Bilanz zum Weltdrogentag

Trauriger Rekord: Im Allgäu gibt es immer mehr Drogentote

ARCHIV - 20.04.2019, Berlin: ILLUSTRATION - Zwei Frauen rauchen bei einer Protestaktion für legalen Cannabis-Konsum im Görlitzer Park einen Joint. (zu dpa: "Kiffen nicht cool: Drogenbeauftragte startet Social-Media-Kampagne") Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Auch im Allgäu nimmt die Polizei jährlich noch zahlreiche Drogenverstöße auf. In über 48 Prozent der Fälle sind Cannabisprodukte der Grund für das Delikt.

Bild: Paul Zinken/dpa (Symbolbild)

Auch im Allgäu nimmt die Polizei jährlich noch zahlreiche Drogenverstöße auf. In über 48 Prozent der Fälle sind Cannabisprodukte der Grund für das Delikt.

Bild: Paul Zinken/dpa (Symbolbild)

Cannabis, Kokain und sogar Heroin sind auch im Allgäu präsent. 2019 gab es in Schwaben Süd/West einen Rekord an Drogentoten. Die Drogenzahlen für das Allgäu.

26.06.2020 | Stand: 09:26 Uhr

Eine internationale Gesellschaft ohne Drogenmissbrauch: Das ist das Ziel der Vereinten Nationen, weshalb jährlich am 26. Juni der Weltdrogentag stattfindet. Unter dem diesjährigen Motto „Better knowledge for better care“ ("Besseres Wissen für eine bessere Versorgung") soll daran erinnert werden, Drogenmissbrauch und Rauschgifthandel zu bekämpfen. Der Fokus liegt nach Informationen auf der Website der UN diesmal auf der Aufklärung über die Drogensituation auf der Welt. Dadurch soll eine bessere internationale Kooperation entstehen, um die Auswirkungen des Rauschgiftproblems zu bekämpfen. Dafür haben die UN auch eine große Social-Media-Kampagne gestartet.

So stieg die Zahl der Drogendelikte in den Allgäuer Landkreisen an

Im Zuge des Weltdrogentags ist auch ein Blick auf das Allgäu wichtig. Denn das Thema Drogen spielt sowohl in den Landkreisen als auch in den Städten noch immer eine Rolle - teils sogar mehr als vor zehn Jahren. In den Allgäuer Landkreisen entwickelte sich die Zahl der Drogendelikte in den vergangenen Jahren tendenziell nach oben. Und im Bereich Schwaben Süd/West gab es 2019 so viele Drogentote wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr.

Was gilt als Drogendelikt?

Als Drogendelikt wird laut Polizei der verbotene Umgang mit Rauschmitteln bezeichnet. Dazu zählen unter anderem der Besitz, Anbau, Handel sowie die Abgabe und Einfuhr von Betäubungsmitteln. Die Beschaffungskriminalität, also Delikte, die dazu dienen sich Betäubungsmittel sowie Ausweichstoffe zu verschaffen, zählt aber nicht zu den Drogendelikten.

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 So viele Drogenfälle gibt es in Bayern und Schwaben in den vergangenen zehn Jahren

Allein in Bayern wurden im Vorjahr 55.474 Drogendelikte gemeldet, anderthalb Prozent mehr als noch 2018. Im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West gab es 2019 insgesamt 3.576 Drogendelikte. Das entspricht einem leichten Rückgang um fast drei Prozent zum Vorjahr. Wenn man die Zahlen mit denen von vor zehn Jahren vergleicht, ist das ein Anstieg um 1.220 Fälle. Denn 2009 waren es noch 2.356 Drogendelikte im Bereich Schwaben Süd/West.

 

So viele Drogenfälle gab es in Kempten, Memmingen und Kaufbeuren in den vergangenen zehn Jahren

 In den Allgäuer Städten blieb die Anzahl der Drogendelikte seit 2010 weitestgehend konstant. Spitzenreiter ist - mit Ausnahme in 2014 - Kempten, gefolgt von Memmingen und Kaufbeuren. Nur im Jahr 2014 überholte Memmingen mit 322 Drogendelikten Kempten mit 254 Fällen. Auch die Zahl der Fälle in Kaufbeuren stieg in jenem Jahr auf 150 leicht an. 2016 haben in allen drei Städten die Drogendelikte zugenommen. So hatte Kempten 2016 einen Rekordwert von 541 Drogendelikten, in Memmingen waren es 363 Fälle und 163 in Kaufbeuren.

Während Kempten 2019 mit 318 Fällen und Memmingen mit 294 Drogendelikten auf einem deutlich höheren Niveau als noch vor zehn Jahren lag (Kempten: 235 und Memmingen: 191), haben sich die Drogenfälle in Kaufbeuren (2019: 166, 2009: 148) nicht allzu stark erhöht.

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So viele Drogenfälle gab es in den Landkreisen Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu und Lindau in den vergangenen zehn Jahren

Bei den Landkreisen war das Oberallgäu lang trauriger Spitzenreiter in Bezug auf die Drogendelikte. 2017 aber stiegen die Drogenfälle im Unterallgäu (472 Fälle) und im Landkreis Lindau (475 Fälle) an und überholten das Oberallgäu (391 Fälle). Das Rekordjahr bezüglich der Drogendelikte war im Oberallgäu 2016 mit 610 Drogendelikten. Der Landkreis Lindau erreichte bislang 2018 die Höchstzahl an Drogendelikten mit 521, das Unterallgäu 2017 mit 472 Fällen und das Ostallgäu mit 380 Drogendelikten im Jahr 2019.

