"Die Welle kommt ungewöhnlich spät"

Hohe Grippe-Zahlen bei Kindern: Arzt rät zur Impfung

Das RKI spricht mittlerweile von einer Grippewelle. Besonders Schulkinder sind aktuell betroffen.

Das RKI spricht mittlerweile von einer Grippewelle. Besonders Schulkinder sind aktuell betroffen.

Bild: Annette Riedl, dpa (Symbolbild)

Das RKI spricht mittlerweile von einer Grippewelle. Besonders Schulkinder sind aktuell betroffen.

Bild: Annette Riedl, dpa (Symbolbild)

Nach zwei Jahren ohne richtige Grippewelle sind die Zahlen besonders bei Kindern in den letzten Wochen stark gestiegen. Ein Überblick über die Lage in Bayern.
26.05.2022 | Stand: 08:35 Uhr

Durch die warmen Temperaturen und den Wegfall der meisten Einschränkungen ist für viele die Corona-Pandemie in den letzten Wochen in den Hintergrund gerückt. Auch bei Kindern, die noch zu Beginn des Jahres besonders stark von dem Virus betroffen waren, sind die Zahlen zurückgegangen. Dennoch können viele Eltern wohl momentan nicht durchatmen, denn laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurde die Corona-Welle besonders bei ihnen durch eine Grippewelle abgelöst. Wichtig ist hier, zwischen einem grippalen Infekt und einer echten Grippe (auch Influenza genannt) zu unterscheiden. Im Gegensatz zu einem Infekt oder einer Erkältung beginnt eine Grippe oft plötzlich und kann deutlich gefährlicher verlaufen. Symptome sind meist hohes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie trockener Reizhusten.

Grippe-Welle bei Kindern kommt ungewöhnlich spät

"Nach den Osterferien haben sich bei Kindern zunehmend Influenzaviren ausgebreitet", heißt es im Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI. Auch im Covid-Wochenbericht des Instituts wird von einem deutlichen Anstieg von akuten Atemwegserkrankungen bei Schulkindern im Alter zwischen fünf und 14 Jahren berichtet. Seit Ende April sind demnach die "virologischen Kriterien für den Beginn einer Grippewelle erfüllt". Eine solche Welle ist an sich nichts ungewöhnliches - allerdings nicht zu dieser Jahreszeit.

Normalerweise kommt es in Deutschland vor allem in den Wintermonaten zu Grippewellen. Aufgrund der wegen des Coronavirus ergriffenen Maßnahmen, waren sie aber in den letzten zwei Jahren ausgeblieben. Noch Anfang April hatten Experten sich besorgt dazu geäußert.

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Grippe-Zahlen in Bayern gestiegen - aber weit hinter Vor-Pandemie-Niveau

Auch in Bayern sei aufgrund der Pandemie-Maßnahmen die Influenzasaison in den letzten beiden Jahren "ausgefallen", gibt das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) an. Aufgrund der Lockerungen nähmen die Zahlen nun wieder zu. "Verglichen mit den Vor-Pandemischen Jahren fällt die Influenzaaktivität jedoch deutlich geringer aus", heißt es auf Anfrage unserer Redaktion aus dem LGL. Das Auftreten von Fällen bei Kindern sei demnach nicht ungewöhnlich, "da in diesen Altersgruppen eine geringere, über den Lauf des Lebens erworbene (Teil-)Immunität gegen Influenzaviren vorliegt."

Seit Januar wurden dem LGL 462 Fälle von Grippe (Influenza) bei Kindern im Alter zwischen fünf und vierzehn Jahren gemeldet. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum gerade einmal zwei gemeldete Fälle. Im ersten Pandemie-Jahr waren es in dem Zeitraum dagegen über 7000 (2020). Hier handelt es sich zwar nur um die offiziell beim Gesundheitsamt gemeldeten Zahlen, da Grippe allerdings eine meldepflichtige Krankheit ist, geben sie einen guten Überblick über die aktuelle Situation. Vor allem Anfang Mai gab es in Bayern bei der genannten Altersgruppe einen Anstieg von Grippe-Fällen.

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Kinder- und Jugendarzt Dr. Max Metzdorf bekommt davon in seiner Praxis in Lindau aktuell eher wenig mit. "Wir hatten bisher noch nicht so viele Verdachtsfälle", so Metzdorf auf Nachfrage. Sie würden allerdings auch nicht überdurchschnittlich viel auf Influenza-Viren testen. Doch auch er weiß von den aktuell hohen Zahlen. "Die Welle kommt ungewöhnlich spät", so der Mediziner. Den Grund dafür sieht er vor allem in der Lockerung der Corona-Regeln. Die Öffnungsstrategien aus dem Frühjahr hätten vermutlich eine Ausbreitung begünstigt.

Im Gegensatz zu einem grippalen Infekt seien Kinder, die sich mit Grippe infizierten, laut Metzdorf deutlich länger krank und hätten auch höheres Fieber als gewöhnlich. Während seiner Arbeit im Krankenhaus habe er außerdem die Erfahrung gemacht, dass auch Kinder schwererer an dem Virus erkranken könnten. Daher rät er auch schon bei Kindern ab einem gewissen Alter zu einer Grippeschutzimpfung und erklärt: "Ich sehe keinen Grund, es nicht zu machen".

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