Forstpolitik

Diese Probleme haben Waldbesitzer - auch im Westallgäu

Unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald“ informierten Andreas Täger, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (rechts), und WBV-Vorsitzender Peter Freytag über die aktuelle Situation.

Unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald“ informierten Andreas Täger, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (rechts), und WBV-Vorsitzender Peter Freytag über die aktuelle Situation.

Bild: Olaf Winkler

Unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald“ informierten Andreas Täger, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (rechts), und WBV-Vorsitzender Peter Freytag über die aktuelle Situation.

Bild: Olaf Winkler

Die WBV Westallgäu sieht im Borkenkäfer das "Corona des Waldes". Er ist nicht das einzige Problem, mit dem Waldbesitzer und heimische Bäume zu kämpfen haben.
24.09.2020 | Stand: 11:55 Uhr

„Gemeinsam gegen Corona“ lautete ein Slogan zu Beginn der Pandemie. Unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald“ hat die Waldbesitzervereinigung (WBV) Westallgäu jetzt zu einem forstpolitischen Waldspaziergang eingeladen und nicht nur damit das aktuelle Gesundheitsthema aufgegriffen. Geschäftsführer Andreas Täger sprach gar vom „Corona des Waldes“, um die Bedrohung und die Folgen des Borkenkäfer-Befalls zu verdeutlichen. 30 Besucher kamen – darunter zahlreiche neu gewählte Bürgermeister.

Riesige Schäden durch den Borkenkäfer - jedoch noch nicht im Westallgäu

Riesige Schäden habe der Borkenkäfer in Deutschland angerichtet, stellte WBV-Vorsitzender Peter Freytag fest. So dramatisch wie im Thüringer Wald oder im Harz sei die Situation im Westallgäu aber nicht. Deutlich mehr Niederschläge als andernorts haben die Region „vor dem Schlimmsten bewahrt“.

Doch auch die Waldbesitzer in der Region spüren die Folgen des Borkenkäfers: „Der Holzpreis ist teilweise eine Lachnummer“, der die Kosten nicht decke. Dabei komme kaum noch Frischholz zur Vermarktung: Von den zuletzt gefällten 70 000 Festmetern Holz seien 60 000 Schadholz – „und das will keiner haben“, sagte Freytag.

WBV-Geschäftsträger: Politik unterstützte Wälder erst auf Druck

Positiv aus seiner Sicht: Die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt und insgesamt 800 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung gestellt. Das habe sie aber erst auf „Druck von der Basis“ getan, unterstrich Andreas Täger die Bedeutung von Verbänden wie der WBV.

Aus seiner Sicht sehen die Westallgäuer Wälder deshalb noch „ganz gut“ aus, weil es sich um kleinparzellierte Flächen handelt.

2,2 Hektar sind sie durchschnittlich groß und meist in Privatbesitz. Dadurch entstehe eine unterschiedliche Zusammensetzung – im Gegensatz zu Fichten – oder Tannen-Monokulturen in anderen Regionen Deutschlands.

Doch ohne Erträge sinke das Interesse manchen Waldbesitzers an seinen Flächen.

Hinzu komme, dass früher jeder Landwirt auch Waldflächen bewirtschaftete. Dazu fehle bei immer größeren Einheiten aber die Zeit, klagte Täger.

Heute erfülle der Wald viele Funktionen – und die bekamen die Teilnehmer beim Rundgang aufgezeigt, der beim Waldsee startete. Dort treffen Erholungssuchende und Forstbesitzer direkt aufeinander. Die Folge: „Der Waldbesitzer ist mit einer erhöhten Verkehrssicherungspflicht konfrontiert“, sagte Täger. Absterbende Eichen gibt es aktuell im Umfeld. Hier bestehe Handlungsbedarf, denn: „Bei der Beschädigung eines geparkten Fahrzeugs zahlt der Waldbesitzer.“

Konflikte zwischen Erholgungs-Suchenden und Naturschutz im Westallgäu

Mit Blick auf den niedrigen Holzpreis sollten die Kommunen Waldbesitzer von den Gebühren befreien, die derzeit bei der Erteilung einer verkehrsrechtlichen Anordnung anfallen. Die aber sei notwendig, um einen Bereich absperren zu dürfen. Letztlich diene die Arbeit des Waldbesitzers aber der Allgemeinheit. Bei der Neuausweisung von Wanderwegen oder Mountainbike-Strecken sollten die Kommunen zudem die Waldbesitzer „mit ins Boot holen“. Das zeigte sich an einem zweiten Punkt entlang des Trimm-Dich-Pfades. Er stand stellvertretend für viele Wege im Wald, die Sportler nutzen. Dabei komme es zum Konflikt zwischen Erholungssuchenden und Naturschutz.

Pflicht zur Verkehrssicherheit für Moutainbike-Strecken im Wald

Denn einerseits sind Waldbesitzer aufgerufen, Totholz stehen zu lassen, um Lebensräume für zahlreiche Tierarten zu schaffen. Andererseits müssen sie umsturzgefährdete Bäume entlang von Wegen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht schnellstmöglich entfernen – und das im Bereich der doppelten Höhe eines Baumes. Der Wunsch der WBV daher: Die Kommunen sollten bei Ausweisung insbesondere von Mountainbike-Strecken die Verkehrssicherungspflicht übernehmen.

Bedeutend sei der Wald auch als Wirtschaftsfaktor, hob Täger heraus. Er bringe viele Arbeitsplätze mit sich – nicht nur direkt bei der Bewirtschaftung des Waldes, sondern auch in Sägewerken und zunehmend bei der Erstellung von Gebäuden.

Täger: Die Kommunen sollten Vorbild sein und mit Holz bauen

Erfreulich ist aus Sicht von Freytag die Entwicklung bei den Neubauten: Innerhalb von 20 Jahren sei der Anteil von Holzgebäuden bei Bauanträgen von drei auf 18 Prozent gestiegen. Dennoch richtete Täger einen Appell in Richtung der Bürgermeister: Die Kommunen sollten Vorbild sein und mit Holz bauen.

Nicht zuletzt sieht die WBV im Wald einen wichtigen Lehr-, Lern- und Erfahrungsraum. Eine Stelle nördlich des Liebherr-Firmengeländes verdeutlichte das. „Hier war der Käfer schneller als die Waldverjüngung“, zeigte Täger mit Blick auf eine entstandene Freifläche auf. Die Zusammenhänge ließen sich hier gut aufzeigen – und insbesondere die Jugend sei hier eine wichtige Zielgruppe. Denn: „Oft fehlt der Bezug zur Natur“, klagte Freytag.