Bayerns Bauern fordern weitere Nachbesserung der Düngeverordnung

Ein Landwirt düngt eine Wiese. Mit Blick auf die neue Düngeverordnung und den Grundwasserschutz will Hessen neu festgelegen, welche Äcker und Felder als besonders mit Nitrat belastet gelten.

Ein Landwirt düngt eine Wiese. Mit Blick auf die neue Düngeverordnung und den Grundwasserschutz will Hessen neu festgelegen, welche Äcker und Felder als besonders mit Nitrat belastet gelten.

Bild: Sebastian Gollnow

Ein Landwirt düngt eine Wiese. Mit Blick auf die neue Düngeverordnung und den Grundwasserschutz will Hessen neu festgelegen, welche Äcker und Felder als besonders mit Nitrat belastet gelten.

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Die verschärften Dünge-Regeln hatten die Bauern dieses Jahr auf die Barrikaden gebracht. Das Kabinett will nun die neue Verordnung beschließen.
dpa
21.12.2020 | Stand: 07:22 Uhr

Bayerns Bauern verlangen vor der Beratung des Kabinetts über die Umsetzung der neuen Düngeverordnung am Dienstag erneut Nachbesserungen. Es gebe weiter nicht genug Messstellen für die Nitratwerte, sagte Bauernpräsident Walter Heidl. Die Staatsregierung dürfe "die Landwirte nicht im Regen stehen lassen" und müsse deshalb weiter an Verbesserungen arbeiten.

Umstritten ist die Ausweisung sogenannter roter Gebiete auf Grundlage der Messdaten. Dort dürfen die Bauern wegen der hohen Nitratbelastung im Wasser weniger düngen. Die Folge sind geringere Ernten.

Beispielsweise könnten 22 der 74 Grundwasserreservoire in Bayern derzeit wegen fehlender Messstellendichte noch nicht im Detail bewertet werden, sagte Heidl. Das bedeute, dass die besonders strengen Dünge-Regeln dort flächendeckend gelten - und nicht nur an den Stellen, wo tatsächlich zu hohe Werte gemessen werden.

Die Zahl der Messstellen, nach deren Ergebnisse die Gebiete klassifiziert werden, müsse von 600 auf mindestens das Doppelte angehoben werden, sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. "Bayern ist nicht alleine. Es gibt noch andere Länder, in denen die Vorgaben für die Messstellen nur teilweise umgesetzt wurden."

Durch eine differenziertere Abgrenzung werden die roten Gebiete in Bayern schon jetzt von 25 auf 12 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche reduziert. Den Grünen im Landtag zufolge geht es sogar um eine Verringerung von 38 auf knapp 13 Prozent der Landesfläche.

Düngeverordnung soll die Belastung mit Nitrat reduzieren

Die grüne Vorsitzende des Umweltausschusses Rosi Steinberger sieht damit den Schutz des Grundwassers erheblich erschwert. "Die roten Gebiete wurden zwar auf dem Papier geschrumpft, die Landesfläche mit gefährdeten Grundwasservorkommen bleibt aber unverändert groß. Ohne strengere Düngevorgaben wird es nicht gelingen, die Nitratbelastung unseres Grundwassers zu senken", warnte Steinberger. "Statt der Verursacher müssen dies am Ende unsere kommunalen Wasserversorger und deren Kunden ausbaden, weil die Aufbereitungskosten weiter steigen."

Heidl betonte hingegen: "Wir Bauern stehen dazu, dass dort, wo es Probleme gibt, das Wasser geschützt werden muss. Aber die Defizite beim Messstellennetz müssen behoben werden." In roten Gebieten darf 80 Prozent des Düngers ausgebracht werden, den die Pflanzen laut Bauern bräuchten. Im Herbst dürfen Äcker dort praktisch nicht gedüngt werden, die Sperrzeiten für die Düngung auf Wiesen wurden ausgedehnt.

Durch die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie und die Düngeverordnung soll die Belastung mit Nitrat reduziert werden, zu dem Stickstoff im Boden umgebaut wird. Vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung sind die Grundwasserwerte teils bedenklich. Nitrat im Wasser gilt vor allem bei Säuglingen als gefährlich, weil es den Sauerstofftransport im Blut behindert. Nicht geklärt ist, ob es Krebs befördert.

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