Basilika-Konzert

Von der Hoffnung in unsicherer Zeit

2500 Besucher strömen normalerweise in die Ottobeurer Basilika-Konzerte, um große Orchester und Chöre zu hören. Nur 250 durften nun coronabedingt die Bamberger Symphoniker erleben.

2500 Besucher strömen normalerweise in die Ottobeurer Basilika-Konzerte, um große Orchester und Chöre zu hören. Nur 250 durften nun coronabedingt die Bamberger Symphoniker erleben.

Bild: Martina Diemand

2500 Besucher strömen normalerweise in die Ottobeurer Basilika-Konzerte, um große Orchester und Chöre zu hören. Nur 250 durften nun coronabedingt die Bamberger Symphoniker erleben.

Bild: Martina Diemand

Statt 2500 Zuhörer 250: Wie die Bamberger Symphoniker mit Anton Bruckners Achter auch vor kleinem Publikum in Ottobeuren ein klangmächtiges Zeichen setzen.
15.09.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Diese Musik tröstet – besonders in Zeiten, in denen durch ein kleines Virus große Verunsicherung herrscht. Denn trotz aller bedrohlicher Klanggewitter, die Anton Bruckners achte Sinfonie entfesselt, am Ende siegt doch in ihr eine Stimmung der Hoffnung. Das verdeutlicht die Aufführung dieses Werkes durch die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste in der Basilika von Ottobeuren eindringlich.

Auch wenn diesmal aufgrund der Schutzverordnungen wegen der Corona-Pandemie nur etwa zehn Prozent der Besucher, die sonst das Kirchenschiff bevölkern könnten, zugelassen sind, auch wenn strengste Hygiene- und Abstandsvorschriften – inklusive Fiebermessung – eingehalten werden, so entfaltet sich doch die Magie der Musik in diesem akustisch so heiklen Raum. Und das liegt an der einfühlsamen Klangregie, mit der Dirigent und Musiker diese komplexe und in jeder Beziehung groß dimensionierte Komposition als Tonarchitektur entwickeln.

Vom Dunkel zum Licht

Dem Werk liegt eine ähnliche Idee zugrunde wie Ludwig van Beethovens c-Moll-Sinfonie, der Fünften, die als Schicksalssinfonie ungeheure Popularität gewinnen sollte: vom Dunkel zum Licht. Doch während bei Beethoven sich ein Mensch tatkräftig seinen Weg durch die hereinbrechenden Schicksalsschläge bahnt, steht er bei Bruckner ehrfürchtig und staunend einer Macht gegenüber, die ihm immer neue Türen öffnet.

Die Dunkelheit des ersten Satzes ist dabei bei Bruckner weniger von Erschütterung und Erregung wie bei Beethoven geprägt als vielmehr von Verunsicherung: Wohin führt das Leben, das aus der Tiefe nach oben dringen möchte? Es birgt viele Facetten – vor allem in der ausgefeilten Klangkultur der Bamberger Symphoniker und ihres feinsinnig disponierenden Dirigenten Jukka-Pekka Saraste. Da finden sich viel Schönheit und Zartheit, etwa sich aus der Tiefe des Raumes filigran erhebende Bläserfiguren über zartem Tremolo der Streicher oder ein elegant dahinströmender Ton des gesamten Streicherchores. Aber es finden sich auch – wie es sich Bruckner wohl intensiver nicht gewünscht hätte – verstörende Momente, wie unheimlich aus der Ferne mahnende Tuben oder gewaltige Klangkaskaden, die von der ungebändigten Kraft der Natur oder gar höheren Mächten künden. Sie werden für ein noch viel größeres, aber dafür reinigendes Donnerwetter im Adagio, dem langsamen Satz, der hier nach dem Scherzo an dritter Stelle steht, sorgen. Er zeigt, wie aus Ruhe und innerer Sammlung trotz dräuender Unbill Kraft und Zuversicht entstehen können. Bei ihrer Wiederkehr nach einem gewaltigen Klangerdbeben verströmen die Melodien plötzlich Hoffnung. Das Tor zu einer neuen Welt hat sich geöffnet.

Ungewohntes Bild in der Basilika Otobeuren: Das Publikum sitzt beim Konzert der Bamberger Symphoniker weit auseinander.
Ungewohntes Bild in der Basilika Otobeuren: Das Publikum sitzt beim Konzert der Bamberger Symphoniker weit auseinander.
Bild: Martina Diemand

Solche Perspektive zeigte schon das vorangehende Scherzo auf, das in seinem Mittelteil, dem Trio, ein von zarten Harfenklängen umrauschtes, friedvolles Sehnsuchtsbild inmitten bewegter Situationen entwarf. Doch hält die Zukunft, was sich der Mensch erhofft?

Das Finale der Sinfonie, auf das alles zusteuert und das mit einem mächtigen Thema der Bläser ebenso majestätisch wie furchteinflössend anhebt, stutzt ihn und alle hochfliegenden Absichten zurecht. Er darf sich nur staunend in einem gewaltigen Kosmos wiederfinden, der aus den Klangbausteinen der gesamten Sinfonie entsteht, inmitten eines Universums, über dem noch einzelne Motive wie helle Sterne über den Tonschichten kurz erstrahlen und dann verglühen.

Das geht unter die Haut

Aber diese vergänglichen Sterne tragen alle Zeichen der Hoffnung in sich. Welch tröstlicher Gedanke. Er zeigt einmal mehr, wie wichtig Musik in Krisenzeiten sein kann, vor allem dann, wenn sie von so herausragenden Interpreten zu einem unter die Haut gehenden Erlebnis gemacht wird.