Pflege im Westallgäu

Fachkräfte wandern ab: Der Lebenshilfe Lindenberg fehlt wegen der Impfpflicht Personal

Die Lebenshilfe will den Standort in Lindenberg erweitern. Hier befinden sich neben der Verwaltung auch eine Werkstatt und Wohnheime.

Die Lebenshilfe will den Standort in Lindenberg erweitern. Hier befinden sich neben der Verwaltung auch eine Werkstatt und Wohnheime.

Bild: Caroline Mittermeier

Die Lebenshilfe will den Standort in Lindenberg erweitern. Hier befinden sich neben der Verwaltung auch eine Werkstatt und Wohnheime.

Bild: Caroline Mittermeier

Die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Lindenberg fordert ein Ende der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Die Versorgungssicherheit sei „massiv gefährdet“.
08.08.2022 | Stand: 15:25 Uhr

Die Kreisvereinigung der Lebenshilfe schlägt Alarm. Geschäftsführerin Esther Hofmann hat bei der Mitgliederversammlung eine Abschaffung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht gefordert. „Ansonsten ist die Versorgungssicherheit der Menschen mit Behinderungen massiv gefährdet.“ Denn schon jetzt hat der Verein Personalsorgen. Auswirkungen hat auch der Ukraine-Krieg und die Lage auf dem Bausektor: Letztere behindert die Umsetzung von geplanten Bauprojekten.

Abwanderung von Fachkräften ist traurige Realität

Die Lebenshilfe kümmert sich um 600 Menschen in ihren Einrichtungen, Wohnheimen und Werkstätten. Betreut werden sie von 270 Angestellten. Personal, um das die Lebenshilfe froh ist. Denn, so machte Geschäftsführerin Esther Hofmann deutlich, „wir haben grundsätzlich immer größere Probleme Fachkräfte zu rekrutieren“. Mit ein Grund sei die Impfpflicht für Pflegepersonal. Die Lebenshilfe habe regelmäßig Bewerber, die nicht geimpft seien und auch nicht bereit seien, dies nachzuholen. Seit Mitte März dieses Jahres dürfe sie keine Ungeimpften mehr einstellen. Dies wiederum wirke sich negativ auf das Personal aus: „Die Abwanderung unserer Fachkräfte nach Vorarlberg oder in Arbeitsfelder ohne Impfpflicht ist bereits traurige Realität“, sagte Hofmann und forderte die Abschaffung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. „Ansonsten ist die Versorgungssicherheit der Menschen mit Behinderungen massiv gefährdet.“

Bisher konnte die Lebenshilfe das verhindern. Trotz der Personalausfälle, die es wegen Corona Anfang des Jahres gegeben hat. Dadurch, dass Personal aus den Werkstätten oder anderen Wohnheimen ausgeholfen habe, seien die Bewohner des betroffenen Wohnheims in Röthenbach immer versorgt gewesen, versicherte Hofmann. Zudem haben ab Februar zwei Gebirgsjäger ausgeholfen, nachdem die Lebenshilfe ein Amtshilfegesuch bei der Bundeswehr gestellt hatte. Wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seien diese jedoch bald wieder abgezogen worden. Der Krieg ist es auch, der Auswirkungen auf die Bauprojekte der Kreisvereinigung hat. Weil die Lebenshilfe immer mehr Menschen betreut, will sie ihre Gebäude erweitern und neu bauen.

In Lindenberg will die Lebenshilfe ein neues Wohnheim bauen

Für den Standort Lindenberg plant sie einen Wohnheimneubau, die Erweiterung der Tagesstätte sowie den Bau einer Lagerhalle bei der Werkstatt und die Erweiterung der Verwaltung. Und auch in Lindau ist eine Werkstatterweiterung angedacht. Während manche dieser Projekte erst in der Planung sind, stockt der Wohnheim-Neubau derzeit wegen der unkalkulierbaren Kosten- und Liefersituation im Bausektor. Und was die Werkstatterweiterung in Lindau betrifft, so ist laut Hofmann eine Lösung noch nicht in Sicht.

Lesen Sie dazu auch: Holetschek: So geht es nun mit der Pflege-Impfpflicht weiter

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Die Versammlung musste mehrere Vorstandsposten neu besetzen, nachdem der bisherige Vorsitzende Albert Kirchmann und zwei Beisitzer während ihrer Amtszeit aus persönlichen Gründen zurückgetreten waren. Jakob Steib wurde einstimmig als Vorsitzender gewählt. Er war bisher Stellvertreter und hatte den Verein seit dem Rücktritt Kirchmanns geführt. Zu seinem Stellvertreter bestimmten die Mitglieder Cornelius Wiedemann, der bislang als Schatzmeister fungierte und diesen Posten zusätzlich behalten wird. Steib engagiert sich seit 36 Jahren im Vorstand der Lebenshilfe, Wiedemann seit 21 Jahre. Als Beisitzer wählten die Mitglieder Alexander Böttcher, den einige als Elternbeiratsvorsitzender der Förderschule Sankt Martin in Lindenberg kennen, und Johann Cassar.

Die Kreisvereinigung konnte die eher rückläufigen Mitgliederzahlen stoppen und zählt 320 Mitglieder, wie Steib in seinem Bericht erklärte. „Trotz der herausfordernden Umstände im vergangenen Jahr ist alles gut gelaufen“, fasste er die Entwicklung zusammen. Dies bildeten auch die Finanzen ab. Trotz der „außergewöhnlichen Belastungen“, wie Schatzmeister Wiedemann die auferlegten Corona-Maßnahmen bezeichnete, „können wir zufrieden sein“.