Adventsserie

Lichter im Advent: Diese Dinge bereiten Westallgäuern Freude

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

Wegen Corona ist in diesem Advent vieles anders. Es ist mehr Zeit für die wesentlichen Dinge. Westallgäuer teilen mit uns, was ihnen im Advent Freude bereitet.
06.12.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Ein Advent ohne Märkte, Konzert und Krippenspiel: Viele vorweihnachtliche Traditionen und Rituale bleiben den Menschen wegen der Pandemie verwehrt. Darum möchte die Heimtazeitung bis Weihnachten täglich „Kleine Lichter im Advent“ entzünden und hat verschiedene Westallgäuer gebeten, gute Gedanken, Impulse, Erlebnisse und Ideen mit den Leserinnen und Lesern zu teilen.

Der Männerchor begleitet durch die Tage

Angela Feßler bereitet in der Adventszeit vor allem die Musik große Freude
Angela Feßler bereitet in der Adventszeit vor allem die Musik große Freude
Bild: Jordan

Angela Feßler, Heimatpflegerin aus Heimenkirch, hat sich mit Freude auf den Advent vorbereitet. „Es war eine wunderbare Einstimmung für mich, Adventsgesteckle zu basteln“, sagt sie. „Dabei habe ich Adventsmusik gehört.“ Wenn sie sich zum Essen an den Tisch setzt, zündet sie eine Kerze an – und legt auch dann meist eine CD ein – „überwiegend Röthenbacher Männerchor“.

Musik zu hören ist für Angela Feßler ein Trost. Auch wenn es traurig machen kann, wenn einem die Menschen einfallen, die man zur Zeit nicht so oft sehen kann. „Aber es tut gut, Weihnachtsmusik zu hören und auf diese Weise mit den Liebsten beisammen sein.“

Der Heimenkircher Adventsmarkt mit Kinderaufführungen, Musikgruppen und den vielen Gesprächen fehle ihr schon, sagt Angela Feßler. „Das ist live viel schöner.“ Zugleich sei sie dankbar für die Ruhe und die Zeit, die sie nun für anstehende Aufgaben hat, beispielsweise die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des TSV Heimenkirch. Viele Stunden will sie in nächster Zeit auch dem Lesen widmen. Angela Feßler rät, sich im Fachhandel beraten zu lassen. „Die Buchhändlerinnen empfehlen genau das, was zu einem passt.“

Viel mehr Zeit für Wesentliches

Markus Stöckeler hat Zeit, um neue Gerichte auszuprobieren.
Markus Stöckeler hat Zeit, um neue Gerichte auszuprobieren.
Bild: Ingrid Grohe

Markus Stöckeler, Wirt des Gasthofs „Zum Hirschen“ in Scheidegg, sieht an diesem ganz speziellen Advent 2020 „viele positive Aspekte“. Stöckeler kocht mit Leidenschaft und heißt Gäste gern in seinem Gasthaus willkommen. Jetzt ist es pandemiebedingt geschlossen und er stellt fest: „Man hat viel mehr Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

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Das Wesentliche, das ist für ihn erst mal die Familie. „Man ist viel mehr beieinander, die Kinder sind nicht immer wieder weg.“ Und so gebe es Raum für andere Ideen. Seine Partnerin zum Beispiel habe sich Zeit genommen, mit den Kindern Plätzchen zu backen. „Das habe ich seit 20 Jahren nicht mehr erlebt“, sagt Markus Stöckeler. „Alle hatten eine Riesenfreude miteinander.“

Auch andere Beziehungen vertiefen sich, hat Stöckeler beobachtet. „Selbst Gespräche am Telefon sind intensiver“, sagt er. „Man geht einfach mehr aufeinander zu.“ Briefe schreiben, Weihnachtspakete rechtzeitig packen: „Es macht Freude, sich damit zu befassen – und zwar nicht auf den letzten Drücker.“

Und in der Küche, wo Stöckeler mit Kollegen Essen to go zubereitet, findet er in diesen Zeiten auch mal die Muße, Neues auszuprobieren, Abläufe zu ändern. „Das wäre in der normalen Hektik nicht möglich.“

Geschenkte Freude kommt zurück

Angelika Kettler überrascht im Advent gerne andere Menschen mit kleinen Geschenken.
Angelika Kettler überrascht im Advent gerne andere Menschen mit kleinen Geschenken.
Bild: Olaf Winkler

Angelika Kettler, die sich als Chorleiterin und beim Weißen Ring engagiert, erlebt Erfüllung, wenn sie anderen Menschen Freude bereitet. Die Opfenbacherin unterstützt beispielsweise die Sozialstation bei der Betreuung Demenzkranker. „Ich gehe zu diesen Menschen und verbringe mit ihnen ein, zwei nette Stunden.“ Zu diesen Besuchen bringt Kettler Kuchen mit. Zur Zeit hat sie auch ein Buch mit Weihnachtsliedern dabei. „Wir musizieren gemeinsam – das geht mit Sicherheitsabstand und Mundschutz.“

Angelika Kettler erzählt von einer Frau, die meist recht niedergeschlagen scheint, wenn sie zu ihr kommt. „Sie spielt gerne Mundharmonika. Dann sitzen wir einsfünfzig auseinander, ich singe und sie spielt.“ Das klinge nicht immer harmonisch. „Aber die Frau ist überglücklich.“ Ein solches Erlebnis ist für Kettler das Schönste, was sie in der Adventszeit mitnehmen kann.

