Zugverkehr zwischen München und Lindau

Neue elektrifizierte Bahnstrecke geht in Betrieb - Fragen und Antworten

Auf diesen Gleisen fahren ab Sonntag die Züge elektrisch. Auch der neu erbaute Bahnhalt in Reutin geht nach eineinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb.

Auf diesen Gleisen fahren ab Sonntag die Züge elektrisch. Auch der neu erbaute Bahnhalt in Reutin geht nach eineinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb.

Bild: Christian Flemming

Auf diesen Gleisen fahren ab Sonntag die Züge elektrisch. Auch der neu erbaute Bahnhalt in Reutin geht nach eineinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb.

Bild: Christian Flemming

Ab Sonntag geht die elektrifizierte Strecke nach Lindau in Betrieb. Bis sich die Reisezeit wirklich verkürzt, kann es jedoch noch dauern. Woran das liegt.
12.12.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Ab Sonntag ist es soweit: Die elektrifizierte Strecke zwischen München und Lindau geht in Betrieb. Künftig wird der Schweizer Astoro-Hochgeschwindigkeitszug auf den Gleisen unterwegs sein. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wird nun auch der neue Bahnhalt für den Fern- und Nahverkehr in Lindau-Reutin in Betrieb gehen. Die Heimatzeitung hat die wichtigsten Fragen zum neuen Nah- und Fernverkehr rund um Lindau zusammengefasst.

Wie teuer war der Ausbau der Strecke zwischen Lindau und Geltendorf?

500 Millionen Euro hat der Ausbau der weitgehend eingleisigen Strecke zwischen Geltendorf und Lindau nach Angaben der Deutschen Bahn gekostet. 3650 Masten wurden aufgestellt, auf 155 Kilometern Länge Oberleitungen gespannt, Lärmschutzwände gebaut und Kurven für die Neigetechnik der Schweizer Züge ertüchtigt – um zumindest ein Tempo von 160 Kilometern pro Stunde zu ermöglichen.

Inwiefern verkürzt sich mit der neuen Strecke die Reisezeit?

Mit dem Fahrplanwechsel werden die Metropolen München und Zürich schneller verbunden – allerdings vorerst nicht ganz so zügig wie geplant. „Auf Schweizer Seite wird noch neue Signaltechnik installiert“, sagt ein Sprecher der Bahn. Deshalb verkürzt sich die Reisezeit von viereinhalb vorerst nur auf rund vier Stunden. Die von der Bahn angekündigten dreieinhalb Stunden schafft der Eurocity-Express planmäßig erst in einem Jahr.

Diese Züge kommen in Lindau an

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Wann wird der Regionalverkehr an den neuen Fernbahnhof Lindau-Reutin angeschlossen?

Auch beim Anschluss des Regionalverkehrs am neuen Fernbahnhof Lindau-Reutin müssen sich Fahrgäste noch ein Jahr gedulden. Denn die Züge vom Bodensee steuern bis zum Dezember des kommenden Jahres weiter nur den Inselbahnhof an – nicht den neuen Halt auf dem Festland, an dem der Eurocity-Express nach München und Zürich wartet. In Reutin halten neben den Fernzügen vorerst nur die Züge zwischen Bregenz und der Lindauer Insel. Dort fehlt nach Angaben der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg nämlich noch eine Tankstelle für die Dieselloks, die auf der Bodensee-Gürtelbahn fahren. Erst wenn auch diese Strecke der Südbahn in einem Jahr elektrifiziert ist und die neue Tankstelle steht, werde es für den Regionalverkehr in Reutin Anschlüsse an die Hochgeschwindigkeitszüge geben. Wirklich perfekt wird das Umsteigen in Lindau erst, wenn die Unterführung Hasenweidweg-Ost und die neue Zufahrt in das Giebelbachviertel fertig sind. Denn erst dann darf die Bahn alle Züge gemäß der angestrebten neuen Fahrpläne einsetzen.

Welche Züge halten in Reutin und welche am Inselbahnhof?

