Corona und Religion

So feiern Westallgäuer Kindergärten trotz Corona St. Martin

Die St.-Martins- und Bettlerfigur gibt es schon seit Ewigkeiten am Weilerer Kindergarten.

Die St.-Martins- und Bettlerfigur gibt es schon seit Ewigkeiten am Weilerer Kindergarten.

Bild: Daniel Boscariol

Die St.-Martins- und Bettlerfigur gibt es schon seit Ewigkeiten am Weilerer Kindergarten.

Bild: Daniel Boscariol

Um  am 11. November trotz Corona feiern zu können, haben sich Westallgäuer Kindergärten und Ehrenamtliche kreative Lösungen überlegt. Was geplant ist.
04.11.2020 | Stand: 12:03 Uhr

Corona macht es den Kindergärten heuer nicht leicht. Einschränkungen prägen den Alltag von Erzieherinnen, Eltern und Kindern. Auch das Martinsfest am 11. November muss in diesem Jahr anders ablaufen, auch wenn die dazugehörigen Umzüge als Teil der Religionsausübung erlaubt sind. Die Auflagen für St. Martin erfordern Aufwand und Einfallsreichtum: Die Kita-Gruppen müssen unter sich bleiben, Eltern dürfen nur mit Maske und Abstand mitlaufen. Auch für Betreuerinnen gilt beim Umzug Maskenpflicht. Um diese Vorgaben zu erfüllen, haben die Westallgäuer Kindergärtnerinnen kreative Ideen umgesetzt.

Das Kinderhaus Don Bosco in Heimenkirch hat sich einen coronakonformen Martinsweg überlegt. An vier verschiedenen Stationen möchte der Kindergarten den Familien etwas „zu lesen und zum Entdecken geben“, wie die Einrichtung ankündigt. Trotz Einschränkungen soll St.-Martin-Atmosphäre aufkommen.

Röthenbacher sollen Fenster und Gärten schmücken

Der Kindergarten bittet die Anwohner deshalb, ihre Fenster für den Abend zu schmücken und zu beleuchten sowie ein Lichtlein vor die Türe oder in den Garten zu stellen. „Das ist für die Kinder eines der wichtigsten Feste“, sagt Kathrin Novy-Rankl vom Don-Bosco-Kindergarten. „Sie wollen in der Dunkelheit mit ihren Laternen spazieren gehen. Geht das nicht, wäre das ungeheuer schade.“ Der Arche-Noah-Kindergarten plant, ein kleines Martin-Rollenspiel am Sportplatz ohne Eltern aufzuführen.

In Weiler haben die Organisatorinnen der Familiengottesdienste einen Martinsweg mit fünf Stationen vorbereitet: Familien und Interessierte können zwischen Donnerstag, 5., und Samstag, 7. November, etwas über das Leben Martins als Soldat und seine Begegnung mit dem Bettlererfahren.

Lieder auf dem Smartphone - St. Martin als Rundweg

Der Weg ist ab 16 Uhr geöffnet und startet an der St.-Blasius-Kirche. Über den Rathauspark, die evangelische Kreuzkirche, den Kurpark bis zum Seniorenheim Rothach-Park liegen die Stationen verteilt. Jeweils ab 17 Uhr beginnt außerdem ein Familiengottesdienst in der Pfarrkirche. Die Organisatorinnen weisen darauf hin, neben der Laterne auch einen Mundschutz mitzunehmen. Außerdem empfehlen sie eine Taschenlampe und eventuell ein internetfähiges Smartphone. Über einen Code sollen die Handys nämlich Lieder abspielen, die den Martinsweg begleiten.

Illerberg - St. Martin Umzug
Illerberg - St. Martin Umzug
Bild: Alexander Kaya

Auch beim Johanniter-Kinderhaus am Lindenberger Nadenberg müssen die Kinder auf einen Umzug nicht verzichten. „Statt am Abend gehen wir aber am Vormittag raus“, erklärt Anja Stöppler von der Johanniter-Kita. Die Kinder gehen ohne Eltern spazieren.

St.-Gebhard-Kindergarten Maierhöfen: „Uns war das zu riskant“

Unsicher ist, wie das Martinsfest heuer am evangelischen Johanneskindergarten in Lindenberg aussehen soll. Eine Besprechung diese Woche soll Klarheit schaffen. Wahrscheinlich feiern die Kinder aber ausschließlich in ihren Gruppen, ähnlich wie beim Lindenberger St.-Martin-Kindergarten – und vielen weiteren Westallgäuer Kindertagesstätten. „Uns war das zu riskant“, begründet Carolin Magg vom St.-Gebhard-Kindergarten in Maierhöfen die Entscheidung.

Stattdessen feiert der Maierhöfener Nachwuchs am Vormittag ein kleines Martinsfest mit Punsch, Kuchen und Liedern. „Die Kinder können ihre Laternen mit heimnehmen, außerdem bekommen sie ein paar Anregungen wie Ausmalbilder mit, damit sie das Fest mit ihren Eltern feiern können“, sagt Magg.

Eine alte Tradition für Kinder wird eingeschränkt

Der Gestratzer Kindergarten hat das Martinsfest auf den Nachmittag verschoben. Geplant ist, mit gebackenen Martinsgänsen, einer kleinen Vorführung, Mundschutz und ohne Eltern zu feiern. Die Laternen können die Kinder mit nach Hause nehmen. „St. Martin gehört zu unserer Tradition, es ist eines meiner liebsten Feste“, sagt Silvia Hartmann, Leiterin des Kindergartens. „Wir wollen die Möglichkeiten ausschöpfen, die es trotz Corona gibt.“

Den Martinsumzug in Röthenbach hat die Gemeinde abgesagt. Deshalb haben die Organisatorinnen des Familiengottesdienstes die Röthenbacher gebeten, ihre Fenster mit Laternenfenstern zu schmücken. „Die Familien bekommen einen Ortsplan, an dem sie sehen, wo es etwas über St. Martin zu entdecken gibt“, erklärt Melanie Schleicht vom St.-Martin-Kindergarten. „So können die Eltern selbst mit ihren Kindern rausgehen, trotz Corona.“ Am Vormittag erfahren die Jungen und Mädchen der Kita die Geschichte vom heiligen Martin, dazu singen sie Lieder und essen Martinsgänschen.