Isny

Stilles Aus der NTA Isny als Hochschule

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat im drei Jahre währenden Machtkampf an der NTA ein Urteil gesprochen. Der frühere Geschäft

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat im drei Jahre währenden Machtkampf an der NTA ein Urteil gesprochen. Der frühere Geschäft

Bild: NAT

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat im drei Jahre währenden Machtkampf an der NTA ein Urteil gesprochen. Der frühere Geschäft

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Bildungseinrichtung Die Blindow-Gruppe will sich nicht als Investor engagieren. Nicht betroffen ist das Berufskolleg
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Von sz
24.10.2019 | Stand: 15:25 Uhr

Das Ende kam in der öffentlichen Wahrnehmung heimlich, still und leise: Die Versuche, die Hochschule der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie Isny (NTA) durch den Einstieg eines Partners auf neue Beine zu stellen, etwa eines privaten Bildungsträgers oder mit Unterstützung von Industrieunternehmen, sind gescheitert. Nicht betroffen davon ist das wirtschaftlich erfolgreiche NTA-Berufskolleg, dessen Betrieb unverändert weiterläuft.

Bereits seit 2015 konnten sich keine neuen Studenten mehr an der Hochschule einschreiben. Nur ein Grund dafür war, dass das Wissenschaftsministerium in Stuttgart der NTA die Akkreditierung entzogen hatte, das heißt: Studienabschlüsse an der Hochschule wären nicht mehr staatlich anerkannt worden. Hinzu kamen interne Zwistigkeiten um Zuständigkeiten, Investitionen, wissenschaftliche Ausrichtung und Konzepte und anderes mehr.

Seit der ministeriellen Entscheidung hatten Wolfgang Brunner, Vorsitzender des NTA-Stiftungsrates, Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter, der ebenfalls im Stiftungsgremium sitzt, der aktuelle NTA-Geschäftsführer Karl Maier sowie dessen zeitweiser „Co“, Niels Helle-Meyer, der Leiter der Hochschule, Kurt Grillenberger, sowie die beiden Landtagsabgeordneten Raimund Haser (CDU) und Petra Krebs (Grüne) vielfältige Versuche unternommen, um den akademischen Zweig der NTA auf ein zukunftsfähiges Fundament zu stellen.

Diese Anstrengungen sind vorerst gescheitert, räumte Brunner am Mittwoch ein. Die Bernd-Blindow-Gruppe, ein privater Bildungsträger aus dem niedersächsischen Bückeburg, habe ihr Engagement vor rund sechs Wochen „überraschend zurückgezogen“, obwohl die inhaltliche Ausgestaltung bereits sehr weit gediehen gewesen sei.

Gerüchte über das Hochschul-Aus kursierten in Isny bisher nur unter der Hand. Erst am Dienstag dieser Woche wurde derSchwäbischen Zeitungbestätigt, dass in den Räumen an der Seidenstraße derzeit kein Hochschullehrbetrieb mehr abgehalten wird: Die rund 40 Studenten des letzten immatrikulierten Jahrgangs bereiten derzeit vornehmlich in Industriebetrieben im Praxissemester ihre Abschlussarbeiten vor, im Frühjahr 2020 müssen sie an der NTA noch ihre Abschlussprüfungen zum Bachelor schreiben.

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Vonseiten der NTA will sich aktuell niemand im Detail zum vorläufigen Aus der Hochschule äußern. Für den 31. Oktober sei eine Gesellschafterversammlung anberaumt, in der wichtige Weichenstellungen für die Neuaufstellung der NTA vorgenommen werden sollen. Erst danach könne die Öffentlichkeit informiert werden. Mit Verweis auf das Treffen wollte sich auch Bürgermeister Magenreuter am Mittwoch nicht äußern.

Ebenso wenig verfügen die vier Fraktionen im Isnyer Gemeinderat derzeit über nähere Informationen. Alexander Sochor teilte auf Anfrage im Namen der CDU-Fraktion schriftlich mit: „Da wir von offizieller Seite keine Mitteilung über die Schließung der NTA-Hochschule bekommen haben, können wir keine Stellungnahme abgeben.“ Edwin Stöckle (SPD) erklärte telefonisch: „Ich weiß offiziell von nichts.“

Sibylle Lenz schrieb für die Freien Wähler: „Die Fraktion der Freien Wähler wird keine Stellungnahme zu diesem Thema abgeben, solange wir nicht von offizieller Seite hierzu informiert worden sind. Ich bitte um Verständnis.“

Die letzte öffentliche Verlautbarung rund um die Hochschule ist mehr als ein Jahr alt und hatte noch Optimismus verbreitet: Am 18. September 2018 verkündete eine Pressemitteilung der NTA, dass es „nach intensiven Verhandlungen gelungen ist, einen neuen Partner zu finden, der sich mit seinen Angeboten am Standort Isny engagieren wird“. Genannt wurde die Diploma Hochschule Bad Sooden-Allendorf, eine „private, staatlich anerkannte Fachhochschule“, die ein Teil der Bernd-Blindow-Gruppe sei. In Isny könne es, so hieß es weiter, „mit Hilfe der jetzt vereinbarten Kooperation gelingen, die Studienmöglichkeiten sogar noch zu erweitern“, wird NTA-Geschäftsführer Karl Maier in der Pressemitteilung damals zitiert. Als Start war das Wintersemester 2019/20 genannt.

Der Stiftungsvorsitzende Wolfgang Brunner zeigt sich enttäuscht, dass die Blindow-Gruppe einen Rückzieher gemacht hat. „Das kommt für uns alle überraschend, da seitens der NTA sehr viel investiert wurde“, sagt er. Die Hoffnung, dass Isny als Hochschulstandort erhalten werden kann, habe er trotzdem nicht aufgegeben.