Haareschneiden nach dem Lockdown

Westallgäuer Friseur: "Es ist ein regelrechter Termin-Tsunami"

Christian Miller vom Friseursalon Miller in Lindenberg ist froh, dass er seine Kunden wieder empfangen darf.

Christian Miller vom Friseursalon Miller in Lindenberg ist froh, dass er seine Kunden wieder empfangen darf.

Bild: Daniel Boscariol (Symbolfoto)

Christian Miller vom Friseursalon Miller in Lindenberg ist froh, dass er seine Kunden wieder empfangen darf.

Bild: Daniel Boscariol (Symbolfoto)

Die Westallgäuer Friseure dürfen nach dem coronabedingten Lockdown wieder ran an die Scheren. Die Erleichterung ist groß – der Andrang noch größer
05.03.2021 | Stand: 06:17 Uhr

Christian Miller ist die Erleichterung am Telefon anzumerken. „Es ist sehr schön, dass es wieder weitergeht“, sagt der Betreiber des Salons Miller in Lindenberg. Nach Monaten darf Miller seine Kundinnen und Kunden endlich wieder zum Haareschneiden empfangen. Und der Andrang ist groß, wie Miller erzählt. „Es ist ein regelrechter Termin-Tsunami.“ Um den Aufwand bewältigen zu können, hat der Lindenberger Salon umstrukturieren müssen. „Durch die Quadratmeter-Regel dürfen nämlich nochmals weniger Kunden in den Laden“, sagt Miller.

Quadratmeter-Regel erschwert die Arbeit

Mit dem Neustart im März wurden auch die Hygieneanforderungen nochmals verschärft. Nach der Sars-Cov-2-Arbeitsschutzverordnung gilt nun eine Zehn-Quadratmeter-Regel. Diese besagt, dass sich auf einer Ladenfläche von zehn Quadratmetern maximal eine Person aufhalten darf. Gerade kleine Salons stellt diese Auflage vor eine Herausforderung. Konkret bedeutet das nämlich, dass sich beispielsweise in einem Salon mit 24 Quadratmetern Ladenfläche nur ein Friseur mit einem Kunden aufhalten darf. Und das, obwohl es eigentlich drei Friseurstühle gibt.

Auch im Salon Miller musste aufgrund der neuen Regel umstrukturiert werden. „Wir haben nun weitere Plätze gesperrt“, sagt Miller. Begleitpersonen sind im Laden nicht erlaubt. „Jede Begleitperson bedeutet, dass wir einen Kunden weniger bedienen können.“ Der Lindenberger Salon hat nun – anstatt an fünf Tagen – sechs Tage die Woche geöffnet. „Zusätzlich haben wir einen Schichtbetrieb eingeführt“, sagt der Inhaber.

„Schnipp’n Drive“ heißt das mobile Haarstudio, mit dem Verena Eugler im Westallgäu unterwegs ist. Sie kommt zu ihren Kunden nach Hause und schneidet ihnen dort die Haare. Auch Euglers Terminkalender ist zur Zeit eng getaktet und bis April ausgebucht. „Ich arbeite täglich 12 bis 14 Stunden“, sagt Eugler. Statt einer Vier-Tage-Woche ist sie nun an sechs Tagen in der Woche im Einsatz. „Die Arbeit und meine Kunden haben mir unheimlich gefehlt“, sagt die Friseurin. „Ich freue mich riesig, dass es nun weitergeht.“

Die Sehnsucht nach dem Friseur war groß

Eugler kommt zu vielen Stammkunden nach Hause. „Ich darf nun die eine oder andere Corona-Frisur ausbessern, die von der Mutter oder Schwester geschnitten wurde“, erzählt sie und lacht. Dass Eugler mobil arbeitet, spielt ihr im Bezug auf die Corona-Auflagen in die Karten. „Ich habe nicht wie andere Salons mit der Quadratmeter-Regel zu kämpfen“, sagt sie. Vor ihrem Besuch informiert Eugler ihre Kunden über die Hygieneauflagen. „Eine FFP2-Maske ist Pflicht. Zudem waschen meine Kunden ihre Haare davor selbst.“ Das Zimmer, in dem Eugler die Haare schneidet, wird vor ihrem Besuch durchgelüftet. „Bei guten Wetter schneide ich auf der Terrasse“, sagt sie. Eugler infiziert nach jedem Termin ihr Werkzeug, bevor sie sich auf den Weg zu ihrem nächsten Kunden macht.

Verena Eugler betreibt im Westallgäu einen mobilen Friseursalon.
Verena Eugler betreibt im Westallgäu einen mobilen Friseursalon.
Bild: Matthias Becker

Apropos Kunden: Die Erleichterung ist groß, dass die Friseurin wieder kommen darf. „Während des Lockdowns habe ich das eine oder andere Video geschickt bekommen, dass es langsam wieder höchste Zeit wird“, erzählt Eugler.

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