Corona-Pandemie

Impfpflicht für Lehrer? Bayerns Staatsregierung hat andere Pläne

Wird das Impfen für Lehrer und Erzieher verpflichtend?

Wird das Impfen für Lehrer und Erzieher verpflichtend?

Bild: Marcus Merk

Wird das Impfen für Lehrer und Erzieher verpflichtend?

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Wolfram Henn spricht von "berufsbezogener Verantwortung". Doch Politik und Pädagogen wollen lieber die Impfung bei Schülern vorantreiben.
13.07.2021 | Stand: 10:13 Uhr

Noch drei Wochen dauert es, bis auch in Bayern die Sommerferien beginnen. Doch die Vorfreude wird getrübt beim Blick auf das, was nach der freien Zeit kommt. Immer drängender werden die Forderungen, die Schulen im Herbst nicht noch einmal zu schließen. Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat fordert deshalb eine Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen und Kitas.

„Wer sich aus freier Berufswahl in eine Gruppe vulnerabler Personen hineinbegibt, trägt eben besondere berufsbezogene Verantwortung“, sagt Henn der Rheinischen Post. Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen sollten vor allem Kinder unter zwölf Jahren schützen, die keine Impfung bekommen könnten. Zwar hätten Kinder selbst ein geringes Risiko, schwer an Covid zu erkranken, man müsse aber weiter damit rechnen, „dass sie das Virus in ihre Familien tragen und Menschen aus Risikogruppen infizieren“.

In Bayern stößt die Idee auf wenig Begeisterung. „Das Impfen spielt bei der Eindämmung der Pandemie eine entscheidende Rolle, aber wir haben aus guten Gründen keine Impfpflicht“, sagt Kultusminister Michael Piazolo. Die Regierung habe den Lehrern frühzeitig ein Impfangebot gemacht. „Unsere Lehrkräfte handeln nach meinem Eindruck sehr verantwortungsvoll“, sagt Piazolo.

Psychische Störungen bei Jugendlichen nehmen zu

Doch auch aus bayerischen Ärzteverbänden wächst der Druck auf die Politik, das Thema Schule stärker in den Blick zu nehmen. Psychische Belastungen hätten bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen, teilen die Landesärztekammer, die Psychotherapeutenkammer und die Kassenärztliche Vereinigung mit. „Die Sommerferien müssen genutzt werden, um entsprechende Maßnahmen umzusetzen“, fordern die Verbände. „Eine erneute Schulschließung im Herbst muss vermieden werden, damit sich aus den aktuellen psychischen Belastungen und Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen keine psychischen Störungen beziehungsweise Erkrankungen entwickeln.“

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Gegenmaßnahmen könnten bestehen aus Testkonzepten, dem Einbau von Luftfilteranlagen und einer Impfkampagne für alle zwölf- bis 18-Jährigen. Doch genau die hat es derzeit schwer. Bisher hat die Ständige Impfkommission keine generelle Empfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt die Impfung in der Altersgruppe nur bei bestimmten Vorerkrankungen.

Nicht die Lehrer sind das Problem, sondern die Schüler

Ministerpräsident Markus Söder macht deshalb weiter Druck auf die Stiko. Seinen Informationen nach solle wohl bis Mitte, Ende August nochmals über eine mögliche Empfehlung nachgedacht werden – da sei es für den normalen Schulstart nach den Sommerferien allerdings „ganz nüchtern zu spät“, sagt Söder. Genau das fürchtet auch der Deutsche Lehrerverband.

„Die Forderung des Ethikratmitglieds Wolfram Henn lenkt von der Hauptherausforderung ab, vor der wir jetzt und wohl auch zum Schulstart im Herbst stehen werden. Und das ist die Tatsache, dass derzeit 85 bis 90 Prozent aller Kinder und Jugendlichen nicht geimpft sind und diese Quote auch im Herbst noch bei rund 80 Prozent liegen wird, wenn es bis dahin keinen zugelassenen Impfstoff für unter Zwölfjährige und keine allgemeine Impfempfehlung für Zwölf- bis 15-Jährige geben sollte“, sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Verbands.

Die Impfbereitschaft bei den Lehrern sei hingegen sehr hoch, liege in einigen Bundesländern bei fast 90 Prozent. „Die Hauptinfektionsgefahr für die Kinder und Jugendlichen droht also nicht von Erwachsenen und schon gar nicht von Lehrkräften, sondern von Gleichaltrigen“, sagt Meidinger.

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