Es kesselt im Keller

"Ich bin der Allgäuer Bier-Michl: Mein Bier brau ich noch selber"

"Bier-Michl" Michael Klein aus Kempten-Neuhausen vertreibt seinen eigenen Gerstensaft.

"Bier-Michl" Michael Klein aus Kempten-Neuhausen vertreibt seinen eigenen Gerstensaft.

Bild: Tobias Schuhwerk

"Bier-Michl" Michael Klein aus Kempten-Neuhausen vertreibt seinen eigenen Gerstensaft.

Bild: Tobias Schuhwerk

Wenn Michael Klein im Keller verschwindet, dann braut sich was zusammen! Der 55-jährige stellt vier verschiedene Bier- und Weizensorten in seiner eigenen kleinen Produktionsstätte her. Sein "Michl Bier" verkauft der Diplom-Braumeister ab Haustüre. "Ich betreibe die einzige Braustätte in Kempten", sagt Michael Klein. Mehr über den Bier-Michl liest Du hier.
01.03.2019 | Stand: 17:03 Uhr

"Hosch no oins da?" Erwartungsvoll steht ein treuer Kunde samt leerer Bierkiste vor der Haustüre von Michael Klein. Der "Bier-Michl" kann den Gast beruhigen. "Isch no gnua da!"

Alle zwei Wochen setzt der 55-Jährige in seinem Keller einen neuen Sud an. Bis das Bier fertig gegärt ist, vergehen rund vier Wochen. 8.000 Liter Bier produziert der Braumeister pro Jahr im Eigenbetrieb. Das entspricht knapp 1.500 Kästen, die beim "Bier-Michl" jeweils mit elf Flaschen gefüllt sind. Für eine große Brauerei ist so eine Menge natürlich nur ein Klacks. Doch für den Bier-Michl, der als Hausmeister arbeitet, ist es ein willkommener Nebenerwerb. Sein Bier und Weizenbier (jeweils hell und dunkel) verkauft er jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr.

Seine Anlage hat der "Bier-Michl" im Keller stehen.
Seine Anlage hat der "Bier-Michl" im Keller stehen.
Bild: Schuhwerk

Selbst hergestellt wie der Gerstensaft sind die Etikette, die der "Bier-Michl" persönlich auf seine Flaschen klebt und auf denen er sich seinen Reim auf die große Politik macht. Dass eine Allgäuer Brauerei nicht mit dem Wort "bekömmlich" werben darf, weil sie damit gegen EU-Recht verstößt, nutzt der Allgäuer als Steilvorlage für einen süffisanten Spruch: "Mit Michl Bier wird Europa bekömmlicher."

Nach seinem Studium zum Braumeister stand Michael Klein viele Jahre lang an den Sud-Kesseln bayerischer Brauereien. Im Allgäu bei Zötler, Post und Schäffler. In Oberbayern beim Mühlfelder Brauhaus (Herrsching). "Ich habe viel gesehen und kann all die Erfahrungen in mein Bier einfließen lassen", sagt der "Bier-Michl", von dem man freilich kein "neumodisch's Zuig" erwarten sollte. "Ich braue ohne Experimente", sagt der Traditionalist.

Du bist Allgäuer Bierspezialist? Dann beweis es in unserem Quiz. 

Die ersten Biere aus der heimischen Braustätte verkaufte er vor knapp 15 Jahrein in einer schwierigen Phase seines Lebens. Als seine Frau unerwartet mit 39 Jahren starb, gab er seine Arbeit auf, um sich um seine drei kleinen Kinder kümmern zu können. Um sich einen kleinen Erwerb zu sichern, vergrößerte er im Keller nach und nach seine bis dato nur privat genutzte Anlage. Gebrauchte Milchtanks von umliegenden Bauernhöfen verwendete er als Kessel.

Lesen Sie auch
##alternative##
Allgäuer Brauereien

Alkoholfreies Bier liegt auch im Allgäu im Trend: So wird es gebraut

Das Ergebnis seiner Keller-Brauerei machte nicht nur ihm Freude. Schnell baute sich der Schlagzeuger bei der Musikappelle Heiligkreuz einen kleinen Kundenstamm auf. Einem größeren Publikum wurde er im Vorjahr in seiner Heimatstadt Kempten bekannt, für die er das Jubiläumsbier "Zämed" (Zusammen) braute. Anlass war die Vereinigung von Reichs- und Stifststadt 1818. Mittlerweile hat das "Michl Bier" sogar Einzug in die Gastronomie erhalten: In der Weinstube Hensler bietet es Inhaber Peter Geißler seinen Gästen an. Auf den Zuspruch ist Michael Klein stolz. "Ich wollte schon immer ein Bier nach meinem eigenem Geschmack brauen und es unter die Leute bringen."