Prozess wegen versuchten Mordes

22-jähriger erfasst gehörlose Frau bei Autorennen in Würzburg: Gerichtsverfahren beginnt heute

In Würzburg startet nun der Prozess gegen einen Mann, der eine gehörlose Fußgängerin bei einem illegalen Autorennen erfasst haben soll.

In Würzburg startet nun der Prozess gegen einen Mann, der eine gehörlose Fußgängerin bei einem illegalen Autorennen erfasst haben soll.

Bild: Alexander Kaya

In Würzburg startet nun der Prozess gegen einen Mann, der eine gehörlose Fußgängerin bei einem illegalen Autorennen erfasst haben soll.

Bild: Alexander Kaya

Ein Mann soll sich ein Auto mit viel PS gemietet haben und durch Würzburg gerast sein. Dabei erfasste er eine Gehörlose, die bei Grün eine Ampel überquerte.
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dpa
10.09.2021 | Stand: 06:32 Uhr

Nach einem mutmaßlichen illegalen Autorennen in Würzburg muss sich von Freitag an ein 22-Jähriger wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht der Mainstadt verantworten. Der Angeklagte hat nach Auffassung der Staatsanwaltschaft mit seiner rücksichtslosen Fahrweise den Tod einer gehörlosen Fußgängerin in Kauf genommen.

Der Mann soll sich am 1. Dezember 2019 in Würzburg mit einem Kontrahenten ein verbotenes Autorennen geliefert haben. Dabei habe er die heute 44-Jährige erfasst, die mit ihrem Hund bei Grün die Straße überquerte. Die Frau und das Tier erlitten leichte Verletzungen.

An dem Autorennen in Würzburg soll ein zweiter Raser teilgenommen haben

Dem Deutschen wird vorgeworfen, über eine rote Ampel gefahren zu sein. Sein PS-starkes Auto soll er zuvor gemietet haben. An dem Autorennen soll ein zweiter Raser beteiligt gewesen sein, der bisher nicht ausfindig gemacht werden konnte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Heranwachsenden neben versuchtem Mord auch gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit verbotenem Kraftfahrzeugrennen und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung vor.

Der Prozess sollte eigentlich schon im Januar beginnen, war aber coronabedingt verschoben worden.

Illegale Autorennen gelten in Deutschland als Straftat

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Seit Oktober 2017 gelten illegale Auto- und Motorradrennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Der neue Paragraf 315d im Strafgesetzbuch sieht zudem bis zu zehn Jahre Gefängnis vor, wenn der Tod eines anderen Menschen durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" verursacht wird. Außerdem werden die Fahrzeuge an Ort und Stelle eingezogen. Den Führerschein muss ein Raser in vielen Fällen neu machen.

Eine abschreckende Wirkung hat das aber selten. Denn allen angedrohten Strafen und Gerichtsurteilen zum Trotz geben Fahrer weiter Gas: Eine bundesweite Statistik zu illegalen Straßenrennen gibt es zwar nicht. Aber aus veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass es auch in Bayern viele verbotene Kraftfahrzeugrennen gibt.

Sieben Menschen starben in Bayern bei illegalen Autorennen

2018 und 2019 registrierte die Polizei im Freistaat insgesamt rund 480 Fälle. 2020 waren es nach Angaben des Innenministeriums etwa 560 - sieben Menschen starben dabei, 77 wurden verletzt.

In diesem Jahr wurden bis Ende Juni rund 260 verbotene Motorrad- und Autorennen erfasst. Die Teilnehmer sind fast ausschließlich männlich und in den meisten Fällen zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Bundesweit hat sich die Justiz bereits mehrfach mit der Frage auseinandergesetzt, ob Raser in ihren meist aufgemotzten und hochmotorisierten Fahrzeugen als potenzielle Mörder unterwegs sind und den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Wegweisend war eine Entscheidung des Berliner Landgerichts vom Februar 2017, als zwei Fahrer als Mörder verurteilt wurden. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland.