Wasserpolizei im Allgäu

Besoffen auf dem SUP, Führerschein weg?

Wir schwören: Unser Tobias hatte 0,0-Promille, als er sich auf dem SUP-Board in die Iller stürzte. Die koordinativen Schwierigkeiten entstanden, weil "Bergwasser"-Guide" Basti (hinten) mit aufs Board hüpfte...

Wir schwören: Unser Tobias hatte 0,0-Promille, als er sich auf dem SUP-Board in die Iller stürzte. Die koordinativen Schwierigkeiten entstanden, weil "Bergwasser"-Guide" Basti (hinten) mit aufs Board hüpfte...

Bild: Chris Lemke

Wir schwören: Unser Tobias hatte 0,0-Promille, als er sich auf dem SUP-Board in die Iller stürzte. Die koordinativen Schwierigkeiten entstanden, weil "Bergwasser"-Guide" Basti (hinten) mit aufs Board hüpfte...

Bild: Chris Lemke

Zugegeben: das ist etwas überspitzt in der Überschrift. Rein theoretisch könnte es aber passieren, dass betrunkenen Stand-up-Paddlern im Allgäu auch der Kfz-Führerschein entzogen wird. Denn Paddelbretter gelten als Wasserfahrzeug - und wer damit alkoholisiert angetroffen wird, dem droht Ärger. Auf fast allen bayerischen Gewässern gilt wie im Straßenverkehr auch die 0,5-Promille-Grenze. Unse Autor hat bei der Polizei nachgefragt, wer, wo und wie stark kontrolliert wird im Allgäu.
14.04.2020 | Stand: 14:41 Uhr

Einen Stand-up-Paddler angehalten und ins Röhrchen pusten lassen hat die Polizei noch nicht. Aber sie könnte. Auch auf Allgäuer Gewässern wie dem Großen Alpsee gibt es Streifenfahrten per Motorboot. Und die 0,5-Promille-Grenze gilt auf fast allen bayerischen Gewässern. Einzige Ausnahme: Der Bodensee hat als internationales Gewässer eigene Regeln. Dort sind auf Sport- und Freizeitbooten sogar 0,8 Promille erlaubt. Bei Ausfallerscheinungen gilt auf allen Wasserstraßen die 0,3-Promille-Marke.

Dass Alkohol auf dem Wasser Ärger bringen kann wie im Straßenverkehr, wissen Segler und Motorbootfahrer, wenn sie für den Wassersport eine Ausbildung gemacht haben. Der Knackpunkt: Alkoholverstöße auf dem Wasser können auch den Führerschein fürs Auto gefährden. Dass das gleichermaßen für Paddler, Ruderer und Tretbootfahrer gilt, ist weniger verbreitet. Und selbst ein „SUP“, wie die immer häufiger zu sehenden Paddelbretter heißen, gelte als Wasserfahrzeug, sagt Polizeiobermeister Michael Kauer von den „Operativen Ergänzungsdiensten“ in Kempten.

Betrunken auf einem Brett zu balancieren, das dürfte den Wenigsten gelingen. Tretboote sind nicht so kippelig. Doch da haben Verleiher ein Auge auf ihre Kundschaft. Wollen wirklich einmal ein paar Burschen mit einem Kasten Bier im Gepäck ein Boot mieten, bleiben sie an Land, sagt Kai Rebbert von der Wassersportschule Oberallgäu am Großen Alpsee. Ebenso ein Urlauber-Angler mit Tageskarte, sollte er womöglich mit „mehr Bier als Ködern“ aufs Wasser wollen.

Sporadische Kontrollen: Polizei will kein Spielverderber sein

Für die Polizei ist Alkohol auf Badeseen kein großes Kontrollthema, solange Probleme ausbleiben. Man wolle kein Spielverderber sein, wenn alles im Rahmen läuft und niemand über die Stränge schlägt, heißt es. Ein Blick auf den bayerischen Teil des Bodensees. Dort wurden laut Statistik im Vorjahr 727 Sportboote und zwei Schiffe kontrolliert. Es gab dabei zwar 172 Verstöße (wie mangelhafte Schwimmwesten und das Befahren von Uferzonen), aber es wurde kein Schiffsführer wegen eines Alkoholverstoßes angezeigt.

Garantiert stocknüchtern: Sieh hier das allgaeu.life-Team im SUP-Einsatz auf der Iller:

Die Männer der Wasserschutzstreife kontrollieren auf dem Großen Alpsee.
Die Männer der Wasserschutzstreife kontrollieren auf dem Großen Alpsee.
Bild: Ulrich Weigel

Auf den Badeseen finden eh nur sporadisch Kontrollfahrten statt, wenn die umfangreiche weitere Polizeiarbeit Zeit dafür lässt. Die Bootsführer würden lieber öfter aufs Wasser – unter anderem, weil die Zahl der Sportutensilien steige.

Für Sicherheit und Umweltschutz

Was die Wasserschutzpolizei dabei so alles interessiert? Polizeihauptmeister Moritz Numberger nennt als Beispiel Fischereikontrollen, bei denen Angler ihre Erlaubnis vorzeigen müssen. So eine Störung nerve heimische Angler nicht: Die seien froh, wenn jemand prüft, ob Schwarzfischer unterwegs sind. Gründe für Streifenfahrten auf dem Wasser gibt es freilich viele mehr. Da ist der Umweltschutz, „um die Natur so zu bewahren, wie sie ist“.

Die Beamten achten auf vieles: Dazu zählen Badegäste und Boote im Schilf, Paddler in abgesperrten Bereichen (Laichplätze) und Menschen, die sich ein stilles Plätzchen zum Zelten oder für ein Feuerchen suchen, obwohl das zum Beispiel im Landschaftsschutzgebiet Großer Alpsee verboten ist. Nebenbei schaut die Polizei beispielsweise auch, ob Tretboote die nötige Kennzeichnung haben.

Tatüü, tataaa: Das Schnelleinsatzboot kommt

Die Kontrollfahrten sollen präventiv, also vorbeugend wirken. Es schade nicht, wenn die Menschen sehen, dass die Polizei auch auf dem Wasser tätig ist. Dazu gehören das Gespräch mit Seenutzern und Aufklärung, wenn jemand etwas falsch macht. Die Reaktionen seien immer freundlich, sind sich Kauer und Numberger einig. Im Ober- und Ostallgäu liegt übrigens nur am Forggensee ein Polizeiboot vor Ort. Zum Großen Alpsee, zu Rottach-, Grünten- und Niedersonthofener See müssen die Bootsführer ihr Gefährt von Kempten aus auf dem Anhänger mitbringen.

Nun steht eine Neuerung an: Das Polizeipräsidium Schwaben/Südwest hat laut Sprecher Christian Eckel zusätzlich ein Schnelleinsatzboot bestellt. Dabei handelt es sich um ein großes, stabiles Schlauchboot, das sich leicht zu Wasser lassen lässt, auch wenn es keine für Anhänger befahrbare Slipanlage gibt. Das neue Boot fährt nicht mehr mit Benzin, sondern ganz gewässerfreundlich mit einem Elektromotor.