Tolle Backstage-Bilder!

Fasnacht können nicht nur Franken! So witzig sind die Oberdorfer Fasnachtsabende

Oberdorfer Fasnachtsabende Backstage

Hansjörg Kögel, Martin Barth und Wolfgang Bolz (von links) in ihrem „Altfasnachter“-Kostüm: In der „Sauna Hotel Weitblick“ lästern die Drei auf der Bühne über Marktoberdorf und die Lokalpolitik. Das kommt an bei den Zuschauern.

Bild: Benedikt Siegert

Hansjörg Kögel, Martin Barth und Wolfgang Bolz (von links) in ihrem „Altfasnachter“-Kostüm: In der „Sauna Hotel Weitblick“ lästern die Drei auf der Bühne über Marktoberdorf und die Lokalpolitik. Das kommt an bei den Zuschauern.

Bild: Benedikt Siegert

Sie sind ein echtes Highlight und in MOD nicht mehr wegzudenken: Seit 51 Jahren finden die Marktoberdorfer Fasnachtsabende statt. Seit Jahrzehnten sind dabei auch die „Altfasnachter“ am Start: Wolfgang Bolz, Hansjörg Kögel und Martin Barth haben unter anderem als grantelnde, alte "Kneischter"-Herren Kultcharakter erreicht. Unsere Reporterin Steffi Dürr und Fotograf Benedikt Siegert durften bei den Proben hinter die Kulissen blicken!
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Von Stefanie Dürr, Benedikt Siegert
26.02.2019 | Stand: 17:34 Uhr

Mindestens 100 Jahre alt ist die speckige Lederhose, die Wolfgang Bolz trägt. Der 60-Jährige steht hinter der Bühne des Marktoberdorfer Veranstaltungszentrums Modeon, sieht an sich hinunter und streicht über das geschichtsträchtige Leder. Ein Trachtenhemd, löchrige Stutzen, eine senfgelbe Weste, ein moosgrüner Trachtenhut mit Federn und uralte Wanderstiefel komplettieren sein Bühnen-Outfit als „Kneischter“.

Wolfgang Bolz gehört zu den erfahrensten Marktoberdorfer Narren. Mit Hansjörg Kögel (57) und Martin Barth (55) tritt er seit Jahrzehnten bei den Fasnachtsabenden auf. Ihre Figuren kennen die meisten Zuschauer gut: Die grantelnden, alten Kneischter-Herren, die vornehmen Damen aus dem Café Greinwald und die hintersinnigen „Altfasnachter“. Auch bei anderen Bühnennummern helfen die Drei aus. Heuer haben sie vier Auftritte an jedem der sechs Abende.

Bolz erzählt an der Künstler-Bar hinter der Modeon-Bühne, dass seine „Kneischter-Lederhose“ einst dem Marktoberdorfer Brauereibesitzer Franz Sailer gehörte, der in den 1930er Jahren den Namen „Dieselross“ für Fendt-Traktoren prägte. Dessen Enkelin verleiht die „Krachlederne“ seit Jahren an Bolz. Denn sie ist der wichtigste Besitz eines echten „Kneischters“. Nach dem Fasching landet die Lederhose dann wieder als Deko an der Wand des Restaurants „Zum Sailer“.

19.30 Uhr: In einer halben Stunde beginnt die Show im Marktoberdorfer Modeon. Die 150 Mitwirkenden haben sich hinter der Bühne versammelt. In den geschminkten Gesichtern spiegeln sich Anspannung und Vorfreude, die Nervosität ist fast greifbar. Sabine Sprich, die Regisseurin, stimmt ihre Truppe auf die Auftritte ein: „Heute ist keine Probe mehr. Schenkt den Leuten euer schönstes Lächeln, euren besten Text und eure beste Performance.“ Dann stimmen alle den Marktoberdorfer Faschingsruf an: „He Du Hee!“ Es kann losgehen.

22 Uhr: Hinter der Bühne sucht ein Künstler seine Perücke, woanders muss ein Lidstrich nachgezogen werden. Kinder in bunten Kostümen flitzen durch die Gänge. Die „Altfasnachter“ haben sich in die Garderobe zurückgezogen, um noch einmal ihre „Kneischter“-Nummer durchzugehen. Die ersten beiden Auftritte sind bereits geschafft. „Es lief gut“, sagt Martin Barth.

Die Marktoberdorfer Fasnachtsabende
> Die Marktoberdorfer Fasnachtsabende finden heuer zum 51. Mal statt. Am Gumpigen Donnerstag 1968 gab es den ersten „Bunten Abend“.
> Organisator ist der Marktoberdorfer Fasnachtsverein „D’Oberdorfer Fasnachter“.
> Anfangs fanden die Fasnachtsabende nur am Gumpigen Donnerstag statt, später dann an drei und heute an sechs Abenden.
> 150 Mitwirkende unterhalten allabendlich bis zu 600 Zuschauer im Veranstaltungszentrum Modeon.
> In diesem Jahr stehen 21 Nummern auf dem Programm. Klassische Fasnachtssprecher gehören ebenso zur Laien-Truppe wie Tanzgruppen, Akrobaten und die Showband Voice.
> Die Fasnachtsabende finden noch bis Samstag, 2. März, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Restkarten gibt es für alle Veranstaltungen ab 19 Uhr an der Abendkasse

Auf dem Garderoben-Tisch liegen Würste, Essiggurken, Brot, Gummibärchen und zwei Flaschen Schnaps zur Stärkung bereit. Zwischen Glätteisen und Kostümen üben Bolz, Kögel, Barth und der vierte „Kneischter“, Uli Bayrhof, ihre Nummer. Bolz und Kögel verpassen kurz ihre Einsätze, auch der Tanz klappt noch nicht hundertprozentig. „Das üben wir seit 20 Jahren und es funktioniert immer nur mit Bühnenluft“, sagt Barth und lacht. Beim Auftritt um 23 Uhr klappt dann tatsächlich alles reibungslos.

Kögel und Bolz treten seit 41 Jahren bei den Abenden auf. „Ich bin das Küken mit meinen 25 Jahren“, sagt Barth. Was begeistert die Drei so daran? „Ich bin eigentlich ein fürchterlicher Faschingsmuffel“, sagt Bolz. „Verkleiden in der Öffentlichkeit ist für mich die Hölle.“ Hier sei das aber etwas anderes, die große Gemeinschaft motiviere extrem. „Wir wollen die Tradition fortführen und dafür sorgen, dass es weitergeht“, sagt Kögel. „Man taucht für eine Woche in eine ganz andere Welt ein, weiß aber, dass es irgendwann wieder vorbei ist“, sagt Barth. Bis im nächsten Jahr die „Kneischter“-Lederhosen wieder aus dem Schrank – oder von der Wand – geholt werden.