Fußball im Westallgäu

Zugänge, Saisonziele, Favoriten: Vorschau auf die neue Saison in der Kreisliga B

Stets heiß umkämpft sind in der Kreisliga B die Derbys zwischen dem TSV Opfenbach (links Christian Rief) und dem TSV Stiefenhofen (rechts Michael Ziegler).

Stets heiß umkämpft sind in der Kreisliga B die Derbys zwischen dem TSV Opfenbach (links Christian Rief) und dem TSV Stiefenhofen (rechts Michael Ziegler).

Bild: Florian Wolf

Stets heiß umkämpft sind in der Kreisliga B die Derbys zwischen dem TSV Opfenbach (links Christian Rief) und dem TSV Stiefenhofen (rechts Michael Ziegler).

Bild: Florian Wolf

Während der TSV Wohmbrechts den Neuaufbau plant, will der TSV Opfenbach in der Tabelle oben angreifen. Stiefenhofen setzt auf die eigene Jugend.

27.08.2020 | Stand: 12:30 Uhr

Neuer Name, neue Teams: Die bisherige Kreisliga B VI läuft in dieser Saison als Kreisliga B V – und sie hat Zuwachs durch drei Teams aus der Bodensee-Staffel bekommen. Darunter auch der TSV Hergensweiler/Niederstaufen. In der auf 14 Mannschaften angewachsenen Liga sind somit vier Teams aus dem Westallgäu vertreten. Wir haben uns vor dem Saisonstart am Wochenende (29./30. August) bei den Trainern umgehört – und sie nicht nur nach ihren Zielen gefragt.

TSV Wohmbrechts

Nachdem er die letzten Jahre fast nur gegen den Abstieg gespielt und sich einige Abgänge angedeutet hatten, hat sich der TSV Wohmbrechts freiwillig in die Kreisliga B zurückgezogen. „Das Abstimmungsergebnis innerhalb der Mannschaft war eindeutig. In der Kreisliga A war es einfach immer eine ganz schwere Hausnummer“, sagt Trainer Matthias Frommknecht. In der neuen Liga sollen seine Jungs ohne Druck aufspielen, Fehler machen dürfen und wieder Erfolgserlebnisse sammeln. „Wir streben nicht Platz X an, sondern wollen uns als Mannschaft finden“, sagt der 37-Jährige.

Neben erfahrenen Eckpfeilern wie Benjamin Herpich und Michael Putze sowie Marcel Rist und Jan Rieger, die aus beruflichen Gründen aber nur sporadisch zur Verfügung stehen, sollen sich die Akteure nun ins Rampenlicht spielen, die bislang in der zweiten Reihe standen. „Wir haben jetzt ein ganz anderes Mannschaftsgefüge. Die Jungs haben Bock, motivieren sich gegenseitig und präsentieren sich gut. Wir werden definitiv ein gutes Jahr spielen“, ist sich Frommknecht sicher.

Damit das gelingt, müssen allerdings zwei große Baustellen beseitigt werden: „Wir haben die letzten Jahre immer relativ viele Gegentore kassiert – und einen ausgesprochenen Torjäger haben wir nicht.“ Und die wenigen Spieler, die zuletzt zumindest halbwegs regelmäßig getroffen haben wie Michael Geser, Andreas Lau (beide zum SV Achberg) oder Daniel Deinhart (schon im Winter zum SV Neuravensburg), haben den Verein verlassen.

Nun muss es also das Kollektiv richten. Gerade die Defensivarbeit ist sowieso Aufgabe der ganzen Mannschaft. „Unsere große Stärke ist heuer sicherlich der ausgeglichene Kader. Wir haben 22 Spieler auf dem gleichen Niveau.“

TSV Opfenbach

„Ich will einen Schritt weitergehen“, sagt Ionut Domba. Nach Platz 5 und zuletzt Platz 4 peilt er mit dem TSV Opfenbach die Top 3 an. Auch wenn er die Stärke der Liga durch die neuen Teams vom See schlecht einschätzen kann. „Es wird auf jeden Fall spannend. Ich freue mich, dass wir mehr Spiele haben und auch mehr Derbys. Hergensweiler, Wohmbrechts – da sind die Spieler scharf drauf“, sagt der 33-Jährige.

Die Vorbereitung lief aus Sicht des Trainers gut. „Als wir wieder voll trainieren durften, hatten wir 25 bis 30 Spieler im Training“, sagt Domba. Sein Augenmerk hat er darauf gelegt, das bewährte Spielkonzept zu verfeinern: „Wir spielen ein 4-4-2 mit leichten Abwandlungen, wollen weiter offensiv spielen und aus wenigen Chancen Tore machen“, kündigt er an. Allen voran Torgarant Sylvester Ebole, der mit seiner Schnelligkeit eine echte Trumpfkarte ist.

Und dann wären da noch die „jungen Wilden“ im Kader wie Simon Eger, Tobias Spiegel oder Florian Losert. „Die Spieler, die heuer und letztes Jahr aus der A-Jugend gekommen sind, machen brutale Fortschritte. Das ist eine schöne Überraschung – denn sie sind unsere Zukunft. Die Jungs wollen was erreichen und wir wollen auch auf die Jugend setzen“, sagt Domba.

