Fake News zu Maskenpflicht

Im Schulbus wegen Mund-Nasen-Schutz gestorben? - Falschmeldung über totes Kind sorgt für Entsetzen

Eine geschmacklose Falschmeldung über eine angeblich tote Schülerin macht im Internet die Runde. Das Mädchen sei im Schulbus kollabiert, weil es eine Maske trug. Die Polizei klärt auf.

Eine geschmacklose Falschmeldung über eine angeblich tote Schülerin macht im Internet die Runde. Das Mädchen sei im Schulbus kollabiert, weil es eine Maske trug. Die Polizei klärt auf.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

Eine geschmacklose Falschmeldung über eine angeblich tote Schülerin macht im Internet die Runde. Das Mädchen sei im Schulbus kollabiert, weil es eine Maske trug. Die Polizei klärt auf.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

Fake News boomen in der Corona-Krise. Jetzt wird verbreitet: Ein Mädchen (6) ist tot, weil es Mund-Nasen-Schutz tragen musste. Stimmt nicht, sagt die Polizei.
02.10.2020 | Stand: 09:14 Uhr

Es liest sich wie eine Horror-Meldung: Ein sechsjähriges Mädchen in Bayern sei gestorben, nachdem es einen Mund-Nasen-Schutz getragen hatte. Der traurige Vorfall soll sich bei Schweinfurt in Unterfranken ereignet haben. Konkret heißt es: Das Kind habe die Maske im Schulbus auf dem Weg nach Hause getragen und sei dort bewusstlos zusammengebrochen. Später starb es im Krankenhaus.

Diese Nachricht geistert gerade durch soziale Netzwerke wie Facebook und wird dort hundertfach geteilt.

Angebliches Schulbus-Drama in Bayern: Polizei spricht von "Internetmärchen"

Aber: Sie stimmt nicht - zum Glück. "Das sind Internetmärchen, die seit Dienstag auf verschiedenen Social-Media-Kanälen in der Region verbreitet werden", sagt eine Sprecherin der Polizei in Unterfranken. Weder in Schweinfurt noch in der Umgebung sei eine Sechsjährige wegen einer Maske erkrankt oder gar gestorben.

Die Polizei versucht nun herauszufinden, wer die Falschmeldung in den Umlauf gebracht hat. Inzwischen seien bereits viele Anrufe von besorgten Bürgern bei den Beamten eingegangen.

Mit solchen manipulierten oder frei erfundenen Meldungen würden immer wieder Ängste geweckt und mit den Sorgen der Menschen gespielt.

Was kann man gegen Fake News und Verschwörungstheorien tun?

Medientrainer Holger Weber riet im Gespräch mit allgaeuer-zeitung.de, die Herkunft solcher Meldungen zu prüfen und nur offiziellen Quellen zu vertrauen. Auf keinen Fall solle man jedem beliebigen Corona-Post auf Social Media Glauben schenken oder diesen sogar weiterverbreiten.

Wichtig sei aber, zwischen Kritikern und Verschwörungstheoretikern zu unterscheiden: „Nicht jeder, der an einer der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen teilnimmt, verbreitet automatisch Verschwörungstheorien“.

Auch im Allgäu immer wieder Zoff wegen Mund-Nasen-Bedeckung

Auch in unserer Region gab es zuletzt vielfach Diskussionen um den Mund-Nasen-Schutz in der Corona-Pandemie. Nahezu jede Woche muss die Polizei einschreiten, weil sich Menschen weigern, in Geschäften, Restaurants oder am Flughafen wie vorgeschrieben eine Maske zu tragen.

Für besonderes Aufsehen im Allgäu sorgte Anfang September der Inhaber einer Alpe bei Oberstaufen, weil er sich weigerte, bei der Bewirtung seiner Gäste die Maske zu tragen. Eine Touristin verpetzte den Älpler bei der Polizei. Der 74-Jährige bekam eine Anzeige und hat sich inzwischen entschuldigt.

Deshalb ist die Maske für viele Kritiker der Corona-Maßnahmen ein "rotes Tuch"

Überzeugte Kritiker der Corona-Maßnahmen in Deutschland sehen die Maske als Symbol staatlicher Unterdrückung - als eine Art "Maulkorb", mit dem mündige Bürger mundtot gemacht werden sollen.

Unter anderem hatte der Gründer des Unterallgäuer Bio-Lebensmittelherstellers "Rapunzel" das Tragen von Masken in einem Beitrag auf der Internetseite des Unternehmens als „die höchste Form von Demütigung“ bezeichnet. Hinter den empfohlenen Hygiene-Maßnahmen vermutete Joseph Wilhelm kommerzielle Gründe. Inzwischen hat sich der Rapunzel-Chef von Teilen seiner umstrittenen Aussagen distanziert.

Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte über den Mundschutz: Er würde Hautkrankheiten hervorrufen, wäre gefährlich für Kinder oder könnte zu Atemnot führen. Wie der Allgäuer Labormediziner Dr. Josef Cremer Fakten und Gerüchte zum Mund-Nasen-Schutz einordnet, erfahren Sie hier.