Baum muss weichen

Einstimmig beschlossen: 180 Jahre alte Dorflinde in Gestratz wird gefällt

Die 180 Jahre alte Dorflinde in Gestratz wird gefällt. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Die 180 Jahre alte Dorflinde in Gestratz wird gefällt. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Bild: Olaf Winkler

Die 180 Jahre alte Dorflinde in Gestratz wird gefällt. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Bild: Olaf Winkler

Ein Schild weist den Baum nahe der Kirche in Gestratz als Naturdenkmal aus. Dennoch muss er nun weichen. Der Bürgermeister rechnet mit Kritik.
15.10.2020 | Stand: 07:38 Uhr

Die Gemeinde Gestratz wird ihre 180 Jahre alte Dorflinde fällen lassen. Dies hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Der beauftragte Baumpfleger hatte schon in den vergangenen zwei Jahren auf die Gefahr für Passanten aufmerksam gemacht, die von der alten Linde ausgeht.

Bürgermeister Engelbert Fink fürchtet Kritik aus dem Ort, stellte aber fest: „Wir müssen da ran.“ Schon jetzt wirkt der Baum in Teilen abgestorben. „Da ist kein Saft mehr da“, sagte Fink. In der Folge drohen einzelne Äste bei Wind herabzufallen. Unterhalb der Dorflinde befinden sich aber ein Gehweg und eine Bushaltestelle. Bliebe die Gestratzer Dorflinde stehen, müsste der Bereich abgesperrt werden. „Wir müssten das Buswartehäuschen für den Betrieb sperren“, nannte Bürgermeister Fink eine der möglichen Konsequenzen.

Baum ist laut Landratsamt nicht als Naturdenkmal eingetragen

Denkbar wäre es auch, mit technischen Mitteln ein Herabfallen von Totästen zu verhindern. Das wäre aber mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Ein Schild des Heimatvereins weist den Baum als „Naturdenkmal“ aus und nennt als Pflanzdatum das Jahr 1840.

Doch die Nachfrage des Bürgermeisters beim Landratsamt ergab: Die Linde ist kein eingetragenes Naturdenkmal, weshalb die Entscheidung über eine mögliche Fällung ganz bei der Gemeinde lag.

Die Ratsmitglieder waren sich dabei schnell einig: Es kommt nur ein Fällen in Betracht. „Auch wenn es weh tut und man dafür geprügelt wird“, wie es der Bürgermeister formulierte (Lesen Sie auch: Diese Westallgäuer Gemeinden bieten noch Bauplätze an).

Gemeinderat Alexander Reich: "Es wird etwas fehlen"

Und auch Gemeinderat Alexander Reich stellte fest: „Der Baum hat etwas. Es wird an dieser Stelle etwas fehlen, wenn der Baum weg ist. Dann bleibt ja nur der Zigarettenautomat.“

Aber Ulrike Schmid brachte es auf den Punkt: „Die Sicherheit ist wichtig. Deshalb bin ich für das Fällen“. Sie regte an, an der gleichen Stelle einen neuen Baum zu pflanzen. Das sieht Bürgermeister Fink aber kritisch: Die nahe Straße auf der einen und der vor einigen Jahren neu trassierte Kaplaneibach auf der anderen Seite begrenzen die Fläche.

Einig waren sich die Ratsmitglieder schließlich, dass bei der Fällung zunächst der Hauptstamm stehen bleiben soll. Aus ihm könnte ein Friedensdenkmal entstehen. Das aber ist vom Zustand des Stammes abhängig.

Gemeinde will Bürger über Fällung informieren

Klar ist für den Bürgermeister: „Das Fällen wird keine Nacht-und-Nebel-Aktion.“ Die Bürger sollen zunächst im Gemeindeblatt über die Fällung informiert werden. Wirklich überrascht können die Bürger aus Sicht von Gebhard Baur nicht sein. „Das sieht doch jeder“, sagte er mit Blick auf den schlechten Zustand der Dorflinde. Schon nach dem letzten Zustandsbericht des Baumpflegers im vergangenen Jahr sei auch den Mitgliedern des alten Gemeinderates klar gewesen, dass Handlungsbedarf bestehe. Weitere Maßnahmen zum Erhalt „wären nur ein Rauszögern“.

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