Flughafen Memmingen

Umweltschützer verpassen Allgäu Airport "gelbe Karte" - Geschäftsführer: "Ideenlos und kurzsichtig"

Der Allgäu Airport zählte 2019 1,72 Millionen Passagiere auf Flügen von und nach Memmingen. Jetzt macht dem Flughafen Memmingen Corona zu schaffen - und eine Studie von Umweltschützern, die Regionalflughäfen in Deutschland in Frage stellt.

Der Allgäu Airport zählte 2019 1,72 Millionen Passagiere auf Flügen von und nach Memmingen. Jetzt macht dem Flughafen Memmingen Corona zu schaffen - und eine Studie von Umweltschützern, die Regionalflughäfen in Deutschland in Frage stellt.

Bild: Flughafen Memmingen (Archiv)

Der Allgäu Airport zählte 2019 1,72 Millionen Passagiere auf Flügen von und nach Memmingen. Jetzt macht dem Flughafen Memmingen Corona zu schaffen - und eine Studie von Umweltschützern, die Regionalflughäfen in Deutschland in Frage stellt.

Bild: Flughafen Memmingen (Archiv)

Umweltschützer fordern in einer Studie die Schließung der Hälfte der 14 deutschen Regionalflughäfen. Warum der Allgäu Airport Memmingen glimpflich davonkommt.

19.08.2020 | Stand: 13:23 Uhr

Immer wieder nehmen Umweltschützer Regionalflughäfen in Deutschland aufs Korn. Sie seien wirtschaftlich und klimapolitisch unverantwortliche Geldverschwendung, heißt es in einer neuen Studie der Umwelt-Organisation BUND und des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS).

Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Wirtschaftlichkeit, der Bedeutung für die Verkehrsanbindung und der Klimalast von Flughäfen mit 200.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr. Und sie kommt zu einem vernichtenden Ergebnis: Das System der Regionalflughäfen in Deutschland sei "ökonomisch nicht nachhaltig, nicht bedarfsgerecht und klimapolitisch bedenklich", heißt es. Fast alle betrachteten Flughäfen würden negative Jahresergebnisse aufweisen und könnten nur mit hohen Subventionen ihre Gebühren und Flugpreise niedrig halten.

Umweltschützer-Studie: Diese Flughäfen in Deutschland sollen sofort schließen

In der Konsequenz fordern die Verantwortlichen der Studie die sofortige Schließung der Hälfte der deutschen Regionalflughäfen. Die "rote Karte" bekommen die Airports in

  • Erfurt-Weimar
  • Frankfurt-Hahn
  • Kassel-Calden
  • Niederrhein-Weeze
  • Paderborn/Lippstadt
  • Rostock-Laage
  • Saarbrücken.

Grundlage waren den Angaben zufolge die Geschäftsberichte 2014 bis 2018.

Wieso der Allgäu Airport Memmingen positiv bewertet wird 

Glimpflich kommt in der Bewertung dagegen der Flughafen Memmingen weg. Der Allgäu Airport schnitt gemeinsam mit dem Airport Bremen mit einer "gelben Karte" und je zwei Positiv-Bewertungen am besten ab.

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Positiv für den Flughafen im Unterallgäu fällt vor allem die starke Steigerung der Passagierzahlen in den vergangenen fünf Jahren ins Gewicht. Wie berichtet, nutzten vor der Corona-Krise stetig mehr Fluggäste den Allgäu Airport. Waren es 2014 nach Betreiberangaben noch knapp über 750.000, flogen im Jahr 2019 mehr als 1,7 Millionen Passagiere von und nach Memmingerberg. Das entspricht einer Steigerung von fast 130 Prozent.

Die Macher der Studie erkennen außerdem an, dass der Allgäu Airport "2018 praktisch ohne Zuschüsse zum laufenden Betrieb" auskam. Seine Wirtschaftlichkeit ziehen sie dennoch in Zweifel, indem betont wird, "dass der Flughafen über Jahre Verluste geschrieben und sich hoch verschuldet hat." In der Studie heißt es dazu: "Mit Einsatz von 8,2 Mio. Euro Steuergeldern kauften z.B. die beteiligten Städte und Landkreise dem Flughafen Grundstücke ab, die sie nicht unbedingt benötigten und der Freistaat Bayern gab hohe Investitionszuschüsse."

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Allgäu Airport-Geschäftsführer: Untersuchung "ideenlos, kurzsichtig und oberflächlich" 

Kritik übt die Untersuchung außerdem an der räumlichen Nähe und Konkurrenz Memmingens zum Flughafen Friedrichshafen und daran, dass der Allgäu Airport "null Beitrag zur Konnektivität" leiste. Damit ist gemeint, dass von Memmingen aus keines der weltweit wichtigsten Drehkreuze zum Weiterfliegen angeflogen wird. Die Macher ziehen so die Relevanz des Allgäu Airports und weiterer Regionalflughäfen in Zweifel.  

Allgäu-Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid am Flughafen Memmingen.
Allgäu-Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid am Flughafen Memmingen.
Bild: Matthias Becker (Archiv)

Kaum verwunderlich, dass bei den Betreibern des Flughafens Memmingerberg deshalb nur wenig Freude über das vergleichsweise glimpfliche Abschneiden in der Studie aufkommt. Allgäu-Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid kritisiert die Untersuchung mit markigen Worten als "ideenlos, kurzsichtig und oberflächlich".

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Als Vorsitzender der bundesweiten Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze e.V. (IDRF) sagt er: "Regionalflughäfen wegen rein ökonomischer Effekte in Zweifel zu ziehen, ist für einen Verband, der sich die soziale Marktwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, durchsichtig und schwach.“ Die Studie würde die Bedeutung der kleineren Airports für die Wirtschaft, "die nicht in Ballungszentren zu Hause sei" ebenso ignorieren wie ihren Beitrag zu "öffentlicher Daseinsfürsorge und zur Sicherheit".