Unterschätzte Gefahr

Wasserwacht warnt: "Achtung vor tückischem Wind auf Allgäuer Seen"

Sturm und Wellen können auf Allgäuer Seen, hier der Weißensee bei Füssen, schnell zur Gefahr werden. Davor warnt die Wasserwacht.

Sturm und Wellen können auf Allgäuer Seen, hier der Weißensee bei Füssen, schnell zur Gefahr werden. Davor warnt die Wasserwacht.

Bild: Peter Samer (Archiv-Foto)

Sturm und Wellen können auf Allgäuer Seen, hier der Weißensee bei Füssen, schnell zur Gefahr werden. Davor warnt die Wasserwacht.

Bild: Peter Samer (Archiv-Foto)

Nach der Rettung von fünf Seeglern am Forgensee warnt die Wasserwacht Füssen vor tückischen Winden auf Allgäuer Seen. Besonders am Forggensee droht Gefahr.
10.07.2020 | Stand: 17:12 Uhr

Gleich zwei Mal rückten Wasserwacht und Wasserschutzpolizei am Mittwoch aus, um insgesamt fünf in Seenot geratene Segler auf zwei Booten auf dem Forggensee zu retten. Glücklicherweise endeten die Rettungsaktionen glimpflich. Auffrischender Starkwinde hatte zum Kentern eines Katermerans und eines Holzsegelbootes geführt. Wir sprachen mit Max Achatz (29), technischer Leiter bei der Wasserwacht Füssen über die Gefahren auf den Allgäuer Seen.

Ein Stand-Up-Paddler stirbt im Bodensee, zwei andere begeben sich auf dem Lech in Lebensgefahr. Segelboote kentern auf dem Forgensee. Ein Segelboot rammt - ebenfalls auf dem Forggensee - das Passagierschiff MS Allgäu. Das alles sind Meldungen der vergangenen Wochen. Was ist derzeit los auf den Allgäuer Gewässern?

Max Achatz: Wir verzeichnen einen großen Ansturm auf die Seen in unserer Region. Wegen Corona fallen für viele die Auslandsreisen heuer aus und sie kommen zu uns. Deshalb gibt es einfach mehr Menschen, die sich an und in unseren Gewässern bewegen. Dazu kommt ein früher nicht dagewesenes Spektrum an Aktivitäten: Kite-Surfen, Kanufahren, Stand-Up-Paddling, Surfen, und so weiter. Oftmals sind Anfänger darunter, die die Gefahren unterschätzen. Innerhalb von einem Monat hatten wir allein bei der Wasserwacht Füssen sieben Einsätze auf offenen Gewässern.

Die Seen im Allgäu scheinen idyllisch. Was macht sie gefährlich?

Max Achatz: Die Winde können im Alpenraum sehr tückisch für Wassersportler sein. Das gilt vor allem für den Forggensee. Wenn starker Wind von Osten, also aus den Alpen hereinbricht, kann sich die Lage innerhalb von einer halben Stunde völlig verändern. Dann bilden sich Wellen von bis zu 1,5 Meter auftürmen. Auch der Gefahr von rasch aufziehenden Gewittern muss man sich ständig bewusst sein.

Ohne die oben genannten Fälle verallgemeinern zu wollen: Haben Sie den Eindruck, dass Wassersportler zu leichtsinnig auf den Allgäuer Gewässern unterwegs sind?

Max Achatz: Die Gefahren werden oftmals unterschätzt, ja. Immer mehr Menschen - auch Schwimmer - zieht es speziell am Forggensee hinaus auf den See, sie bleiben also nicht mehr nur im Uferbereich. Das kann bei umschlagendem Wetter zum Risiko werden.

Welche Tipps haben Sie für Wassersportler?

Max Achatz: Sie sollten sich vorher über das Gewässer informieren und nicht spontan auf eigene Faust einfach aufbrechen. Wer eine Stand-Up-Paddling-Tour oder Kanutour machen will, setzt sich am besten mit einem lokalen Guide in Verbindung. Ganz wichtig ist auch die Ausrüstung: Eine Schwimmweste oder ein Neoprenanzug, der Auftrieb gibt und vor Kälte schützt, können Leben retten.

Welches Risiko gibt es speziell beim immer beliebter werdenden Stand-Up-Paddling?

Max Achatz: Wenn SUP-Fahrer von seinem Board fällt, kann das Board durch Wellen oder Strömung ein paar Meter weitertreiben. In dieser Situation befällt einen ungeübten Wassersportler - speziell auf offenem Gewässer - leicht Panik. Die Gefahr von Krämpfen oder Herzbeschwerden steigt. Besser ist es, über eine Leine immer mit dem Board verbunden zu sein.