In Schulgebäude eingebrochen und Abi-Prüfungen gestohlen

Bewährungsstrafen nach geklauten Abitur-Prüfungsaufgaben

Nachdem drei Schüler an einem Gymnasium in Bamberg die Abitur-Prüfungen geklaut hatten, bekamen 33.000 Prüflinge Ersatzaufgaben gestellt.

Nachdem drei Schüler an einem Gymnasium in Bamberg die Abitur-Prüfungen geklaut hatten, bekamen 33.000 Prüflinge Ersatzaufgaben gestellt.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

Nachdem drei Schüler an einem Gymnasium in Bamberg die Abitur-Prüfungen geklaut hatten, bekamen 33.000 Prüflinge Ersatzaufgaben gestellt.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

Drei Schüler klauen aus dem Tresor eines Gymnasiums in Bamberg Abi-Aufgaben - das hat Konsequenzen für Prüflinge in ganz Bayern. Nun ist das Urteil gefallen.
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dpa
03.05.2021 | Stand: 18:19 Uhr

Wegen gestohlener Abitur-Prüfungsaufgaben haben drei ehemalige Schüler eines Bamberger Gymnasiums Bewährungsstrafen von zwei Jahren erhalten. Es sei eine geplante Tat mit "krimineller Energie" gewesen, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Montag vor dem Amtsgericht Bamberg.

Tresor in der Schule aufgebrochen und Abi-Prüfungen geklaut

Zwei der Beschuldigten waren im Mai 2020 vor ihren Abi-Prüfungen in das Büro des Direktors eingedrungen, hatten den Tresor aufgebrochen und Aufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch und Latein entnommen. Dafür bekamen die 19-Jährigen wegen Sachbeschädigung und Diebstahl eine Jugendstrafe von neun Monaten, ausgelegt auf zwei Jahre Bewährung. Zudem müssen sie an einem Projekt für gemeinnützige Tätigkeiten teilnehmen.

Einer der beiden hatte darüber hinaus sensible Daten von einem Schul-Computer geklaut, darunter Passwortlisten und Daten mit denen er Zugriff auf Leistungsnachweise und Unterrichtsmaterialien bekam. Deshalb muss er sich zudem einer Maßnahme zur Verhinderung erneuter Straffälligkeit unterziehen.

Auch der dritte Angeklagte muss dem Richter zufolge an dieser Maßnahme teilnehmen. Da er das Schulgebäude vor dem Entwenden der Aufgaben verlassen hatte, erhielt dieser wegen Sachbeschädigung eine Jugendstrafe von sechs Monaten, ausgelegt auf zwei Jahre Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Am Anfang war es Abenteuerlust"

Die Schüler waren nach Überzeugung des Gerichts mehrfach in das Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg eingedrungen, erstmals im Sommer 2019. Später lieh sich einer der Beschuldigten unter einem Vorwand einen Generalschlüssel aus dem Sekretariat. Mittels eines Knetgummi-Abdrucks und Fotos bestellten sie im Internet einen nachgemachten Schlüssel.

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"Am Anfang war es Abenteuerlust", sagte einer der Angeklagten. "Anerkennung" sei ebenso ein Grund gewesen. Von den schulischen Leistungen hätten die jungen Männer dies nach Angaben ihrer Verteidiger nicht nötig gehabt.

Bei einem der nächtlichen Streifzüge durch die Schule sollen die drei Beschuldigten den Plan gefasst haben, die Aufgabentexte und Lösungen der Prüfungen zu kopieren und abzufotografieren und dann wieder zurückzulegen, so dass niemand davon etwas mitbekommt.

Rund 33.000 Prüflinge bekamen Ersatz-Abiaufgaben

Nachdem zwei der Angeklagten im Mai 2020 den Safe aus dem Wandschrank im Büro des Direktor gelöst und im Werkstattraum des Hausmeisters, zu dem sie wegen des Generalsschlüssels Zugang hatten, aufgesägt hatten, seien ihnen die Siegel an den Kuverts aufgefallen. Daraufhin entwendeten sie die Umschläge mit den Prüfungen.

Rund 33.000 Prüflinge hatten nach Angaben des Bayerischen Kultusministeriums anschließend Ersatzaufgaben gestellt bekommen. "Die zentralen schriftlichen Abiturprüfungen werden jedes Jahr so vorbereitet, dass diese im Sinne der Prüflinge bayernweit auch dann termingerecht durchgeführt werden, wenn Abiturprüfungsaufgaben nicht mehr verwendet werden können", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Die zur Tatzeit 18-Jährigen wären sich der eskalierenden Dynamik nicht bewusst gewesen. Vor Gericht entschuldigten sie sich bei den geschädigten Schülern, der Schule, dem Direktor und dem Kultusministerium.

Schüler mussten Geldbetrag zur Schadenswiedergutmachung zahlen

Nachdem die Ermittler den Schülern auf die Schliche gekommen waren, mussten diese sich einem Disziplinarverfahren unterziehen und einen Geldbetrag zur Schadenswiedergutmachung leisten. Zudem wurde das bestandene Abitur wegen Unterschleifs aberkannt. Zwei der Angeklagten holen das Abitur nun nach. Dafür mussten sie die Schule wechseln.

Es ist nicht das erste Mal, dass Abitur-Prüfungen geklaut wurden: Im Jahr 2018 brachen Diebe in ein Gymnasium in Niedersachsen ein. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Prüfungsaufgaben aus einem länderübergreifenden Aufgabenpool bekanntgegeben wurden, mussten kurzfristig neue Aufgaben für das Mathe-Abitur in mehreren Ländern her.

Mehrere Fälle geklauter Abitur-Prüfungen

Im selben Jahr hatte ein Konrektor die Abschlussaufgaben fotografiert und dem Sohn seiner Lebensgefährtin zukommen lassen. Nachdem der Betrug auffiel, wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und verlor seinen Job. Auch im Jahr zuvor musste in mehreren Bundesländern wegen geklauter Mathe- und Englisch-Abitur-Aufgaben in einem Stuttgarter Gymnasium die Prüfungen ausgetauscht werden. 2015 wurden in Thüringen die Abitur-Aufgaben im Fach Physik geklaut. Eine Passantin fand sie in einem Beutel auf einer Straßen und gab sie beim Bildungsministerium ab.