Ob Museumsraub, Erpressung oder Banküberfall: Auch in Bayerisch-Schwaben gibt es Verbrechen, die Ermittler und Öffentlichkeit staunen lassen. Manche werden schnell geklärt, andere Jahrzehnte später oder nie. In diesem Text zeigen wir vier bemerkenswerte Kriminalfälle, die die Region bewegt haben.
Der Goldschatz von Manching
Das Urteil im Goldschatz-Prozess fiel erst im Juli 2025 am Ingolstädter Landgericht. Zu Haftstrafen zwischen vier Jahren und neun Monaten und elf Jahren wurden drei der vier Männer verurteilt, die den Keltenschatz im November 2022 aus dem Kelten-Römer-Museum in Manching gestohlen haben sollen. Was war passiert?
Die zunächst unbekannten Täter durchtrennten am Tattag, dem 22. November 2022, zunächst mehrere Glasfaserkabel in einem Technikraum der Telekom, wodurch Telefonnetz, Internet und einige Mobilfunkbasisstationen rund um das Museum ausgefallen waren. 13.000 Nutzer und auch Notdienste waren somit vom Telekommunikationsnetz abgeschnitten. Im Anschluss brachen die Täter ins Museum ein, hebelten zwei Sicherheitsglas-Vitrinen auf und stahlen den legendären Goldschatz von Manching: 483 Goldmünzen, einen Gusskuchen und drei Bronzeringe. Experten ordnen den Schatz ins zweite oder ins frühe erste Jahrhundert vor Christus ein. Die Münzen wurden in Böhmen geprägt, was für Manching in Oberbayern ungewöhnlich war. Der Schatz gilt daher als bedeutender Beleg der damaligen Verbindungen zwischen den beiden Regionen.
Der Diebstahl wurde erst am nächsten Morgen bemerkt. Der reine Materialwert des Schatzes belief sich auf etwa 250.000 Euro, der Handelswert bei 1,6 Millionen. Am 18. Juli 2023 erfolgte schließlich nach intensiven Ermittlungen die Festnahme der vier Tatverdächtigen. Dabei wurden 18 Goldklumpen sichergestellt – vermutlich bestehen sie aus jeweils vier eingeschmolzenen Münzen. Mindestens 70 Münzen gelten daher als zerstört. Doch wo ist der Rest des Schatzes abgeblieben? Dieses Wissen behalten die Täter bis heute für sich. Was bleibt, ist ein Millionenverlust und das Rätsel um einen legendären Keltenschatz, der nie ganz zurückkehren wird.
Der nackte Priester
Nicht immer muss man in ein Museum einsteigen, um in verbrecherischer Weise an Geld zu gelangen. Auch Erpressungen sind bei Tätern ein beliebtes Mittel. Das musste auch ein katholischer Pfarrer aus dem Landkreis Aichach-Friedberg erfahren, der von einem Mann um 50.000 Euro erpresst wurde, nachdem der Erpresser Nacktbilder des Geistlichen von einer Plattform heruntergeladen hatte.
Doch wie kann es überhaupt so weit kommen? Täter und Opfer lernten sich auf der Internetplattform „Romeo“ kennen. Dort hatte der Priester Nacktbilder von sich eingestellt. Er kam in Kontakt mit einem 50-jährigen Altenpfleger, die beiden trafen sich, hatten einvernehmlich Sex. Im November 2022 schließlich setzte der Altenpfleger die Nacktbilder als Druckmittel ein. 50.000 Euro wollte der Mann, ansonsten werde er die Fotos ans Pfarramt und das Fernsehen schicken.
Doch der Pfarrer zahlte nicht und erstattete Anzeige – dennoch landeten die Fotos im Januar 2023 per E-Mail beim Pfarramt. Trotz Verurteilung des Täters im Mai dieses Jahres eine berufliche und persönliche Katastrophe für den Geistlichen. Am letzten Juni-Tag 2025 verabschiedete er sich von seiner Gemeinde und bedankte sich für den Rückhalt, den er erfahren habe. Der letzte Gottesdienst ist emotional. Ob es für den Priester Folgen wie die Exkommunikation geben wird, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass er aufgrund eines Mannes, der eine vulnerable Situation ausgenutzt hat, sein bisheriges Leben vollständig aufgeben musste.

Der explodierte Bankräuber
Eine Verfolgungsjagd mit explosivem Ausgang lieferte sich 2010 ein Bankräuber mit der Polizei, nachdem er aus einer Bank in Unterknöringen im Landkreis Günzburg einen fünfstelligen Geldbetrag erbeutet hatte. Der Täter fesselte den Bankangestellten und flüchtete anschließend auf einem Motorroller. Doch der Bankangestellte konnte sich befreien und die Polizei alarmieren.

Eine halbe Stunde nach der Tat wollte eine Polizeistreife im Rahmen der Fahndung einen grünen Kleinbus nahe Gessertshausen kontrollieren. Aufgefallen war dieser, weil das Kennzeichen veraltet war. Der Fahrer öffnete daraufhin eine Gasflasche und zündete das Gasgemisch an, vermutlich in suizidaler Absicht. Im Wrack des Busses fanden die Polizisten den Motorroller, den der Bankräuber zuvor zur Flucht benutzt hatte. Fünf Polizisten wurden durch die Explosion leicht verletzt, der Täter selbst lag längere Zeit im Koma.
Der Täter war, wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte, ein 49-jähriger Obdachloser aus Augsburg. Die Tatwaffe – ein täuschend echt aussehendes Spielzeug. Der Bus war wohl seit 2008 das Zuhause des Mannes, dem im Anschluss mehrere Überfälle nachgewiesen werden konnten. Nachdem er aus dem Koma erwacht war, ging es für ihn in ein Gefängnis in Oberbayern.
Schutzgeld in Landsberg
Dass organisierte Kriminalität auch in Schwaben und Oberbayern vorkommt, wird vielen erst durch einzelne spektakuläre Fälle bewusst. Einer davon ereignete sich bereits vor 35 Jahren in Landsberg am Lech – doch erst 2023 wurde ein Beteiligter rechtskräftig verurteilt.
Der Vorwurf: Gemeinsam mit anderen Männern hatte der italienische Staatsbürger 1989 und 1990 Schutzgeld von einem Gastronomen aus Landsberg erpresst. 1000 D-Mark sollte das Opfer monatlich bezahlen. Ansonsten, so die Drohung, würden Köpfe rollen und man werde ihm das abgeschnittene Ohr seines Kindes per Paket zuschicken. Der Gastwirt zahlte schließlich einmalig 4000 D-Mark. Ein Verbrechen, das eigentlich nach 20 Jahren verjährt. Doch bereits 2006 wurde Haftbefehl gegen den Angeklagten erlassen – damit war die Verjährung aufgehoben. Allerdings wohnte der Mann zu dem Zeitpunkt bereits wieder in Italien und konnte deswegen nicht festgenommen werden.
Im September 2023 schlugen die Ermittler dann schließlich doch noch zu. Der Erpresser war nach Deutschland zurückgekehrt, zuvor hatte er in Italien jahrelang im Gefängnis gesessen. Sein Verbrechen aus der Wendezeit bringt ihm keine weitere Gefängnisstrafe ein: Ein Jahr auf Bewährung gab der Augsburger Richter dem damals 60-Jährigen.
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