Hausbachklamm

Gemeinderat in Weiler: Lange Diskussion um eine kurze Brücke

Brücke Hausbach

Die Brücke am Wehr 4 in der Hausbachklamm in Weiler ist marode. Sie muss dringend ersetzt werden.

Bild: Peter Mittermeier

Die Brücke am Wehr 4 in der Hausbachklamm in Weiler ist marode. Sie muss dringend ersetzt werden.

Bild: Peter Mittermeier

Ein Vorschlag der "Hausbachflitzer" löst im Gemeinderat Weiler-Simmerberg eine Debatte aus. Denn auch die Verwaltung hat eine Idee. Und dann geht es da noch um Fördermittel.
13.10.2021 | Stand: 12:02 Uhr

Die Sanierung der Hausbachklamm ist seit 2017 ein Thema im Gemeinderat Weiler-Simmerberg. Viele Arbeiten hat der kommunale Bauhof inzwischen erledigt. Offen ist die anstehende Sanierung von Brücken. Und hier diskutiert das Gremium seit Oktober 2019 rund um die „Brücke Nummer 4“, ein zwölf Meter langes Bauwerk „Am Wehr“. Die im März 2021 genannten Baukosten von bis zu 189.000 Euro riefen den Verein der „Hausbachflitzer“ auf den Plan. Ob deren Variante nun günstiger oder teurer ist, beschäftigte den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Im April stellten die „Hausbachflitzer“, deren Vorsitzende Anja Reichart selbst im Gemeinderat sitzt, eine Brückenvariante vor, die deutlich weniger als 100.000 Euro kosten sollte. Die Idee damals: Der Verein wollte kostenfrei die Planung jener Brücken übernehmen, die die Marktgemeinde Scheidegg zwischen dem Reptilienzoo und den Wasserfällen gebaut hat.

Die jetzige Kalkulation von Bauamtsleiter Stephan Bauer sah dennoch die vom Ingenieurbüro Dr. Schütz konzipierte Variante im finanziellen Vorteil. Denn: Hier zog er eine staatliche Förderung von 45 Prozent ab. Die kann die Kommune aus dem RÖFE-Programm erhalten, das ausdrücklich touristische Einrichtungen mitfinanziert. So könnten knapp 69.000 Euro fließen. Da die bereits erbrachten Ingenieurleistungen in jedem Fall bezahlt werden müssten, sah Bauer bei der „Hausbachflitzer“-Variante Gesamtkosten von 113.500, bei der Dr.-Schütz-Brücke 107.700 Euro auf die Gemeinde zukommen.

Ist die Brücke breit genug für den Rettungsdienst?

Zudem gibt es Unterschiede bei der Bauausführung: Die „Hausbachflitzer“-Brücke ist im Gehbereich 1,16 Meter breit, die andere Variante jedoch zwei Meter. Das erlaube auch die Nutzung durch kleinere Bauhoffahrzeuge und den Rettungsdienst, bemerkte Bauer mit Blick auf eine höhere Belastbarkeit.

Die sei aber gar nicht notwendig, befanden mehrere Ratsmitglieder. „Auf die Brücke folgen schnell Treppenstufen, da geht es nicht weiter“, bemerkte Eberhard Rotter. An dieser Stelle einen Rettungsweg zu planen, sei „völlig sinnlos“, kritisierte Günter Sattler. Und: Neben der Brücke sei eine Furt vorhanden, über die der Hausbach mit einem Fahrzeug überquert werden könne, wenn nicht gerade Hochwasser herrsche.

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Es sei nicht der „sehnlichste Wunsch des Vereins, einen Brückenneubau umzusetzen“, bemerkte Zweite Bürgermeisterin Stephanie Novy, die ebenfalls im Vorstand des Vereins sitzt. Der Vergleich passe aber nicht, wenn bei einer Variante die mögliche Förderung abgezogen werde, bei der anderen aber nicht. David Fink hatte sich im Wirtschaftsministerium erkundigt und dort erfahren, dass auch die „Hausbachflitzer“-Variante förderfähig sei. Dazu müsse noch nicht einmal die Kommune selbst der Auftraggeber eines Neubaus sein.

Klaus Wegscheider kritisierte das Vorgehen: Wenn erst jetzt über die Brückenbreite und die Anforderungen an den Neubau diskutiert werde, sei die Reihenfolge falsch. Und für Ralf Werner stellte sich die „grundsätzliche Frage, wie wir an Themen herangehen“. Zu beachten sei, dass auch Fördergelder erwirtschaftet werden müssen. Daher gelte es, bedarfsgerecht zu planen.

Stephanie Novy: "Wir wollen einen Steg"

Für Bürgermeister Tobias Paintner sind die Sanierung der Hausbachklamm und der anstehende Brücken-Neubau „ein Vergangenheitsthema“. Aus den Reihen der Ratsmitglieder, die schon vor 2020 im Gremium saßen, kam keine Wortmeldung zu der Frage, wie intensiv damals über die notwendige Breite und Belastbarkeit diskutiert worden sei. Stephanie Novy fasste es jedoch zusammen: „Wir wollen einen Steg statt einer Brücke.“

Der Bürgermeister will nun eine verbindliche Auskunft zu einer möglichen Förderung einholen. Und er will mit dem Ingenieurbüro abklären, ob dieses auch die schmalere Variante umsetzen könnte – und zu welchem Preis. Für Paintner stellt sich die Frage nicht, ob der Verein als Bauherr auftreten soll: „Für mich war immer klar, dass die Gemeinde die Brücke baut.“