Lindenberg/Heimenkirch

Nach Corona-Delle: Carsharing kommt im Westallgäu wieder in Fahrt

Der rote Opel Astra hat am Rathaus in Lindenberg einen festen Stellplatz. In zwei Jahren hat er fast 20 000 Kilometer zurückgelegt.

Der rote Opel Astra hat am Rathaus in Lindenberg einen festen Stellplatz. In zwei Jahren hat er fast 20 000 Kilometer zurückgelegt.

Bild: Benjamin Schwärzler

Der rote Opel Astra hat am Rathaus in Lindenberg einen festen Stellplatz. In zwei Jahren hat er fast 20 000 Kilometer zurückgelegt.

Bild: Benjamin Schwärzler

Zu Beginn der Pandemie sind die Buchungen in Lindenberg und Heimenkirch deutlich zurückgegangen. Nun geht es bergauf. Eine besondere Rolle spielt die Feuerwehr.

21.08.2020 | Stand: 18:11 Uhr

Die Talsohle scheint durchschritten. Nach einem spürbaren Rückgang zu Beginn der Corona-Pandemie nimmt das Carsharing in Lindenberg und Heimenkirch wieder Fahrt auf. „Mittlerweile ziehen alle Zahlen an und wir begrüßen auch schon neue Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Wielant Ratz vom Verein Bodensee-Mobil, mit dem die beiden Westallgäuer Kommunen zusammenarbeiten.

Carsharing in Lindenberg seit Sommer 2018

Die Stadt Lindenberg bietet das Carsharing seit Sommer 2018 an. Sie hat laut Ratz schon „innerhalb eines Jahres den vollen gewünschten Umsatz pro Monat erreicht und nur jetzt wegen Corona einen kleinen Rückgang“. Im Schnitt werde mehr als einmal täglich gebucht. Im Jahr 2019 haben 13 Kunden insgesamt 404 Buchungen mit 12. 400 Kilometern und 5.500 Euro Umsatz getätigt. „Die gesamte Kilometerleistung entspricht einem recht durchschnittlichen Privat-Pkw. Man könnte also von einer Einsparung von fünf bis zehn Autos durch diese Nutzer sprechen“, vergleicht Ratz.

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In Lindenberg legte das Carsharing vor allem Ende 2019 kräftig zu. Die Umsätze wuchsen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Sechsfache. Anfang 2020 war dieser Höhenflug nicht mehr so stark – und wurde dann sogar zum Sinkflug. Die Umsätze zwischen April und Juni erreichten gerade einmal 75 Prozent des Vorjahresquartals. Nach Einschätzungen der Stadt hängt das in erster Linie mit Corona zusammen. Gerade zu Beginn der Pandemie hätten die Nutzer sicherlich eine gewisse Scheu gehabt, in ein Auto zu steigen, in dem vorher ein Fremder saß, sagt Stadtbaumeisterin Marlen Walser.

Verwaltung mit Carsharing in Lindenberg zufrieden

Doch inzwischen nimmt die Zahl der Buchungen in Lindenberg wieder zu. Bis einschließlich Juli waren es heuer 14 Kunden, 210 Buchungen, knapp 5.900 Kilometer und fast 1.900 Euro Umsatz. Die Verwaltung sei generell zufrieden, mit dem Carsharing, sagt Walser – vor allem mit Blick auf die Größe Lindenbergs. Im Stadtrat hatten die Grünen im Februar sogar angeregt, ein zweites Fahrzeug anzuschaffen. Eine Entscheidung dazu gibt es noch nicht.

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Heimenkirch hat bereits drei Jahre vor Lindenberg mit dem Carsharing begonnen. Im Vergleich haben sich die Zahlen dort dafür etwas langsamer entwickelt. „Heimenkirch ist auch viel kleiner. Die Nutzer fahren zumeist durch eine jeweils einmalige Buchung auf dem Bürgeramt. In Lindenberg gibt es dagegen eigenständige Zugänge und Mitglieder“, sagt Ratz. Im Jahr 2016 beispielsweise gab es in Heimenkirch nur drei Kunden mit 149 Buchungen, knapp 10. 800 Kilometern Fahrleistung und rund 4.350 Euro Umsatz. Drei Jahre später waren es neun Kunden, 238 Buchungen, 15. 300 Kilometer und 6.500 Euro.

Gemeinde Heimenkirch blockt Neunsitzer für die Feuerwehr

Zur Auswahl in Heimenkirch stehen ein Elektro-Auto und ein Neunsitzer, die am Bahnhalt parken. Zu Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage laut Geschäftsstellenleiter Anton Volkwein stark zurückgegangen. Während das Auto im ersten Quartal 2020 noch einen Umsatzzuwachs von 718 Prozent erzielt hatte, lag die Quote zwischen April und Juni bei fünf Prozent.

Der Bus stand zeitweise sogar komplett still, weil er vor allem für Vereinsfahrten und gemeinschaftliche Ausflüge genutzt wird. Die Gemeinde hat hier aber aus der Not eine Tugend gemacht – und den Neunsitzer dauerhaft für die Feuerwehr gebucht. „Damit hätten sie im Ernstfall mit dem gebotenen Mindestabstand ausrücken können“, sagt Volkwein.

Nachfrage in Heimenkirch zieht wieder an

Seit Juli zieht in Heimenkirch die Nachfrage nach beiden Fahrzeugen wieder an. „Es geht langsam wieder los“, sagt Volkwein. So stark wie vor Corona sei die Nutzung aber noch nicht. Zwischen Januar und Juli 2020 hat der Verein Bodensee-Mobil zwar elf Kunden, aber nur 61 Buchungen mit 3500 Kilometern und 2700 Euro Umsatz registriert. Carsharing gibt es in der Region außerdem noch unter anderem in Isny, Wangen, Kißlegg und Leutkirch. In Lindau hat der Verein sogar ein halbes Dutzend Autos im Einsatz.