gleitschirmen auf einem Hallendach gelandet und hatten ein schwarz-gelbes Protest-Banner mit dem Schriftzug "Schluss mit dem Schweinesystem" angebracht.

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Zuvor waren in den frühen Morgenstunden die ersten Schweine auf Viehtransportern angeliefert worden. Am Ende der ersten Schicht waren rund 8000 Tiere geschlachtet worden. "Das ist das Maximale, was eine Schicht schaffen kann", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Unternehmer Clemens Tönnies geriet wegen des Corona-Skandals in seinen Schlachthöfen in die Kritik.
Der Unternehmer Clemens Tönnies geriet wegen des Corona-Skandals in seinen Schlachthöfen in die Kritik.
Bild: Ina Fassbender, dpa

Tönnies schlachtet am Hauptsitz in Ostwestfalen im Normalbetrieb pro Tag je nach Marktlage zwischen 20 000 und 25 000 Schweine. 30 000 sind von den Behörden genehmigt. Durch den Produktionsstopp in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb nach einem Corona-Ausbruch hatte sich ein Stau bei den Schweinemästern gebildet.

Hygiene-Bedingungen in Tönnies-Schlachthof

Die Schlachtungen hätten unter den von den Behörden genehmigten Hygiene-Bedingungen begonnen, sagte der Sprecher. Für den nächsten Produktionsschritt, die Zerlegung der Schweine, haben die Behörden aber noch kein grünes Licht gegeben. Experten und Gutachter waren dazu am Donnerstag im Werk unterwegs, um sich die Bedingungen anzuschauen. Ein Ergebnis war zunächst nicht bekannt. "Wir veröffentlichen keine Zwischenergebnisse", sagte der Sprecher des Kreises Gütersloh, Jan Focken. Am Mittwoch hatten die Behörden ein seit Mitte Juni geltendes Schlachtverbot aufgehoben. Am Freitag soll ein Probelauf bei der Zerlegung unter Aufsicht der Behörden starten.

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Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann besteht auf politische Konsequenzen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies, auch wenn der Schlachter seine Produktion am Stammsitz wieder hochgefahren hat. Werkverträge über Subunternehmer seien der Grund für den Ausbruch gewesen. "Für mich ist völlig klar, die Werkverträge in der Fleischindustrie müssen verboten werden", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Das gelte auch für die Zeitarbeit in der Branche.

NRWs Gesundheitsminister: "NRW zahlt freiwillig keinen Cent an Tönnies"

Laumann geht davon aus, dass Tönnies keinen Regress für die vierwöchige Zwangspause geltend machen kann. "Ich glaube, dass er keinen Anspruch hat." Deutschlands größter Schlachtbetrieb sei nicht nur aus Gründen des Infektionsschutzes, sondern auch "ordnungsbehördlich" geschlossen worden. "Sie können sicher sein, dass die Behörden in Nordrhein-Westfalen freiwillig keinen Cent an Tönnies bezahlen werden."

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Der NRW-Landtag berät am Freitag über die Folgen des "Schweine-Staus", der nach coronabedingten Schließungen von Schlachthöfen in Mastbetrieben entstanden ist. In einer Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses will die SPD-Opposition Antworten von der Landesregierung, wie die Situation entspannt werden kann und wie es um das Tierwohl bestellt ist.

Tönnies verlagert einen Teil der Zerlegung von geschlachteten Rindern von der Konzernzentrale in Rheda-Wiedenbrück nach Badbergen in Niedersachsen. Dieser Schritt sei aber bereits länger geplant und habe nichts mit der aktuellen Corona-Lage im Kreis Gütersloh zu tun, sagte ein Konzern-Sprecher am Donnerstag. "Wir haben in den vergangenen Jahren 85 Millionen Euro in Badbergen investiert. Ziel war es lange vor Corona, dass vier unserer Schlachthöfe, darunter Wilhelmshaven, die Rinder in Badbergen in Niedersachsen zerlegen lassen", sagte Sprecher André Vielstädt der Deutschen Presse-Agentur.

 

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