Umwelt

So lief die erste "Fridays for Future"-Demo nach der Corona-Pause

Sara Gretler spricht auf dem Stadtplatz in Lindenberg. Es ist die erste Demo nach der Corona-Pause.

Sara Gretler spricht auf dem Stadtplatz in Lindenberg. Es ist die erste Demo nach der Corona-Pause.

Bild: Stefanie Gronostay

Sara Gretler spricht auf dem Stadtplatz in Lindenberg. Es ist die erste Demo nach der Corona-Pause.

Bild: Stefanie Gronostay

„Fridays for Future“ ist zurück: Etwa 60 Menschen demonstrieren in Lindenberg. Entmutigen lassen sie sich nicht.
26.09.2020 | Stand: 07:45 Uhr

Lindenberg Mit etwa 150 Teilnehmern hatten die Organisatoren von „Fridays for Future“ gerechnet. Letztlich versammelte sich am Freitagmittag vor dem Lindenberger Rathaus nicht einmal die Hälfte an Demonstranten. Nur ein, zwei Plakate, keine Trillerpfeifen, kein Zug durch die Stadt: Die kleine Gruppe hat nicht viel mit der lauten und schrillen Masse vom vergangenen Jahr gemein. Entmutigen lässt sich die Jugendbewegung jedoch nicht – weder von Corona noch von dem schlechten Wetter. „Wir sind immer noch da“, lautet die Botschaft auf dem Lindenberger Stadtplatz. „Und wir kämpfen stärker als je zuvor.“

„Das Thema Klimaschutz ist durch die Corona-Krise in den Hintergrund gerückt“, sagt Louise Dietlein, eine der Hauptorganisatoren. Doch die Probleme seien immer noch die gleichen. „Es ist höchste Zeit, etwas zu verändern. Denn nur, wenn jeder etwas macht, können wir diesen Planeten retten.“ Über ein Jahr ist es her, dass die Schülerinnen und Schüler in Lindenberg auf die Straße gegangen sind. Im September 2019 demonstrierten etwa 400 Menschen – Schulter an Schulter.

Demonstrieren auf Abstand in Lindenberg

Am Freitag stehen die Menschen auf Abstand. Ordner sorgen dafür, dass die Corona-Regeln eingehalten werden. Auf einem Tisch steht Desinfektionsmittel bereit. Während der gesamten Demo gilt Maskenpflicht. Es regnet in Strömen. Sara Gretler, einer der führenden Köpfe von „Fridays for Future“ in Lindenberg, gibt alles, um die Gruppe anzuheizen. „We are unstoppable“, ruft sie ins Mikrofon, zu deutsch „Wir sind unaufhaltsam.“ Trotz allem. Denn die Bilanz nach einem Jahr ist durchaus ernüchternd. „Wir sind enttäuscht von der Regierung“, sagte Gretler bereits im Vorfeld der Demonstration. Corona hätte als Sprungbrett für viele Maßnahmen genutzt werden können. „Beispielsweise für den Ausbau von Bus und Bahn sowie Radwegen“, sagte Gretler. Stattdessen seien die Gelder der Konjunkturpakete in die Automobilbranche geflossen. „Der Mut hat einfach gefehlt, die Entscheidungen zielstrebig umzusetzen.“

Schüler sind enttäsucht von Politik

Es ist die Enttäuschung, die überwiegt. „Versprechen gebrochen, Vertrauen verloren“, sagt die Schülerin Maren Käfferlein, die ein Gedicht über die Klimakrise schrieb. Auch Bürgermeister Eric Ballerstedt ist an diesem Mittag da. „Zwei Dinge haben sich nicht geändert“, sagt er. „Das globale Problem und euer Pech mit dem Wetter.“ Doch er ermutigt die Jugendlichen. „Ihr könnt stolz auf euch sein“, sagt er. Doch am allermeisten freue sich wahrscheinlich sein zweijähriger Sohn über das Engagement. „Denn ihr kämpft für seine Zukunft.“

Werden die Jugendlichen nun wieder öfters auf der Straße zu sehen sein, fragt eine Teilnehmerin. „Ja, zu besonderen Aktionen“, sagt Gretler. „Fridays for Future“ ist nach der Zwangspause zurück.