Tiroler Überlegungen

Braucht's bald auch ein "Pickerl" für den Fernpass?

Fernpass soll mautpflichtig werden

Der Fernpass ist eine beliebte Urlauberroute im österreichischen Bundesland Tirol. Wer dort unterwegs ist, muss künftig möglicherweise eine Maut bezahlen.

Bild: Benedikt Siegert

Der Fernpass ist eine beliebte Urlauberroute im österreichischen Bundesland Tirol. Wer dort unterwegs ist, muss künftig möglicherweise eine Maut bezahlen.

Bild: Benedikt Siegert

Verkehrte Welt im Außerfern: Während auf vielen Tiroler Straßen die Vignettenpflicht abgeschafft wurde, wird genau jetzt über eine neue Maut diskutiert. Und zwar am Fernpass, also der viel befahrenen Urlauber-Route zwischen Lermoos und Nassereith. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erhofft sich davon „verkehrslenkende Vorteile“. Im Gespräch ist ein Betrag von acht bis neun Euro pro Auto und Fahrt. Was es damit auf sich hat...
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Von Benedikt Siegert, dpa
22.12.2019 | Stand: 15:26 Uhr

Eine Rolle in den Überlegungen der schwarz-grünen Landesregierung dürften auch die geplanten Tunnelprojekte am Fernpass spielen, die eine solche Maut mitfinanzieren könnte.

Ganz und gar nicht begeistert von diesen Gedankenspielen ist Wolfgang Winkler, Chef der Wirtschaftskammer in Reutte. „Das wäre ein Wahnsinn“, sagt er im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung. Denn 95 Prozent aller Lebensmittel-Lieferungen im Bezirk Reutte würden über den Fernpass transportiert – ein Maut hätte also erhebliche Preissteigerungen zur Folge. „Der Leidtragende wäre letztlich der Konsument“, sagt Winkler.

Hart treffen würde die Maut – die Rede ist von einem Betrag zwischen 37 und 46 Euro pro Lkw-Fahrt – auch heimische Betriebe. „Für einen Tischler aus Reutte könnte es bedeuten, dass er bis zu vier Mal blechen muss, ehe er seine beauftragte Küche beispielsweise im Inntal montieren kann“, befürchtet Winkler. Dies sei ein enormer Wettbewerbsnachteil für Betriebe im Außerfern. Zumal es für den Bezirk Reutte nur eine Verbindung in Richtung Innsbruck gebe, dafür aber sieben ins Allgäu.

Unterstützung für den Maut-Vorstoß der Landesregierung gibt es derweil von politischer Seite. Reuttes Bürgermeister Luis Oberer hält den Vorschlag für „überlegenswert“, sofern es der Verkehrsentlastung der Bevölkerung diene.

„Zusätzliche Staus“

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Dagegen ist Reuttes Rathaus-Chef ein Gegner des geplanten Tunnels. „Er löst unser Verkehrsproblem keineswegs, sondern bringt mehr Verkehr, weitere Blockabfertigungen und zusätzliche Staus“, sagte Oberer vor Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für einen Tischler aus Reutte könnte es bedeuten, dass er bis zu vier Mal blechen muss, ehe er seine beauftragte Küche beispielsweise im Inntal montieren kann.
Wolfgang Winkler, Chef der Wirtschaftskammer in Reutte

In der Tunnel-Frage herrscht ohnehin seit Monaten Stillstand. Ein Gesetzesentwurf ist zwar bereits ausgearbeitet, liegt derzeit aber auf Eis. Grund dafür ist ein Zwist zwischen ÖVP und dem grünen Koalitionspartner. Dieser favorisiert einen Eisenbahn-Tunnel zwischen Ehrwald und Silz im Inntal. Und hier kommt wieder die Pkw-Maut ins Spiel. Denn zur Finanzierung dieses 1,5 Milliarden teuren Mega-Projekts könnten laut einem Bericht der Tiroler Tageszeitung auch Mautbeträge vom Fernpass beitragen. Schon jetzt ist aber äußerst fragwürdig, ob dieses Vorhaben überhaupt europarechtskonform wäre.

Rund um die Fernpass-Strecke mit täglich 30.000 Fahrzeugen geht es derzeit um insgesamt drei Tunnelprojekte. Neben dem erwähnten Fernpass-Scheiteltunnel (geplante Kosten 110 Millionen Euro) und dem 17,5 Kilometer langen Schienenprojekt wird auch immer wieder über eine Röhre am Tschirgant diskutiert. Das Bergmassiv trennt das Gurgltal bei Nassereith vom Inntal. Hier soll eine direkte Anbindung der Fernpass-Strecke zur Autobahn A 12 entstehen. Die Rede ist von Kosten in Höhe von 275 Millionen Euro. Zuständig ist hier, im Unterschied zum Fernpasstunnel, die Bundesregierung. Und dort ziehen sich bekanntermaßen ja die Koalitionsverhandlungen in die Länge, nachdem die türkis-blaue Regierung über die Ibiza-Affäre gestolpert war. Autofahrer und Anwohner werden am Fernpass vorerst also weiterhin eines benötigen: Geduld. Ganz egal, ob mit oder ohne Maut.

Zehn Strecken gesperrt

Zum Ferienstart am Wochenende hat das Bundesland Tirol wieder beliebte Ausweichrouten gesperrt, um die Anwohner vom Verkehr zu entlasten. Dabei habe es keine größeren Probleme gegeben, sagte gestern ein Sprecher der Tiroler Verkehrspolizei. Nur vereinzelt hätten Autofahrer beispielsweise auf der Fernpass-Strecke versucht, gesperrte Routen zu nehmen. Insgesamt zehn Strecken sind in Tirol für den Transitverkehr gesperrt. Die Fahrverbote gelten bis Mitte April – tagsüber an Wochenenden und Feiertagen. Wer ertappt wird, muss mit bis zu 60 Euro Strafe rechnen.