Möglicherweise neue Coronavirus-Variante in Garmischer Klinikum

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine möglicherweise neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Derzeit würden Proben an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit.

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine möglicherweise neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Derzeit würden Proben an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit.

Bild: Angelika Warmuth, dpa

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine möglicherweise neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Derzeit würden Proben an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit.

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Gut 12.000 Corona-Varianten sind bekannt. Die ansteckenderen Mutanten bereiten Ärzten und Politikern Sorgen. Eine könnte in Oberbayern aufgetaucht sein.
Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine möglicherweise neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Derzeit würden Proben an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit.
dpa
18.01.2021 | Stand: 19:59 Uhr

Eine möglicherweise neue Variante des Coronavirus ist am Klinikum Garmisch-Partenkirchen entdeckt worden. Derzeit würden Proben an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit. Bei einem Ausbruch in dem Krankenhaus habe der Verdacht bestanden, dass eine veränderte Variante die Infektionen verursacht haben könnte. Noch ist unklar, ob sie wirklich neu ist und ob sie Auswirkungen auf die Infektiosität oder die Schwere der Erkrankung hat.

In dem Klinikum waren nach neuen Informationen 53 Patienten und 24 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden. Bei 35 der Infizierten wurde die Virus-Variante festgestellt. Zunächst hatte der "Münchner Merkur" darüber berichtet. Das Klinikum reagierte unter anderem mit Reihentestungen, um den Ausbruch in den Griff zu bekommen. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) sagte am Nachmittag, das Klinikum sei sehr offen mit der Situation umgegangen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden weltweit mehr als 12.000 kleine Veränderungen in den Sequenzen des Virus festgestellt. Am bekanntesten wurden die Varianten aus Großbritannien und Südafrika, da sie nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Ansteckungsrisiko bergen.

Keine der bekannten Varianten

"Es handelt sich sicher nicht um eine der bekannten englischen oder südafrikanischen Varianten", erläuterte Clemens Stockklausner, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

An der Position 501 gebe es keine Mutation - diese wäre typisch für die britische und die südafrikanische Mutation. Es fehle aber ein Stück im Spikeprotein an den Stellen 69 und 70, sagte Stockklausner. Dies sei bei der britischen Variante der Fall, komme aber auch bei mehreren internationalen Varianten vor und wurde auch in Deutschland mehrfach nachgewiesen.

"Nun kommt es darauf an, welche weiteren Veränderungen sich in dem Erbgut des Virus finden lassen, um eine fundierte Einordnung treffen zu können", sagte Stockklausner. Das ganze Genom zu sequenzieren, dauere rund zehn Tage. "Wir erwarten bis Ende Januar eine Rückmeldung mit weiteren und aussagekräftigen Details."

Drosten: "Kein Grund zur Sorge"

Charité-Virologe Christian Drosten fasste in einem Tweet den Informationsstand mit den Worten "kein Grund zur Sorge" zusammen. Es gebe keine Hinweise auf eine besondere Mutation, zur Vollständigkeit werde sequenziert.

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner mahnte engmaschigere Kontrollen solcher Veränderungen an. "Wir müssen auch diese Mutanten überprüfen." Mit einer sogenannten Mutations-PCR könnten im ersten Schritt bekannte Abweichungen erkannt werden. Grundsätzlich sei das Auftreten einer neuen Mutante noch kein Anlass zu besonderer Sorge, sagte der Chefarzt für Infektiologie in der München Klinik Schwabing unter Verweis auf die bereits bekannte Vielzahl an Varianten.

Allerdings bereite ihm gerade die höhere Infektiosität der britischen Variante große Sorge, sagte Wendtner. "Es klingt zwar zunächst harmlos, aber es ist gefährlicher, wenn die Infektiosität um 50 Prozent erhöht ist, als wenn eine Mutante doppelt so tödlich ist", sagte Wendtner. Das ergebe sich rein rechnerisch wegen der schnelleren Ausbreitung. "Da muss der Radarschirm einfach noch mal sehr viel besser aufgespannt werden."

Bessere Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen gefordert

Um eine Ausbreitung zu verhindern oder zu dezimieren, müssten vor allem aus dem Ausland kommende Menschen besonders kontrolliert werden, etwa an Flughäfen und Bahnhöfen, sagte Wendtner weiter. Die ansteckenderen Mutanten seien schon in Deutschland angekommen. Umso wichtiger sei es, die Fallzahlen zu senken. "Wir müssen die Gesundheitsämter in die Lage versetzen, dass sie entsprechend testen und nachverfolgen können."

In Garmisch-Partenkirchen ergriff nach Angaben der Klinikleitung der Krisenstab unterdessen umfangreiche Maßnahmen, um die Infektionen einzudämmen. Die Impfungen der Mitarbeiter würden vorangetrieben. Bereits am Montag sollten weitere 100 Impfungen erfolgen. Bisher seien 240 Mitarbeiter geimpft worden. Von dem Ausbruch seien Stationen in drei Stockwerken betroffen, die zu Isolierbereichen erklärt wurden. Alle Mitarbeiter und Patienten dieser Bereiche seien bereits mittels PCR-Abstrich getestet. Unmittelbar vor Dienstbeginn würden Antigen-Schnelltests durchgeführt.