Züge von und nach Bregenz halten nach Aussage von Sibylle Ehreiser, Pressesprecherin des Landratsamtes Lindau, sowohl in Lindau-Reutin als auch am Inselbahnhof. „Züge aus Augsburg und München fahren den Inselbahnhof an, einige wenige verkehren von der Insel nach Reutin, um dort den Anschluss an den EC herzustellen“, sagt Ehreiser. Züge aus Stuttgart, Ulm und Friedrichshafen fahren zum Inselbahnhof. In Reutin halten täglich zwölf Fernzüge. Dazu kommen nach Angaben der Stadt Lindau 14 Züge der Regionalexpresslinie Augsburg-Kempten-Lindau und 56 Regionalzüge aus Vorarlberg. 17 Züge aus Vorarlberg fahren ohne Halt durch Reutin, um auf der Insel den Anschluss in Richtung Friedrichshafen zu schaffen.

Das kostet eine Fahrt vom Bahnhof Reutin zum Inselbahnhof

Wie kommen die Fahrgäste vom Bahnhof in Reutin zum Inselbahnhof?

Außer den ÖBB-Zügen, der S-Bahn Vorarlberg, fährt der Stadtbus Lindau den Bahnhof Reutin mit den Linien 1,3, und 5 an, teilt das Landratsamt Lindau mit. Diese verkehren anschließend über den Zentralen Umsteigepunkt (ZUP) – teilweise dort mit Umstieg – zur Insel.

Wie viel kostet eine Fahrt vom Bahnhof Reutin zum Inselbahnhof?

Eine Einzelfahrt kostet 2,30 Euro. Auf der Strecke gilt der Tarif des bodo-Verkehrsbundes.

Wo werden die neuen Bahnhaltepunkte liegen?

Nach Angaben des Landratsamtes sind in Lindau-Aeschach (in Richtung Allgäu), in Oberreitnau, Rehlings, Schlachters und Hergensweiler neue Bahnhaltepunkte geplant. „Wir streben als Ziel an, dass dort Anfang der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts die ersten Züge halten werden“, sagte die Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer.

Was passiert mit dem alten Bahnhof in Reutin?

Das alte Bahnhofsgebäude bleibt zunächst stehen, bis eine Genehmigung für einen Neubau vorliegt. „Für nächstes Jahr ist die Vorbereitung eines städtebaulichen Wettbewerbs vorgesehen, der einen Hochbau-Realisierungsteil für den Bahnhof Reutin beinhaltet“, sagt Sabine Schlusser vom Stadtbauamt in Lindau. Die Stadt hat das Gebäude erworben. Nach Abschluss des Wettbewerbs und den notwendigen nachfolgenden Planungen wird es mindestens bis 2025 dauern, bis ein neues Bahnhofsgebäude errichtet wird.

Weitere Elektrifizierungen im Allgäu geplant

Hat die Elektrifizierung Auswirkungen auf den restlichen Bahnverkehr?

Auf gute Anschlüsse müssen wegen der Elektrifizierung zwischen München und Lindau auch Bahnfahrer aus dem südlichen Allgäu hoffen. Die Zahl direkter Verbindungen von dort in die Landeshauptstadt sinkt laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft an manchen Bahnhöfen um mehr als die Hälfte. Die Fahrgäste müssen unterwegs in eine elektrisch betriebene Bahn umsteigen, weil unter der neuen Oberleitung möglichst wenige Dieselzüge fahren sollen. Obwohl die Fahrt deswegen nur wenige Minuten länger dauert und insgesamt mehr Züge ins südliche Allgäu fahren sollen, sieht der Vorsitzende des Regionalen Planungsverbands Allgäu, Stefan Bosse (CSU), diese Entwicklung kritisch. „Meine Sorge ist, dass die Bahn mit zusätzlichen Umstiegen für Pendler wieder unattraktiver wird.“

Sind weitere Elektrifizierungen im Allgäu geplant?

Die zweite große Elektrifizierung im Allgäu könnte auch auf einer anderen Strecke anstehen. Zur Vorplanung für einen Ausbau der Illertalbahn zwischen Ulm und Kempten hat das bayerische Verkehrsministerium etwa 10,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ersten Schätzungen zufolge könnte das Projekt etwa 300 Millionen Euro kosten.

Lesen Sie auch: Warum die elektrifizierte Bahnstrecke den Bahnhof Pfronten-Steinach kaum betrifft.