Tendenziell bewegen sich die Zahlen der Drogendelikte in den Landkreisen Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu und Lindau tendenziell nach oben. Während es im Ostallgäu 2010 noch 242 Drogendelikte gab, waren es 2019 insgesamt 380. Im Unterallgäu meldete die Polizei 2010 noch 164 Fälle, 2019 waren es bereits 484.  Im Landkreis Lindau gab es 2010 insgesamt 195 Drogendelikte, im Oberallgäu 358. 2019 meldete die Polizei 460 Delikte für den Landkreis Lindau und 386 für das Oberallgäu.

Cannabis hat einen großen Anteil bei den Drogenfällen

Die meisten Verstöße, nämlich 1.734, wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West mit Cannabisprodukten begangen. Das sind 48,5 Prozent aller Verstöße. Amphetamine führten 2019 zu 388 Verstößen, gefolgt von Kokain/Crack mit 88 und Heroin mit 53 Verstößen.Vor allem Jugendliche begehen Rauschgiftdelikte besonders häufig mit 34,7 Prozent. 70 Prozent der Tatverdächtigen waren deutscher Herkunft.

So viele Drogentote gab es im Bereich Schwaben Süd/West

2019 meldete das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auch 23 Drogentote, 21 Männer und zwei Frauen. Das ist die höchste Todesrate seit zehn Jahren. Das Oberallgäu war der einzige Landkreis, in dem 2019 kein Mensch an den Folgen von Drogenkonsum verstarb. Neben Heroin greifen die Konsumenten auch immer öfter zu Mischungen. Die Menschen, die infolge des Drogenkonsums starben, hatten meist zusätzlich noch weitere Betäubungsmittel oder Arzneien eingenommen.

2009 lag das Durchschnittsalter der Drogentoten bei 33 Jahren, in vier Fällen waren Frauen die Opfer des Rauschgiftkonsums. Obwohl fast alle Todesfälle mit dem Konsum von Heroin zusammenhingen, sind andere Betäubungsmittel nicht ungefährlich. Diese sind meist der Einstieg zum intensiven Drogenkonsum.

>> Nach Drogentod zweier Jugendlicher in Augsburg: Dealer in U-Haft <<

"Hof der Hoffnung" - Projekt zum Drogenentzug in Bickenried (Ostallgäu)

In Bickenried bei Irsee (Ostallgäu) haben 19 Mitglieder der katholischen Gemeinschaft "Fazenda da Esparança" einen besonderen Ort geschaffen. Der "Hof der Hoffnung" wurde von Brasilianern, Mexikanern und Deutschen zu einem Entzugsort für Drogenabhängige umgewandelt. Dort sollen sie den Weg aus der Sucht finden.

Die "Fazenda Santa Crescentia" befindet sich auf dem ehemaligen Rittergut Bickenried im Allgäu. In der anerkannten Therapieeinrichtung finden bis zu zwölf Männer Platz, um dort mit „Therapie statt Strafe“ die Drogensucht abzulegen. Neben Hausdienst, Küche und Stall gibt es auf dem Hof einen besonderen Arbeitsbereich im Lager des internationalen christlichen Hilfswerks „Kirche in Not“.

Die Interaktion mit Besuchern und Gästen ist ein Teil der Therapie. So sollen die Drogenabhängigen im geschützten Rahmen in die Gesellschaft integriert werden. Regelmäßig feiern die Bewohner des Hofes Gottesdienste in der Hauskapelle und gehen sonntags zur Klosterkirche ins benachbarte Irsee (Ostallgäu).

Drogenhilfe im Allgäu und Schwaben

  • Auf der Webseite des Landratsamtes Oberallgäu kann man sich über Suchtrisiken und Behandlungswege informieren.
  • Informationen darüber, wie man eine Drogensucht vorbeugen kann, finden sich auf der Webseite des Landratsamtes Unterallgäu.
  • Auch das städtische Gesundheitsamt Memmingen bietet Hilfe für Drogenabhängige und Angehörige. Dort kann man sich beispielsweise über Entzugskliniken und Selbsthilfegruppen informieren.
  • Das Gesundheitsamt Lindau vermittelt Hilfe bei der Vorbeugung von Suchtentwicklung sowie Beratung bei Suchtgefährdung und -erkrankung.
  • Auf der Webseite der Stadt Kaufbeuren kann man sich vor allem zu Selbsthilfegruppen für Suchtkranke informieren.
  • Die Diakonie Oberschwaben/Allgäu Bodensee bietet psychosoziale Beratung und Hilfe für Suchtkranke und -gefährdete.
  • Der AWO Bezirksverband Schwaben e. V. hat eine psychosoziale Beratungsstelle in Memmingen, die Suchtgefährdete, Suchtkranke und ihre Angehörigen aus Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu berät und behandelt. 
  • Die Drogenhilfe Schwaben informiert auf ihrer Website umfassend zu Angeboten für Jugendliche, Erwachsene, Angehörige von Drogenabhängigen sowie Tipps zur Prävention einer Drogensucht. Auch bieten manche Landratsämter und Städte Suchtberatung an.

Eine Übersicht aller Suchtberatungsstellen in Schwaben sowie weiterführende Infos zum Thema Drogensucht und wie man diese überwinden kann, finden sich auf der Webseite des Bezirk Schwaben.