Noch weitere Gesten fallen ihr ein, die den Advent mit Sinn erfüllen. „Wenn man Plätzchen backt und kleine Tütchen an Leute verteilt, die vielleicht gar nicht damit rechnen, oder jemanden mit einem Gläschen Marmelade überrascht – da geht man immer mit Freude heim.“ Kettler freut sich diesen Advent auch über eine Initiative junger Familien im Dorf Göritz, in dem sie lebt. „Die hatten die Idee, dass jeder ein Adventsfenster schmückt, damit die Kinder sich auf etwas freuen können.“ Natürlich tragen die Kettlers mit einem Fenster zu diesem speziellen Adventskalender bei.

Statt Stress viel Zeit für die Familie

Florian Kirchmann verbringt im Advent bewusst Zeit mit seiner Familie.
Florian Kirchmann verbringt im Advent bewusst Zeit mit seiner Familie.
Bild: Manfred Sendlinger

Florian Kirchmann ist Fußballtrainer beim SV Eglofs. Zu dieser Jahreszeit steckt er üblicherweise mitten in den Vorbereitungen einer Weihnachtsfeier, in deren Mittelpunkt eine Versteigerung steht. „Normalerweise stapeln sich jetzt bei mir zuhause die Pakete mit Spenden dafür“, sagt Kirchmann. Die Folge: In den letzten Jahren musste die Familie in dieser Zeit zurückstehen.

Heuer ist das anders – und das kann der 44-Jährige „ganz bewusst genießen“. Viel Zeit verbringt er mit seiner Frau Petra und seinen Töchtern Miriam und Raphaela. Sie feiert in der Adventszeit Geburtstag. Statt einer Party mit Freundinnen gibt es heuer ein Familienfest. Gerne geht Kirchmann mit seinen Töchtern in den nahen Pferdestall seines Bruders: „Die Mädels sind ganz verrückt nach Pferden.“ Die Familienzeit genießt Florian Kirchmann auch beim abendlichen Filmschauen zuhause oder beim Spazieren. „Wir leben hier im Westallgäu so herrlich. Wir haben wahrlich keinen Grund zu jammern“, sagt er.

Die Zeit mit Frau und Töchtern ist für Kirchmann „sehr erfüllend“. Er nimmt mehr Anteil an der Schule und den Hausaufgaben – und stellt fest: „Ich trauere nicht dem nach, was gerade nicht sein kann, sondern genieße das, was ist.“ Zumal ihm bewusst ist, dass die Zeit sich wieder ändern wird und möglicherweise schon im nächsten Jahr der übliche vorweihnachtliche Stress im Beruf und im Verein das Leben prägt.

Gedichte aus dem Dorfladen

Andrea Warthemann hat sich in Hergatz eine besondere Advents-Aktion überlegt.
Andrea Warthemann hat sich in Hergatz eine besondere Advents-Aktion überlegt.
Bild: Klaus-Peter Mayr

Andrea Warthemann, Buchhändlerin und Initiatorin der Veranstaltungsreihe „Hergatz liest“, unternimmt in diesen Zeiten häufig Spaziergänge – „ganz bewusst auch längere“. Dabei trifft sie sich manchmal mit einer Freundin. „So können wir uns sehen und austauschen. Und wir bewegen uns dabei.“ Ins Freie zu gehen sei ihr ein Bedürfnis, sagt die Wohmbrechtserin. „Es tut mir gut, Weite zu sehen und zu erleben.“

Für die Adventszeit hat sie sich für die Menschen in Hergatz mit Ulrike Schneider-Membarth etwas Besonderes ausgedacht. „Wir möchten Weihnachtsgedichte aussuchen und ausdrucken“, sagt Warthemann. In einigen Tagen stellen die beiden ein Körbchen mit der aufgerollten Poesie im Dorfladen Wohmbrechts auf. „Jede und jeder kann ein Weihnachtsgedicht als kleinen Gruß von ’Hergatz liest’ mitnehmen.“ Die ruhige Adventszeit 2021 Andrea Warthemann gern, um neue Projekte zu entwickeln.

Vorfreude bereitet Warthemann außerdem ein Wort. Sie las vor Kurzem die Erklärung des Begriffs „Kupido-Bogen“. Dieser beschreibe den geschwungenen Teil der Oberlippe und werde auch „Amor-Bogen“ genannt, erklärt sie. „Seither kommt zur adventlichen Freude eine noch länger währende hinzu: Irgendwann wieder die vielfältig geformten Kupido-Bögen meiner Mitmenschen zu sehen und nicht nur die maskierten Gesichter!“