Nach einem kurzen Intermezzo zum SV Weingarten in die Landesliga ist Torhüter Marian Stroe wieder zurückgekommen. Allerdings hat er sich in einem Testspiel verletzt und musste operiert werden. Er fällt längere Zeit aus – ebenso wie Lucian Prodan, der sich einem Eingriff im Knie unterziehen musste.

Manuel Selbenbacher bleibt Kapitän, Stefan Brey ist sein Stellvertreter. Christian Breyer und Helmut Jenetzke betreuen die Zweite Mannschaft. Zudem verbessert der Verein weiter die Infrastruktur rund um seine Spielstätte: „Am Sportplatz werden neue Sitzschalen den Komfort und die Optik brutal aufwerten“, kündigt Abteilungsleiter Florian Merker an.

TSV Stiefenhofen

Rundum zufrieden mit dem Verlauf der sechswöchigen Vorbereitung ist Trainer Hubert Schädler vom TSV Stiefenhofen. „Für unsere Verhältnisse war das ganz ordentlich. Die Jungs sind alle gut beieinander. So langsam setzt sich auch der Fußball durch, den ich will und für den mich der Vorstand geholt hat. Ich hoffe, dass das in den Köpfen bleibt und sie nicht wieder in alte Muster zurückfallen“, sagt der 64-Jährige, der seit zwei Jahren im Amt ist und unter anderem den 1. FC Sonthofen schon höherklassig gecoacht hat. Das heißt: Seine Spieler sollen das Spiel aus der Abwehr heraus aufbauen, verlagern, miteinander kombinieren – und nicht nur die Bälle lang herausschlagen in der Hoffnung, dass der es der pfeilschnelle Andreas Hehle vorne schon richten wird.

Der Kader ist im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert. Abgänge gibt es beim TSV Stiefenhofen keine. Dafür aber frisches Blut. Aus der eigenen A-Jugend sind Moritz Pfrengle, Sebastian Dorner, Paul Haas und Raphael Eyerbach rausgekommen. „Sie machen ihre Sache richtig gut“, lobt Schädler.

Dass der Vizemeister von 2019 hat Corona-Saison nur als Sechster beendet hat, lag laut Schädler auch an permanenten Verletzungssorgen. „Es haben immer zwischen vier und sieben Spieler gefehlt. Wir haben keine zwei Spiele am Stück mit der gleichen Mannschaft gemacht. Das kannst du als kleiner Verein nicht auffangen“, sagt er. Insofern hofft er, dass er heuer davon verschont bleibt, wenngleich es mit Abwehrspieler Michael Ziegler schon den ersten Langzeitausfall gibt.

Zumindest einen kleinen Schritt nach oben in der Tabelle sollen das Team um Top-Torjäger Bernhard Prinz (neun Tore in zwölf Spielen) machen: „Wenn wir Vierter oder Fünfter werden, wäre das schön. Alles was besser ist, wäre für die Jungs eine tolle Belohnung.“

TSV Hergensweiler/Niederstaufen

Nach etlichen Jahren am Bodensee ist der TSV Hergensweiler/Niederstaufen fußballerisch wieder zurück im Westallgäu. Trainer Dirk Hölzke sieht die Umgruppierung positiv: „Für uns ist die Liga etwas komplett Neues. Aber das hat seinen Reiz. Denn wir sind auch neu für die anderen“, sagt der 53-Jährige. Die Spielgemeinschaft möchte zwar natürlich in der Tabelle eine gute Rolle spielen, doch für den Coach steht was anderes im Vordergrund: „Ich hoffe auf einen Lerneffekt. Im Allgäu wird körperlich robuster gespielt als am See. Das tut gerade unseren Jungen gut. Damit sie sehen, dass es im Fußball nicht nur darum geht, hundertmal den Ball zu jonglieren“, sagt Hölzke.

Neun Zugänge muss er in den Kader einbauen – allesamt im Schnitt nicht älter als 19 oder 20. „Wir haben eine sehr, sehr junge Mannschaft“, weiß Hölzke. Selbst Kapitän Marco Distl spielt erst im dritten Jahr bei den Aktiven. Der siebenfache Torschütze der Vorsaison soll das Team anführen. „Er übernimmt viel Verantwortung und hat das Potenzial, um höher zu spielen“, sagt Hölzke über den Angreifer, der beim FC Wangen in der Jugend gespielt hat.

Die Spielgemeinschaft aus dem Leiblachtal, die zuletzt Achter in der nun aufgelösten Kreisliga B IV war, möchte die neue Liga mit offensivem Fußball bereichern, der Spaß vermitteln soll. Das passt für den Trainer auch zu dieser jungen Mannschaft: „Sie sind willig, ehrgeizig und bissig.“ Nur abzuwarten und auf den Gegner zu reagieren, das widerspreche seiner Vorstellung vom Fußball.

Die Mannschaft wird ihre Heimspiele wieder abwechselnd in Hergensweiler und Niederstaufen (dort gibt es auch Flutlicht) austragen.