Allgäuer Bambus-Importeur

Bambus im Stall statt Kühe

Die Firma Greenliving von Julia (li.) und Winfried Eichenlaub sowie Mutter und Mitarbeiterin Marianne Trübenbacher importiert Moso-Bambus aus China.

Die Firma Greenliving von Julia (li.) und Winfried Eichenlaub sowie Mutter und Mitarbeiterin Marianne Trübenbacher importiert Moso-Bambus aus China.

Bild: Markus Frobenius

Die Firma Greenliving von Julia (li.) und Winfried Eichenlaub sowie Mutter und Mitarbeiterin Marianne Trübenbacher importiert Moso-Bambus aus China.

Bild: Markus Frobenius

Trends kommen und gehen. Dieser hier ist gerade im Anlaufen und scheint richtig durchzustarten: Die Firma Greenliving Bambus aus Weicht, einem Ortsteil von Jengen im Ostallgäu, ist einer der wenigen Bambus-Importeure in Deutschland. Warum die Inhaber manchmal schiefe Blicke bekommen und weshalb sie von sich sagen, dass sie keinem Pandabären das Essen wegnehmen, erfährst Du hir.
13.06.2017 | Stand: 14:07 Uhr

Seit zwölf Jahren arbeitet Winfried Eichenlaub als Bambus-Importeur. Doch heuer war er das erste Mal in China - dem Exportland. Dort traf er auf Rocky Lu, der für ihn in Shanghai Bambus verarbeitet und nach Deutschland schickt.

Möglich wurde das durch einen Fernsehbeitrag, bei dem der Sender einem neuen Trend nachgeht: Bambus als Rohstoff für Mobiliar und Terrassen. Da ist Eichenlaub ein Vorreiter, denn mit seiner Firma Greenliving Bambus in Weicht bietet er genau das an - als eines von einer Handvoll Unternehmen in Deutschland.

Bambus sei derzeit im Kommen: „Das Geschäft läuft sehr gut“, meint Eichenlaub. Parkettböden verkaufe er an erster Stelle. „Denn Bambus ist 96 Prozent härter als Eiche“, erklärt er. Die eigene Wohnung sei Beweis genug für die Härte und Strapazierfähigkeit: Weder Hunde und Katzen noch Stöckelschuhe zerkratzen das Parkett. Aber auch als Arbeitsplatten, die bei Schreinern sehr begehrt seien, als Treppenstufen und als Terrassen, die jetzt für den Sommer gefragt seien, werde der Bambus verkauft, erläutert Julia Eichenlaub, die das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann leitet.

Von Kanada ins Ostallgäu

Das Bambusgeschäft läuft für die Firma Greenliving Bambus sehr gut. Denn er ist jetzt Rohstoff für Mobiliar und Terrassen.
Das Bambusgeschäft läuft für die Firma Greenliving Bambus sehr gut. Denn er ist jetzt Rohstoff für Mobiliar und Terrassen.
Bild: Jens Schierenbeck/dpa

Der 43-jährige Botaniker gründete die Firma 2005 in Kanada. Über dessen Cousine aus Jengen bekam Julia Eichenlaub Kontakt zu ihm und war dort zum Work-and-Travel. Dabei lernten sich die beiden näher kennen: 2012 gingen sie nach Weicht zurück und heirateten - der Sitz von Greenliving wurde ebenfalls in den Jengener Ortsteil verlegt.

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Mithilfe von Freunden und Verwandten bauten sie für das Geschäft den früheren Weberhof in Weicht um: „Jetzt haben wir statt Kühe Bambus. Im Stall ist das Lager und der Melkstand ist nun ein Showroom“, erzählt Julia Eichenlaub. Das Unternehmen importiert aus dem chinesischen Shanghai Produkte aus Bambus. Dafür gebe es derzeit lediglich fünf Firmen in ganz Deutschland - in Bayern seien sie die einzigen.

Geeignet für Parkettböden oder Terrassen

„Wir mussten uns erst in die Materie einarbeiten, denn wir waren ja nicht aus der Branche und Winfried kennt nur die Umstände in Kanada“, erinnert sich Marianne Trübenbacher, Mutter von Julia und Mitarbeiterin in der Firma. Die Produkte werden mit Schiffscontainern angeliefert. Ein Behälter schafft rund 1.400 Quadratmeter Bambusplatten, wobei ein Quadratmeter 15 Kilo wiege. „Der Anfang war spannend. Da hatten wir noch keinen Gabelstapler. Aber mittlerweile werden wir von Container zu Container gelassener und professioneller“, erzählt Trübenbacher.

Alle Produkte, die Greenliving verkaufe, seien ausschließlich aus Moso-Bambus: „Der ist perfekt geeignet für Parkett oder Terrassen“, meint Winfried Eichenlaub. Insgesamt gebe es etwa 1.300 Arten von Bambus, aber nur Moso habe die Härte, die benötigt werde. „Denn Bambus ist eigentlich ein Gras und kein Holz. Wenn wir beim Zoll gefragt werden, was wir zu verzollen haben, sagen wir immer Gras und bekommen dann komische Blicke“, berichtet Trübenbacher.

Diese Bambusart sei nicht nur hervorragend für Arbeitsflächen geeignet, sondern auch noch umweltfreundlich: Moso könne bereits nach sechs Jahren geschlagen werden, wachse schnell wieder nach - und zwar ohne großen Wasser- oder Düngerbedarf, da es in den Tropen sprieße, erläutert Julia Eichenlaub.

Wenig Wasser- und Düngerbedarf

Zudem gehöre die Art auch nicht zur Ernährung des existenzbedrohten Pandabären, da sich dieser von grasartigen Bambus ernähre. „Wir nehmen Pandas also nicht das Essen weg“, meint Trübenbacher.

Moso sei ein helles Gras, dessen massiver und harter Halm eine helle Farbe habe - die dunkle Version werde durch Karamellisieren der Stärke erzeugt, erklärt Julia Eichenlaub. Nach dem Schlagen werde der Bambus in Lamellen gespalten und diese dann noch einmal geteilt. „Das ergibt schöne Muster.“ Anschließend werde das Material gepresst, mit Harz gehärtet und als Oberschicht Lack oder Öl verwendet.

Die Importeure aus Weicht hoffen nun von dem Trend zum Bambus, wie er auch in dem Filmbeitrag „Abenteuer Leben“ gezeigt wurde, noch mehr zu profitieren. Schließlich sei Bambus nicht nur ein nachhaltiger Baustoff, sondern mit etwa 45 Euro pro Quadratmeter relativ günstig, meint Julia Eichenlaub.