Wirecard-Skandal

Ex-Wirecard-Chef Braun sitzt in der JVA Gablingen bei Augsburg

Markus Braun war der Kopf von Wirecard. Was wusste er?

Markus Braun war der Kopf von Wirecard. Was wusste er?

Bild: Lino Mirgeler, dpa (Symbolbild)

Markus Braun war der Kopf von Wirecard. Was wusste er?

Bild: Lino Mirgeler, dpa (Symbolbild)

Schon andere bekannte Häftlinge saßen dort ein. Wie Braun sich verteidigt.

Markus Braun war der Kopf von Wirecard. Was wusste er?
Von Jan Kandzora und Stefan Stahl
01.09.2020 | Stand: 20:56 Uhr

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun ist anderes gewohnt. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Online-Zahlungsabwicklers soll mehrere Immobilien in Österreich besitzen, die Millionen wert sind. Seit Juli allerdings kommt der 50-Jährige in kargen Behausungen unter. Damals kam der Manager zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in Untersuchungshaft – und seither auch nicht wie zuvor gegen Kaution wieder frei. Die Ermittler verdächtigen ihn sowie weitere Beschuldigte im Milliarden-Skandal bei Wirecard des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Seit einigen Wochen sitzt Braun in der Justizvollzugsanstalt Gablingen (Kreis Augsburg) in U-Haft, wie die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtet hatte. Er ist nicht der erste bekannte Häftling in dem Gefängnis: Vor zwei Jahren saß hier Ex-Audi-Chef Rupert Stadler ein, zuvor der ehemalige SPD-Politiker Linus Förster und der Bordellbetreiber Marcus Prinz von Anhalt. Die JVA gilt als eine der modernsten Gefängnisse Deutschlands. Erst 2015 wurde die Anstalt eröffnet. Außen- wie Innenanlagen sind farblich markiert, damit sich auch Häftlinge leicht zurechtfinden können, die kein Deutsch sprechen. Es gibt Musikgruppen und eine eigene Kfz-Werkstatt. Zwei frühere Insassen, die Monate in Gablingen verbracht haben, beschreiben die Atmosphäre dort dennoch nicht als besonders angenehm. Es ist eben ein Gefängnis, mit Zellen, die neun Quadratmeter groß und mit dem Nötigsten eingerichtet sind: Bett, Stuhl, Tisch, Schrank, Waschbecken, Toilette.

Wirecard-Skandal: Braun setzt auf eine Schar von Anwälten

Untersuchungsgefangene dürfen zwar „ihren Haftraum in angemessenem Umfang mit eigenen Sachen ausstatten, soweit ihnen diese mit Zustimmung oder auf Vermittlung der Anstalt überlassen worden sind“, wie Gefängnisleiterin Zoraida Maldonado de Landauer mitteilt. Handys oder Laptops sind nicht erlaubt. Wer in U-Haft sitzt, bekommt selten Besuch, außer von Anwälten. In den ersten drei Monaten stehen den Häftlingen mindestens zwei Stunden im Monat Besuchszeit zur Verfügung, danach mindestens eine Stunde.

 

Braun, dessen Familie in seiner Geburtsstadt Wien lebt, wird unter den Bedingungen wie jeder Inhaftierte leiden, zumal der Manager es als ehemaliger Chef eines früheren Dax-Konzerns gewohnt war, alles zu bestimmen. Mit einem Maybach ließ er sich von seiner Wohnung im Münchner Nobel-Viertel Bogenhausen in das triste Gewerbegebiet in Aschheim bei München fahren. Am Wochenende ging es zurück nach Wien zur Familie. Braun soll eine beim Kauf schon gut zehn Millionen Euro teure Immobilie im Raum Kitzbühel besitzen. Auf das Haus hat er aber wohl keinen Zugriff mehr. So können Wirecard-Gläubiger hoffen, nach einem Verkauf des Anwesens zumindest einen kleinen Teil ihrer Forderungen erfüllt zu bekommen. Dabei deutet sich die Verteidigungsstrategie von Braun an: Er will mit einer Schar von Anwälten beweisen, dass er selbst reingelegt wurde.

Wirecard: Es geht um merkwürdige Finanztransfers

Damit wäre der Mann, der Wirecard erfunden hat, kein Betrüger, sondern ein Betrogener. Insider bezweifeln das, zumal kaum einer das Unternehmen besser kannte als er. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne neue Meldungen über die insolvente Firma. Das Puzzle füllt sich. So soll die Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls früh brisante Informationen über Wirecard besessen haben. Diese seien aber bei den Behörden in Bayern versandet, behauptet zumindest der SPD-Politiker Jens Zimmermann. Demnach geht es um „merkwürdige Finanztransfers“, in die Wirecard-Manager verwickelt gewesen seien. Es gibt also auch aus politischer Sicht viel aufzuarbeiten im Skandal um den Online-Bezahlabwickler. Die Aufgabe soll nun ein Untersuchungsausschuss des Bundestages übernehmen. Für die Einrichtung eines solchen Gremiums haben sich nach FDP, AfD und der Linken auch die Grünen ausgesprochen. Damit verfügen FDP, Linke und Grüne über die nötige Stimmenzahl zur Einsetzung eines solchen Untersuchungsausschusses.