Tödlicher Schlag am Königsplatz in Augsburg

17-Jähriger muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis - Verteidigung berät über Rechtsmittel

Vor dem Justizgebäude in Augsburg stehen Polizisten und Prozessbeobachter. Hier soll das Urteil gegen drei Jungendliche fallen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Passanten so schwer verletzt zu haben, dass er starb.

Vor dem Justizgebäude in Augsburg stehen Polizisten und Prozessbeobachter. Hier soll das Urteil gegen drei Jungendliche fallen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Passanten so schwer verletzt zu haben, dass er starb.

Bild: picture alliance/Stefan Puchner/dpa

Vor dem Justizgebäude in Augsburg stehen Polizisten und Prozessbeobachter. Hier soll das Urteil gegen drei Jungendliche fallen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Passanten so schwer verletzt zu haben, dass er starb.

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Nach dem tödlichen Schlag am Augsburger Königsplatz ist das Urteil gefallen. Dier Richter blieben dabei unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.
Vor dem Justizgebäude in Augsburg stehen Polizisten und Prozessbeobachter. Hier soll das Urteil gegen drei Jungendliche fallen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Passanten so schwer verletzt zu haben, dass er starb.
dpa
06.11.2020 | Stand: 13:11 Uhr

Update 12.45 Uhr: Verteidigung berät über Rechtsmittel

Im Fall der tödlichen Attacke gegen einen Familienvater auf dem Augsburger Königsplatz will sich die Verteidigung mit dem 17 Jahre alten Verurteilten über Rechtsmittel beraten. Die am Freitag verhängte Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft gegen den Jugendlichen, der am Nikolausabend 2019 nach Sicht des Gerichts einen 49-Jährigen mit einem Faustschlag attackiert hatte, sei nicht überraschend, sagte einer seiner Verteidiger. Der Mann hatte infolge des Schlages eine tödliche Hirnblutung erlitten.

Man müsse die Auffassung der Jugendkammer akzeptieren und prüfe zunächst das schriftliche Urteil - dann erst entscheide man, ob man Revision einlegen wolle. "Im Ergebnis entscheide das aber nicht ich, sondern mein Mandant mit seiner Familie", betonte der Verteidiger.

Die Verteidigung hatte auf Nothilfe und eine Bewährungsstrafe plädiert.

Nach dem tödlichen Schlag gegen einen Familienvater in Augsburg ist der 17-jährige Täter zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Augsburg sah es am Freitag als erwiesen an, dass er am Nikolaustag 2019 den Mann am Königsplatz mit einem Faustschlag ins Gesicht tödlich verletzt hatte.

Die Jugendkammer sprach den Jugendlichen der Körperverletzung mit Todesfolge und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Die Richter blieben damit allerdings unter dem Strafmaß, das Staatsanwaltschaft und Nebenkläger am Vortag gefordert hatten: Sechs Jahre Haft. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis.

Die Tat in der Vorweihnachtszeit hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Da der Getötete bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg gearbeitet hatte, gedachten auch Mitglieder zahlreicher anderer Feuerwehren bundesweit dem Opfer. Zum Zeitpunkt der Tat war der Mann privat unterwegs.

Nach der Gewalttat verprügelte 17-Jähriger Freund des Feuerwehrmannes

Der 49-Jährige war am Tatabend mit seiner Frau und einem befreundeten Paar von einem Weihnachtsmarkt- und Restaurantbesuch zum Königsplatz gegangen. Dort war er in einen Streit mit einer Gruppe Jugendlicher geraten, zu der der 17-jährige Hauptangeklagte gehörte. Der junge Mann schlug aus Sicht der Jugendkammer zu, der Feuerwehrmann erlitt in Folge des Schlages eine Hirnblutung und starb kurz darauf. Nach der Gewalttat verprügelte der 17-Jährige dann noch zusammen mit zwei Freunden den 50 Jahre alten zweiten Mann und verletzte ihn schwer. Dafür verurteilte ihn das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung. (Lesen Sie auch: Ehefrau des getöteten Königsplatz-Opfers sagt unter Tränen aus)

Die Verteidiger des Jugendlichen hatten auf Nothilfe und eine Bewährungsstrafe plädiert. Denn ihr Mandant habe einen Freund schützen wollen, den der Familienvater zuvor gestoßen habe. "Für mich ist das eine Attacke", betonte einer der Verteidiger am Vortag. Rechtlich sei der Faustschlag also Nothilfe gewesen. Die Bewährungsstrafe ergebe sich aus der gefährlichen Körperverletzung gegen den 50-jährigen Freund des Mannes, sagten die Anwälte am Donnerstag weiter.

Überwachungskameras am Königsplatz hatten die Gewalttaten aufgezeichnet. Den Faustschlag hatte der Hauptangeklagte schon zu Prozessbeginn eingeräumt.