Film-Dreh bei Füssen im Allgäu

Kult-Film "Gesprengte Ketten": Als Hollywood in Hopfen am See schlief

Gesprengte Ketten Dreharbeiten

Am Rande des Drehs von "Gesprengte Ketten": Anni Holfelder, die Mutter von Achim Holfelder, steht 1962 mit dem Hollywoodstar Steve McQueen auf dem Balkon ihres Hauses in Hopfen am See.

Bild: Alexandra Decker (Repro)

Am Rande des Drehs von "Gesprengte Ketten": Anni Holfelder, die Mutter von Achim Holfelder, steht 1962 mit dem Hollywoodstar Steve McQueen auf dem Balkon ihres Hauses in Hopfen am See.

Bild: Alexandra Decker (Repro)

Vor fast 60 Jahren war Füssen Drehort für den Hollywood-Film "Gesprengte Ketten". Stars wie Steve McQueen, Richard Attenborough und Charles Bronson waren hier.

30.06.2020 | Stand: 15:11 Uhr

Achim Holfelder ist 88 Jahre alt, aber immer noch bereit für Neues. Deshalb arbeitet er gerade daran, in seinem Haus Alpina in Hopfen am See ein Museum für den Film „Gesprengte Ketten“ einzurichten sowie Führungen zu den Drehorten im Füssener Land anzubieten. Außerdem hat er der Bavaria Film GmbH drei Exponate zu dem Kinofilm für eine Ausstellung gegeben.

In diesen Spiegel schauten bereits die Stars aus „Gesprengte Ketten“. An dem Tisch, an dem sie auch ihre Mahlzeiten einnahmen, betrachtet Achim Holfelder ein signiertes Foto seines Lieblingsschauspielers Steve McQueen.
In diesen Spiegel schauten bereits die Stars aus „Gesprengte Ketten“. An dem Tisch, an dem sie auch ihre Mahlzeiten einnahmen, betrachtet Achim Holfelder ein signiertes Foto seines Lieblingsschauspielers Steve McQueen.
Bild: Alexandra Decker

Die Münchner Filmfirma hatte bei ihm angefragt, weil dort ab März 2019 mit einer Ausstellung das 100-jährige Bestehen der Filmstudios gefeiert wird. Dabei wird unter anderem Archivmaterial wie Fotos, Original-Requisiten und Kostüme aus von der Bavaria produzierten Film- und Fernsehklassikern gezeigt. Einer ihrer ganz großen Filme ist „Gesprengte Ketten“. Er wurde 1962 mit Hollywoodgrößen unter anderem im Ostallgäu gedreht.

Holfelder kannte sie alle persönlich

Die Stars des Films wie Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough und Charles Bronson sowie Regisseur John Sturges wohnten während der Dreharbeiten nämlich etwa sechs Wochen lang bei der Familie Holfelder in Hopfen. Sie betrieb damals im heutigen Haus Alpina das Hotel Pergola. „Wir waren das modernste Haus im Allgäu. Jedes Appartement hatte WC und Dusche. Das war zu der Zeit nicht üblich“, sagt Holfelder.

Aber nicht nur die Ausstattung entschied über die Unterbringung. Der Produktionschef der Bavaria Film kannte die Familie Holfelder bereits, weil sie lange ein Hotel in der Regensburger Altstadt betrieben hat, wo nach dem Krieg häufiger Filme gedreht wurden. An Hopfen schätzten die Stars laut Holfelder die familiäre Atmosphäre. „Mein Vater hat ihnen sogar Fisch aus dem Hopfensee gefangen“, berichtet der 88-Jährige, dem Steve McQueen der Liebste der Hollywoodgrößen war.

Einen Baseball von McQueen verlieh Holfelder auch an die Bavaria Film GmbH für die Jubiläumsausstellung. Außerdem zwei Bilder mit Widmungen. Etliche andere Fotos der Stars hängen noch in seinem Haus. Auch die Einrichtung der Zimmer ist zum Teil die gleiche wie damals. Vor den Türen weisen kleine Namensschilder daraufhin, welcher Star wo übernachtet hat.

Fotos, Autogramme und Türschilder als Erinnerung

Der Kontakt zu den Schauspielern selbst sei aber nach ihrem Aufenthalt in Hopfen abgebrochen. Lediglich John Layton kam 2013 wieder ins Allgäu, als in Füssen eine Ausstellung zur Erstausstrahlung des Films vor 50 Jahren initiiert wurde. Die Unterkunft in Hopfen hat er „nicht wiedererkannt“, sagt Holfelder. „1962 standen hier viel weniger Bäume und Häuser.“

Statt der Stars kamen über die Jahre aber immer wieder Fans in Hopfen vorbei. Sie pilgern zu den Originalschauplätzen des Films, der in englischsprachigen Ländern bis heute Kultcharakter hat. „In England wird er jedes Jahr an Heiligabend gezeigt“, sagt Holfelder. Er selbst hat ihn das erste Mal gesehen, als er in den deutschen Kinos anlief, und schaut immer wieder in die DVD hinein – zuletzt vergangenen Sommer. Er sei ein großer Fan, sagt er. Warum? „Ich bin Pazifist und es ist ein Antikriegsfilm, in dem die Deutschen in Bezug auf den Holocaust relativ gut wegkommen, weil er gut den Unterschied zwischen Gestapo und Wehrmacht zeigt.“

Die meisten Allgäuer waren während der Dreharbeiten weniger angetan von dem Film. Sie sahen nur kurz nach dem Krieg wieder Hakenkreuzfahnen hängen und Wehrmachtsfahrzeuge durch die Gegend fahren. „Das hat die Leute wenig begeistert“, erinnert sich Holfelder. „Die Allgäuer wollten mit der Nazivergangenheit nichts mehr zu tun haben und waren reserviert.“ Autogrammjäger, wie sie heute zu erwarten wären, gab es daher 1962 nicht vor dem Hotel Pergola in Hopfen.

Wie seine Führungen zu den Drehorten heute ankommen, will Holfelder abwarten und aufgrund der Nachfrage entscheiden, wie er sie anbietet. Das Filmmuseum dagegen soll eine dauerhafte Einrichtung werden und voraussichtlich im März 2019 parallel zur 100-Jahr-Ausstellung in München eröffnen. Als Gegenleistung für die drei Exponate, die er der Bavaria Film für ihr Jubiläum zur Verfügung stellte, soll er nach der Ausstellung in München ein paar Exponate der Filmstudios für sein Museum erhalten.