ÖPNV

Das Bürgermobil Argental bringt Senioren ab September kostenlos zum Arzt

Im Argental haben sich Bürger zu einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen. Mit einem Bürgermobil sollen Senioren zum Arzt und zum Einkaufen kommen.

Im Argental haben sich Bürger zu einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen. Mit einem Bürgermobil sollen Senioren zum Arzt und zum Einkaufen kommen.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Im Argental haben sich Bürger zu einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossen. Mit einem Bürgermobil sollen Senioren zum Arzt und zum Einkaufen kommen.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Im Argental wurde ein Verein gegründet, der Senioren zum Arzt oder zum Einkaufen fährt. Dafür gibt es Unterstützung vom Landkreis.
15.07.2020 | Stand: 18:00 Uhr

160 Ortsteile und teils weite Strecken zum Zurücklegen: Gerade für Senioren, die nicht mobil sind, ist das ein Problem. Im Argental haben Bürger deshalb den Verein „BürgerMobilität Argental“ gegründet. Ehrenamtlich sollen ältere und hilfsbedürftige Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen gefahren werden. Dafür gibt es nun finanzielle Unterstützung in Höhe von 20 000 Euro vom Landkreis Lindau. Einstimmig stimmte der Kreisausschuss auf dem Kulturboden Lindenberg für die Förderung des Projektes, das „einen Vorzeigecharakter hat“, wie es Kreisrat Georg Lindl (Grüne) formulierte.

Anfang Juni wurde der gemeinnützige Verein in den vier Argentalgemeinden Röthenbach, Maierhöfen, Grünenbach und Gestratz gegründet. Vorbild waren hierbei die Gemeinden Argenbühl und Amtzell, wo es bereits seit fünf Jahren ähnliche Vereine gibt. Johannes Buhmann, ehemaliger Bürgermeister von Gestratz und neuer Vereinsvorsitzender von „BürgerMobilität Argental“, bezeichnete dies als einen historischen Tag. „Die mit dem Verein verbundenen Leistungen werden in den kommenden Jahren einen enormen Stellenwert erhalten“, sagte er. Denn Interessenten gebe es bereits genug.

Fahrgäste werden zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht

Ob Fahrten zum Arzt, zum Seniorennachmittag oder zur Pflege sozialer Kontakte: Die Fahrgäste werden zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht. Mit dem Zuschuss des Landkreises sei nun auch die Finanzierung gesichert, sagte Buhmann. „Es ist ein Traum, dass das Projekt in Erfüllung geht. Wir freuen uns sehr.“ Das Geld stammt aus dem Fördertopf des Kreishaushaltes Lindau für „ÖPNV und Seniorenprojekte“, in dem sich 250 000 Euro befinden. „Im Landkreis Lindau gibt es 19 Gemeinden. Dass wir nun für vier Gemeinden etwa ein Zehntel davon beantragt haben, halte ich für berechtigt“, sagte Buhmann.

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Neben Geld vom Landkreis hätten viele Privatpersonen gespendet. „Ebenso starten wir über die Raiffeisenbank Westallgäu ein Crowdfunding.“ Buhmann rechnet damit, dass dabei etwa 5000 Euro zusammenkommen. „Mit dem Geld können wir Anfang August unser Fahrzeug kaufen“, sagte der Vereinsvorsitzende. Den passenden Wagen hat der Verein bereits im Auge. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es ein zurückgegebenes Leasing-Fahrzeug. Es soll mit einem Rollstuhlplatz und vier weiteren Plätzen ausgerüstet sein. Die ehrenamtlichen Fahrer benötigen keinen Beförderungsschein, um das Auto zu steuern – lediglich einen Führerschein der Klasse B. „Unsere Fahrer stehen schon in den Startlöchern“, sagte Buhmann.

Kreisräte in Lindau loben Vorzeigecharakter 

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Ab 1. September soll das Bürgermobil im Argental in Betrieb gehen – zunächst zwei Tage die Woche jeweils am Mittwoch und Donnerstag. Bei Bedarf soll das Angebot ausgeweitet werden. Mitglieder zahlen einen Beitrag von zehn Euro im Jahr. „Es handelt sich um kein ÖPNV-Angebot, weil es keine feste Linienführung, keine Tarife und keinen festen Takt gibt, nach dem gefahren wird“, sagte Eduard Stützle, der das Konzept vorstellte. Er bezeichnete das Projekt als gute Ergänzung zu den Mobilitätsangeboten vor Ort. Auch Kreisrat Lindl lobte den Vorzeigecharakter. „Wir sollten es auf jeden Fall unterstützen, da es eine Präzedenzwirkung für andere Gemeinden hat“, sagte er. Sein Vorschlag, dass das Projekt nicht nur für ältere und hilfsbedürftige Menschen deklariert wird, ist aus steuerrechtlichen Gründen nicht möglich. „Zwei Drittel der Fahrgäste müssen diese Voraussetzungen erfüllen“, sagte Buhmann. Um zukünftige Projekte wie dieses zu ebnen, rief Landrat Elmar Stegmann den Arbeitskreis „ÖPNV“ zurück ins Leben. Er bat jede Fraktion, ein Mitglied zu benennen, das in dieser Runde vertreten ist.

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Im Argental freue man sich nun auf den Start des Projektes, berichtete Buhmann. „Senioren haben zu mir gesagt, dass sie nun ihr Auto verkaufen wollen, um dann das Bürgermobil zu benutzen“, sagte Buhmann. In den nächsten Wochen sei noch viel zu tun. Unter anderem ist der Verein noch auf der Suche nach einen geeigneten Stellplatz für das Fahrzeug. Dieser sollte wenn möglich wettergeschützt, zentral und mit Stromanschluss sein.